Vor 50 Jah­ren Prag 1968

Pan­zer gegen Sozia­lis­mus

H. N.

Das Jahr 1968 hat weit mehr zu bie­ten als den Pari­ser Mai, den fran­zö­si­schen Gene­ral­streik und die vie­len Pro­test­be­we­gun­gen in der kapi­ta­lis­ti­schen Welt.

In der Nacht zum 21. August 1968 mar­schie­ren Trup­pen des War­schau­er Pakts unter rus­si­schem Kom­man­do in die Tsche­cho­slo­wa­kei (CSSR) ein. Sie unter­drü­cken mili­tä­risch den „Pra­ger Früh­ling“. So wird das bis dahin ein­ma­li­ge Expe­ri­ment eines reform-sozia­lis­ti­schen Umbaus der dor­ti­gen Staats- und Gesell­schafts­ord­nung genannt.

Prag 1968 – Protest gegen Stalinismus. Foto: Wikipedia, gemeinfrei (Foto: Wikipedia, gemeinfrei)

Prag 1968 – Pro­test gegen Sta­li­nis­mus. Foto: Wiki­pe­dia, gemein­frei (Foto: Wiki­pe­dia, gemein­frei)

Die gro­ße Bevöl­ke­rungs­mehr­heit in der CSSR unter­stütz­te die­sen „Sozia­lis­mus mit mensch­li­chem Ant­litz“. Für die sta­li­nis­ti­schen Büro­kra­ten Mos­kau­er Prä­gung war jedoch der Ver­such, die Herr­schaft der „Kom­mu­nis­ti­schen“ Par­tei durch eine sozia­lis­ti­sche Demo­kra­tie zu erset­zen, gleich­be­deu­tend mit „Kon­ter­re­vo­lu­ti­on“.

Die blu­ti­ge Nie­der­schla­gung des „Pra­ger Früh­lings“ mar­kier­te einen his­to­ri­schen Ein­schnitt. Statt den spä­ten Sta­li­nis­mus in Ost­eu­ro­pa zu sta­bi­li­sie­ren, lei­te­te sie nicht nur den Anfang vom Ende der Dik­ta­tu­ren in Ost­eu­ro­pa 1989/1990 ein. Sie dis­kre­di­tier­te mas­siv die sozia­lis­ti­sche Alter­na­ti­ve zu Kapi­ta­lis­mus und büro­kra­ti­scher Kom­man­do­wirt­schaft. Letzt­end­lich half das, die Rück­ge­win­nung der CSSR, der DDR und der ande­ren ost­eu­ro­päi­schen Staa­ten für das Kapi­tal vor­zu­be­rei­ten.

Aus der Avan­ti² Rhein-Neckar Juli/August 2018
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