Tarif­kon­flikt bei der Deut­schen Bahn AG

Mit­glie­der der Gewerk­schaft GDL klar für Streik

 

Anläss­lich des am 19. Dezem­ber 2023 bekannt­ge­ge­ben Ergeb­nis­ses der Urab­stim­mung sprach Avan­ti² mit Dan­ny Gross­hans, 2. stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der des Bezirks Süd-West der Gewerk­schaft Deut­scher Loko­mo­tiv­füh­rer (GDL).*

Warnstreik der GDL in Leipzig, 10. Juli 2007. (Foto: bigbug21; gemeinfrei: CC-SA-25.)

Warn­streik der GDL in Leip­zig, 10. Juli 2007. (Foto: bigbug21; gemein­frei: CC-SA-25.)

Das Urab­stim­mungs­er­geb­nis liegt vor. Wie ist die Stim­mung an der Basis der GDL?
Die Mit­glie­der der GDL haben mit einem kla­ren Votum von 97 Pro­zent für län­ge­re und häu­fi­ge­re Arbeits­kampf­maß­nah­men gestimmt. Die­ses ein­deu­ti­ge Signal der GDL-Mit­glie­der spie­gelt auch die Stim­mung in den Betrie­ben wider und zeigt die soli­da­ri­sche Ent­schlos­sen­heit, gemein­sam für bes­se­re Arbeits- und Ent­gelt­be­din­gun­gen den Arbeit­ge­bern die Stirn zu zeigen.
Die Deut­sche Bahn AG behaup­tet, die For­de­run­gen der GDL sei­en „völ­lig über­zo­gen“. Ins­be­son­de­re die For­de­rung nach Arbeits­zeit­ver­kür­zung wird als nicht ver­han­del­bar hingestellt.

Wor­an ori­en­tiert sich die GDL bei ihren Forderungen?
Wann wur­den die For­de­run­gen der GDL denn in der Ver­gan­gen­heit als ange­mes­sen bezeich­net? Wir hören die­se Lei­er vor und wäh­rend jeder Tarif­ver­hand­lung vom Pres­se­spre­cher des „roten Rie­sen“. Nach unse­rem Ermes­sen sind aber nicht die berech­tig­ten For­de­run­gen der GDL-Mit­glie­der über­zo­gen, son­dern die Bonus­zah­lun­gen in den Vor­stands­eta­gen der DB AG in Höhe von 5 Mil­lio­nen Euro bei immer schlech­ter wer­den­der Leis­tung. Deren Mot­to lau­tet: „Was­ser pre­di­gen und selbst im Hin­ter­zim­mer den Wein fla­schen­wei­se köpfen.“

Seit Jah­ren hören unse­re Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen Ver­spre­chun­gen, dass die Arbeit­ge­ber für einen aus­ge­gli­che­nen Per­so­nal­be­stand sor­gen wol­len. Doch es pas­siert abso­lut nichts! Schich­ten wer­den pro­duk­ti­ver, Ruhe­zei­ten kür­zer und Über­stun­den häu­fen sich an. Die Beru­fe im unre­gel­mä­ßi­gen Wech­sel­dienst wer­den auf Grund der schlech­ten Arbeits­be­din­gun­gen im hart umwor­be­nen Fach­kräf­te­markt nicht mehr ange­nom­men. Die Absen­kung der Arbeits­zeit schafft Per­spek­ti­ven für das vor­han­de­ne Per­so­nal und am Ende wer­den sich neue Eisen­bah­nerin­nen und Eisen­bah­ner wie­der für unse­re ehren­wer­ten Beru­fe an 365 Tagen im Jahr begeis­tern können.

Unse­re GDL-Amts­in­ha­ber in den Betriebs­rä­ten und Orts­grup­pen neh­men täg­lich die Sor­gen und Nöte unse­rer Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen auf. Dabei kris­tal­li­sier­te sich an der Basis ein­deu­tig der Ruf nach einer spür­ba­ren Belas­tungs­sen­kung her­aus. Des­halb ste­hen am Ende eines demo­kra­ti­schen Pro­zes­ses in die­ser Tarif­run­de neben den mone­tä­ren Ver­bes­se­run­gen eben eine 5-Tage-Woche und die Absen­kung der Arbeits­zeit zur Debatte.

Runder Aufkleber: Solidarität mit GDL. (Foto: Gemeinfrei.)

Wel­che Rol­le spielt das Tarif­ein­heits­ge­setz (TEG) in der aktu­el­len Tarifauseinandersetzung?
Die GDL han­delt auf Grund­la­ge der gesetz­li­chen Rege­lun­gen. Wir haben das Tarif­ein­heits­ge­setz ange­nom­men und haben in immer mehr Betrie­ben die durch das TEG gesetz­lich gefor­der­ten Mehr­hei­ten. Dass jetzt die DB AG der GDL ver­wehrt, Tarif­ver­trä­ge für DB Netz (Fahr­dienst­lei­ter) abzu­schlie­ßen zeugt davon, dass ein Staats­kon­zern das TEG ten­den­zi­ös und nur in sei­nem und dem Inter­es­se sei­ner Haus­ge­werk­schaft (der EVG) zur Anwen­dung bringt oder eben nicht. Die GDL streikt nicht gegen das TEG, son­dern für gute Arbeits- und Ent­gelt­be­din­gun­gen. Im Übri­gen ist die Deut­sche Bahn AG das ein­zi­ge Unter­neh­men in Deutsch­land, wel­ches das TEG zur Anwen­dung bringt. Alle ande­ren Arbeit­ge­ber leben Tarif­plu­ra­li­tät und ver­su­chen nicht, ihre Beleg­schaf­ten zu spalten!

Die GDL hat den Ruf, die kämp­fe­rischs­te Gewerk­schaft Deutsch­lands zu sein. Zahlt sich das bei der Mit­glie­der­ge­win­nung aus?
Die Ergeb­nis­se über­zeu­gen! Im Jahr 2002 haben wir uns erfolg­reich dage­gen gewehrt, dass es Lok­füh­rer und Zug­be­glei­ter 1. und 2. Klas­se inner­halb des DB-Kon­zerns gibt. Das Per­so­nal im Nah­ver­kehr soll­te damals mehr arbei­ten und weni­ger ver­die­nen als im Fern- oder Güter­ver­kehr. Die dama­li­ge Trans­net (heu­te EVG) hat­te den Tarif­ver­trag dafür bereits unter­schrie­ben. Durch unse­re Abwehr­hal­tung gegen die Abwärts­spi­ra­le haben immer mehr Zug­be­glei­ter den Weg in die GDL gefun­den. Mit der Besitz­stands­wah­rung der Zusatz­ver­sor­gung haben wir 2021 eben­falls für alle Eisen­bah­nerin­nen und Eisen­bah­ner eine mas­si­ve Ver­schlech­te­rung ver­hin­dern kön­nen. Das führ­te erneut zu einem enor­men Mit­glie­der­zu­wachs. Jetzt, wo wir als Gewerk­schaft für alle direk­ten Eisen­bah­ner unse­ren Orga­ni­sa­ti­ons­be­reich – auch dank des TEG – erwei­tert haben, ver­zeich­nen wir Zuwäch­se aus allen Bereichen.


* [Die Fra­gen stell­te H. S. für Avanti².]

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Janu­ar 2024
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