Fern­seh-Debat­te zur Landtagswahl

Wie der SWR der AfD den roten Tep­pich auslegt

 

J. H.

In Baden-Würt­tem­berg wird am 8. März ein neu­er Land­tag gewählt. Der öffent­lich-recht­li­che SWR plant vor der Land­tags­wahl eine Fern­seh­de­bat­te mit den Spit­zen­kan­di­da­ten von CDU, Grü­nen und der AfD. Die Teil­nah­me der Rechts­extre­men sorg­te im Rund­funk­rat für Dis­kus­sio­nen, doch der Sen­der hält an sei­nen Plä­nen fest.

Protest gegen AfD in Mannheim-Rheinau, 23. Januar 2026. (Foto: Privat.)

Pro­test gegen AfD in Mann­heim-Rhein­au, 23. Janu­ar 2026. (Foto: Privat.)

Bereits Ende Novem­ber 2025 traf sich der Lan­des­rund­funk­rat von Baden-Würt­tem­berg zu einer öffent­li­chen Son­der­sit­zung, initi­iert von Erik Schwei­kert. Der FDP-Land­tags­ab­ge­ord­ne­te sprach sich gegen die geplan­te Drei­er-Debat­te zur Land­tags­wahl aus, die am 24. Febru­ar im SWR-Fern­se­hen lau­fen soll. Statt­des­sen for­der­te er ein Duell mit allen Par­tei­en, die Chan­cen auf den Ein­zug in den Land­tag haben – also auch mit sei­ner FDP. Ande­re Mit­glie­der des Rund­funk­rats spra­chen sich dage­gen für ein Duell zwi­schen CDU-Spit­zen­kan­di­dat Manu­el Hagel und dem Grü­nen Cem Özd­emir aus. Ein­zel­ne unter­stütz­ten aber auch die Ent­schei­dung des SWR.

Macht­lo­ser Landesrundfunkrat
Die Macht des Lan­des­rund­funk­rats ist in der Fra­ge begrenzt. Denn das aus 64 Vertreter:innen von Par­tei­en und Ver­bän­den bestehen­de Gre­mi­um darf bei Pro­gramm­in­hal­ten ledig­lich bera­ten. Die Ent­schei­dung blieb der SWR-Füh­rung vor­behal- ten, die sich längst vor der Sit­zung des Rund­funk­rats ent­schie­den hatte.

Inten­dant Kai Gniff­ke beteu­er­te dann auch vor dem Gre­mi­um, dass der Sen­der alle Argu­men­te abge­wo­gen habe. Und Lan­des­sen­der­di­rek­to­rin Ste­fa­nie Schnei­der sprang ihm bei: Der schlimms­te Fall sei, wenn die AfD sich erfolg­reich ein­kla­ge und dadurch ein „Shit­s­torm“ aus­ge­löst wer­de. Mit sol­chen Kla­gen hat der Sen­der schon Erfah­rung: Im Febru­ar hat­ten sich Lin­ke und BSW in ein For­mat zur Bun­des­tags­wahl erfolg­reich eingeklagt.

Drei­er-Debat­te im TV
Der Sen­der will neben der Drei­er-Debat­te zur Land­tags­wahl auch eine Wahl­are­na aus­strah­len, zu der alle Par­tei­en ein­ge­la­den wer­den sol­len, die eine Chan­ce auf den Ein­zug in den Land­tag haben, auch hier mit AfD-Betei­li­gung. Dort sol­len statt der Journalist:innen vor allem die Zuschauer:innen Fra­gen stel­len. Auch im Radio, etwa in der Sen­dung „SWR1 Leu­te Baden-Würt­tem­berg“ sol­len die Spit­zen­kan­di­da­ten vor­ge­stellt wer­den. Trotz ver­schie­de­ner Sen­dun­gen bleibt die Drei­er-Debat­te wohl eines der wich­tigs­ten Formate.

Für die AfD dürf­te Mar­kus Frohn­mai­er teil­neh­men. Der enge Ver­trau­te von Par­tei­che­fin Wei­del kan­di­diert für das Amt des Minis­ter­prä­si­den­ten, obwohl er nicht mal als Land­tags­kan­di­dat antritt. Frohn­mai­er wird nach der Wahl also höchs­tens auf der Besu­cher­tri­bü­ne im Stutt­gar­ter Land­tags­ge­bäu­de sitzen.

Abge­stuf­te Chancengleichheit“
Der SWR hat ihn trotz­dem in die Drei­er-Debat­te ein­ge­la­den. „Abge­stuf­te Chan­cen­gleich­heit“ – so begrün­det der Sen­der das in einer Pres­se­mit­tei­lung. Ein­ge­la­den sei­en Ver­tre­ter der drei Par­tei­en, „die auf­grund ihrer Wahl­chan­cen die Lan­des­po­li­tik in der kom­men­den Legis­la­tur­pe­ri­ode vor­aus­sicht­lich am stärks­ten prä­gen wer­den.“ Die Ent­schei­der im Sen­der bezie­hen sich auf aktu­el­le Wahl-Umfra­gen. Dort lie­gen CDU, Grü­nen und AfD deut­lich vor­ne. Erst mit Abstand fol­gen SPD, Lin­ke und FDP.

Im benach­bar­ten Rhein­land-Pfalz kann es sich der SWR ein­fa­cher machen. Dort tritt SPD-Amts­in­ha­ber Alex­an­der Schweit­zer erneut an. Ganz tra­di­tio­nell läuft im SWR-Fern­se­hen ein Duell mit ihm und sei­nem CDU-Her­aus­for­de­rer. Ohne AfD.

Pro­test gegen AfD-Beteiligung
Auf der Sit­zung des Lan­des­rund­funk­rats zur geplan­ten Drei­er-Debat­te spra­chen auch meh­re­re Gewerkschafts-Vertreter:innen. Sie kri­ti­sier­ten die Ent­schei­dung des Sen­ders. Und sie warn­ten davor, dass der AfD so der rote Tep­pich aus­ge­legt werde.

Ganz ruhig waren wäh­rend der Sit­zung des Rund­funk­rats übri­gens die Ver­tre­ter der AfD. Sie kön­nen sich auf die Fern­seh­de­bat­te im Febru­ar freu­en, wo ihr Kan­di­dat noch­mal den gro­ßen Lan­des­po­li­ti­ker spie­len kann, bevor er sich wie­der der Bun­des­po­li­tik in Ber­lin wid­men wird.

Immer­hin gibt es Wider­stand auf der Stra­ße: Unter dem Mot­to „Mit Nazis dis­ku­tiert man nicht“ ruft das Bünd­nis „Stutt­gart gegen Rechts“ am Tag der Drei­er-Debat­te zur Demo auf.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Febru­ar 2026
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