Nutzt die­ses Forum, es gibt in die­ser Form kein zwei­tes.“*

7. Kon­fe­renz „Betriebs­rä­te im Visier“

 

Am 17.Oktober 2020 fin­det ab 13:00 Uhr die 7. Kon­fe­renz „BR im Visier“ im Mann­hei­mer Gewerk­schafts­haus statt._Sie wird orga­ni­siert vom Mann­hei­mer Komi­tee „Soli­da­ri­tät gegen BR-Mob­bing!“. Vio­let­ta Bock sprach mit Wolf­gang Alles über die Zie­le und Ent­wick­lung der Kon­fe­renz im Lauf der Jah­re.

Um was geht es bei der Kon­fe­renz und an wen rich­tet sie sich?
Die Kon­fe­renz „Betriebs­rä­te im Visier“ rich­tet sich vor allem an Betrof­fe­ne, das heißt Inter­es­sens­ver­tre­tungs­mit­glie­der, die Opfer von Betriebs­rats­mob­bing bzw. Gewerk­schafts­be­kämp­fung sind. Wir wol­len aber natür­lich auch haupt­amt­li­che Gewerkschafter*innen anspre­chen, um mit ihnen in einen Aus­tausch über die­se pro­ble­ma­ti­sche Situa­ti­on zu kom­men und wie man Gegen­wehr orga­ni­sie­ren kann. Neben dem Aus­tausch wol­len wir ana­ly­sie­ren, wel­che Werk­zeu­ge uns zur Ver­fü­gung ste­hen, um die­sem Klas­sen­kampf von oben wirk­sam begeg­nen zu kön­nen.

Die Kon­fe­renz fin­det ja zum sieb­ten Mal statt. Gibt es dies­mal einen beson­de­ren Schwer­punkt und wie wür­dest du die Ver­än­de­rung in den letz­ten Jah­ren beschrei­ben?
Wir ver­su­chen ja dazu zu ler­nen. Bei den ers­ten Kon­fe­ren­zen stand die Skan­da­li­sie­rung die­ses schwie­ri­gen The­mas im Mit­tel­punkt. Wir haben bald gemerkt, dass das nicht aus­reicht, um wirk­lich die Ver­hält­nis­se in die­sem Sek­tor zu ändern. Und wir haben uns zuneh­mend über­legt, wie kön­nen sich Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen in den Gre­mi­en auf­stel­len, um ent­spre­chen­de Angrif­fe schnell erken­nen aber auch zurück­wei­sen zu kön­nen. Und natür­lich wol­len wir da auch die Gewerk­schaf­ten mit ins Boot holen. Das haben wir auch von Beginn an getan.

Das Ziel ist also, dass wir ver­stärkt ver­su­chen, die Metho­den der Gegen­wehr zu dis­ku­tie­ren und zu ver­mit­teln. Da ist natür­lich das The­ma „Orga­ni­zing“ ganz beson­ders in den Fokus gerückt und spielt auch bei die­ser Kon­fe­renz eine wich­ti­ge Rol­le.

Am Anfang ging es also erst­mal dar­um, Öffent­lich­keit für das The­ma zu schaf­fen und auch die Gewerk­schaf­ten dafür zu sen­si­bi­li­sie­ren. Ihr hat­tet ja auch Betei­lig­te vom Vor­stand der IG Metall auf Eurer Kon­fe­renz. Wie ist Dein Ein­druck: Hat sich in den Gewerk­schaf­ten schon etwas geän­dert?
Vor sechs Jah­ren war die ers­te Kon­fe­renz und von Anfang an war die IG Metall mit im Boot. Über die Mann­hei­mer IG Metall haben wir zum vor­letz­ten Gewerk­schafts­tag einen ent­spre­chen­den Antrag zum Kampf gegen BR-Mob­bing ein­ge­bracht, der dann auch mit gro­ßer Mehr­heit ange­nom­men wor­den ist. Seit­dem haben wir natür­lich ver­stärkt Kon­tak­te zu Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen im IG Metall Vor­stand in Frank­furt. Da gibt es einen ste­ti­gen Aus­tausch zu die­sen Fra­gen.

Eine For­de­rung in dem Antrag war doch auch eine Art Task For­ce. Wie siehst Du den Stand der Umset­zung?
Es ist immer so, dass Anträ­ge das eine und die Umset­zung das ande­re sind. Da hat sich eini­ges bewegt. Ich den­ke aber, da müss­te sich noch mehr bewe­gen. Das The­ma Betriebs­rats­mob­bing und Gewerk­schafts­be­kämp­fung hat ja dann auch auf dem letz­ten Gewerk­schafts­tag eine noch grö­ße­re Rol­le gespielt als bei der Kon­fe­renz von 2015. Das heißt die Orga­ni­sa­ti­on ist gezwun­gen sich damit ausein- ander­zu­set­zen, weil die Angrif­fe ein­fach mas­si­ver und schär­fer wer­den, und da wird von Kapi­tal­sei­te die Coro­na-Pan­de­mie aus­ge­nutzt, um die Angrif­fe noch wei­ter zu ver­stär­ken.

Es ist noch eini­ges zu tun bei der Umset­zung der Beschlüs­se. Da ist etwa noch Luft nach oben, was die Umset­zung und Ent­wick­lung einer soge­nann­ten Task For­ce angeht bzw. einer Anlauf­stel­le für betrof­fe­ne Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen. Aber hier ist die IG Metall natür­lich den ande­ren Gewerk­schaf­ten weit vor­aus. Ver.di ist da auch unter­wegs, auch in ande­ren Gewerk­schaf­ten, mitt­ler­wei­le auch im DGB, ist das The­ma ange­kom­men.

Aber die Wahr­neh­mung von vie­len betrof­fe­nen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen ist, dass sie sich oft noch sehr allein gelas­sen füh­len und dass die­ser aggres­si­ven Macht, die hin­ter den Angrif­fen auf demo­kra­tisch gewähl­te Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen steht, noch nicht genü­gend koor­di­niert und wirk­sam ent­ge­gen gehal­ten wird.

Du hat­test Coro­na ange­spro­chen. Wie ist Euer Ein­druck, hat da auch das BR-Mob­bing pau­siert oder wur­de es eher befeu­ert?
Wir haben natür­lich kei­ne wis­sen­schaft­lich abge­si­cher­ten Daten. Das ist Teil des Skan­dals, dass der rea­le Umfang nicht wirk­lich erfasst wird. Es gibt ein­zel­ne Stu­di­en. Aber unser sub­jek­ti­ver Ein­druck aus ver­schie­de­nen Bran­chen ist, dass die Angrif­fe här­ter wer­den und dass mas­siv ver­sucht wird, kon­se­quen­te Inter­es­sen­ver­tre­tung zu bekämp­fen und unmög­lich zu machen.

Im Moment sieht es ja ganz gut aus, dass die Kon­fe­renz phy­sisch statt­fin­det. War das für Euch eine Fra­ge, ob man die Kon­fe­renz jetzt aus­fäl­len lässt?
Wir sind wie alle von der Pan­de­mie und ihren Aus­wir­kun­gen über­rollt wor­den. Wir haben unse­re Komi­tee­tref­fen sehr schnell auf Video- und Tele­fon­kon­fe­ren­zen umge­stellt. Aber für uns war immer klar, dass wir ver­su­chen wol­len, eine Prä­senz­ver­an­stal­tung durch­zu­füh­ren, natür­lich unter Ein­hal­tung der not­wen­di­gen Gesund­heits­schutz­re­geln. Das ist schon eine zusätz­li­che Her­aus­for­de­rung, weil der Saal beschränkt ist, und da dis­ku­tie­ren wir noch, wie wir tech­nisch allen eine Teil­nah­me ermög­li­chen kön­nen. Es soll­ten sich auf alle Fäl­le alle anmel­den, die in einer schwie­ri­gen Situa­ti­on sind. Alle Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen, die in den letz­ten Jah­ren teil­ge­nom­men haben, das waren in der Sum­me ja meh­re­re Hun­dert, sie alle haben gesagt, dass es für sie total wich­tig war, dass es den Aus­tausch gibt, dass wir sehen, wir sind kei­ne Ein­zel­fäl­le, dass wir sehen, da steckt ein kri­mi­nel­les Sys­tem der Betriebs­rats­be­kämp­fung dahin­ter usw. Des­we­gen kann ich nur appel­lie­ren: Nutzt die­ses Forum, es gibt in die­ser Form kein zwei­tes.

Gibt es etwas, wor­auf Du dich beson­ders freust?
Ich freue mich per­sön­lich enorm, Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen wie­der zu sehen, die ich in der letz­ten Zeit nur per Video­kon­fe­renz sehen konn­te, und das ist, den­ke ich, schon ein star­kes Bedürf­nis für alle Men­schen von die­ser vir­tu­el­len Ebe­ne auf eine rea­le Ebe­ne des phy­si­schen Mit­ein­an­ders zurück­zu­fin­den.


Mehr Infos unter: www.gegen-br-mobbing.de/konferenz-br-im-visier
Schrift­li­che Anmel­dun­gen sind zwin­gend erfor­der­lich. Die Kon­fe­renz wird unter­stützt von IG Metall Mann­heim sowie AKUWILL Ober­hau­sen, DGB Baden-Würt­tem­berg, IG BCE Wein­heim, OKG – „Orga­ni­sie­ren-Kämp­fen-Gewin­nen“, Über­be­trieb­li­ches Soli­da­ri­täts­ko­mi­tee Rhein-Neckar, ver.di Rhein-Neckar, work-watch Köln

* [Die­ses Inter­view wur­de ursprüng­lich für die Sozia­lis­ti­sche Zei­tung geführt.]

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