Allein gelas­sen“

 

Inter­view mit einer Akti­vis­tin des Bünd­nis­ses „Soli­da­ri­tät statt Privilegien“

Der neu ver­ab­schie­de­te Haus­halts­plan der Stadt Mann­heim sieht viel­fa­che Kür­zun­gen im Kul­tur- und Sozi­al­be­reich vor. Akti­ve aus dem Bereich der Kul­tur und des Sozia­len haben sich im Pro­test dage­gen zu dem Bünd­nis „Soli­da­ri­tät statt Pri­vi­le­gi­en“ zusam­men­ge­fun­den. Wir haben mit einer Akti­vis­tin aus dem Bünd­nis gesprochen.*

Demo gegen Haushalts-Kürzungen in Mannheim, 15. Februar 2025. (Foto: Privat.)

Demo gegen Haus­halts-Kür­zun­gen in Mann­heim, 15. Febru­ar 2025. (Foto: Privat.)

Wel­che Art von Pro­jek­ten sind von den Kür­zun­gen beson­ders betrof­fen? 
Die Kür­zun­gen im städ­ti­schen Haus­halt für 2025/2026 sind viel­fäl­tig. Ich nen­ne hier ein paar Beispiele:

• Bei der AWO [Arbei­ter­wohl­fahrt] – die sozi­al­psych­ia­tri­sche Tagungsstätte, 

• beim Anti­dis­kri­mi­nie­rungs­bü­ro [ADB] – Redu­zie­rung von Personal, 
• bei der Cari­tas – „dahääm. star­ke Fami lien – siche­res Zuhau­se” und die Senio ren­be­ra­tung, beim „Alter” – war von Schlie­ßung bedroht, 

• beim Inter­kul­tu­rel­len Haus, 

• beim Quee­ren Zen­trum Mann­heim [QZM] – an drei Stel­len sind die Bera­tungs­mög­lich­kei­ten nicht mehr möglich.

Wir mei­nen, dass die­se Kür­zun­gen vor allem Ein­rich­tun­gen betref­fen, die für Men­schen wich­tig sind, die am Ran­de der Gesell­schaft leben, die zu mar­gi­na­li­sier­ten Grup­pen der Gesell­schaft gehö­ren oder die migran­ti­schen Hin­ter­grund haben.

In Zei­ten der „Haus­halts­kri­se“ wird ger­ne an Kul­tu­rel­lem und Sozia­lem „gespart“ und gekürzt. War­um fin­det ihr das falsch? Wes­halb legt Ihr – viel­leicht gera­de auch in die­sen Zei­ten – so viel Wert auf die­sen Bereich?
Was wir hier spü­ren, ist ein rech­ter Sozi­al­ab­bau auf kom­mu­na­ler Ebe­ne, der sich vor allem auf inter­kul­tu­rel­le und pro­gres­si­ve Pro­jek­te aus­rich­tet. Der Kampf um die­se Pro­jek­te ist von daher nicht nur der „ver- ein­zel­te” Kampf, son­dern auch der Kampf gegen eine rech­te Haus­halts­po­li­tik und im Kon­text des all­ge­mei­nen Rechts­rucks zu betrachten.

In der Pra­xis bedeu­ten der Rechts­ruck und rech­te Mehr­hei­ten nicht zwangs­läu­fig die Ein­füh­rung des Faschis­mus über Nacht. Sie bedeu­ten den stück­wei­sen Umbau unse­rer Gesell­schaft: Zurück­drän­gen pro­gres­si­ver und lin­ker Hand­lungs­spiel­räu­me, Rück­nah­me von Errun­gen­schaf­ten wie Arbeiter:innen- und Sozi­al­rech­te oder Kli­ma­schutz­maß­nah­men und den schritt­wei­sen Aus­bau des auto­ri­tä­ren Staates.

Am 15. Febru­ar 2025 sind in Mann­heim vie­le Men­schen Eurem Auf­ruf zur Demo gefolgt. Was hat dies bewirkt und wie haben sich die Situa­ti­on und Euer Bünd­nis seit­dem weiterentwickelt?
An der Demons­tra­ti­on am 15. Febru­ar betei­lig­ten sich drei Musik­wa­gen und ein Chor, dazu eine Initia­ti­ve „Tax the rich“, die for­der­te, end­lich Mil­li­ar­dä­re ange­mes­sen zu besteu­ern: „Nur 2% Mil­li­ar­därs­steu­er wür­de aus­rei­chen, um alle sozia­len und kul­tu­rel­len Pro­jek­te pro­blem­los zu finan­zie­ren.“ Der laut­star­ke Zug sorg­te für gro­ße Auf­merk­sam­keit in der Stadt. Eini­ge Passant:innen schlos­sen sich spon­tan an und fei­er­ten mit.

Neben vie­len Gesprä­chen mit Ver­tre­tern der Stadt hat die­se Demons­tra­ti­on dazu bei­getra­gen, dass das „Alter” in die­sem Som­mer wie­der öff­nen kann, da es zu einer finan­zi­el­len Unter­stüt­zung durch die Stadt kommt (sie­he Bericht im Kom­mu­nal­in­fo vom Februar). 

Das Bünd­nis wird wei­ter­ar­bei­ten, vor­aus­sicht­lich unter neu­em Namen, und bei Bedarf krea­ti­ve Aktio­nen im Stadt­ge­biet durch­füh­ren. Es kann nicht sein, dass für wach­sen­de Mili­ta­ri­sie­rung Mil­li­ar­den von Euro aus­ge­ge­ben wer­den und die Men­schen mit ihren Bedürf­nis­sen nach Bera­tung, Unter­stüt­zung und Kul­tur allein ge- las­sen werden.

Und zu guter Letzt: Wie kön­nen wir und unse­re Leser:innen Euer Bünd­nis unterstützen?
Letzt­lich hängt ganz vie­les an der Wo:-man-Power. Was für unser Bünd­nis wich­tig ist: Infor­miert Euch, ver­öf­fent­licht und teilt Infor­ma­tio­nen zu Kür­zun­gen, folgt unse­ren Auf­ru­fen. So geben wir gemein­sam Men­schen, die von Kür­zun­gen betrof- fen sind, eine Stim­me und sind solidarisch!


* [Die Fra­gen für Avan­ti² stell­te N. B.]

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar April 2025
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