Groß­kraft­werk Mann­heim (GKM)

Kli­ma­schutz und Beschäf­ti­gungs­si­che­rung!

O. T.

Laut Koh­le­aus­stiegs­ge­setz dür­fen Stein­koh­le­kraft­wer­ke noch bis 2033 genutzt wer­den. Das gilt auch für das Groß­kraft­werk Mann­heim (GKM). Vor dem Hin­ter­grund der sich zuspit­zen­den Kli­ma­ka­ta­stro­phe ist die­ser Zeit­rah­men zu lang und gegen­über den nach­fol­gen­den Genera­tio­nen nicht ver­tret­bar. Hier müs­sen Maß­nah­men für einen frü­he­ren Aus­stieg des GKM getrof­fen wer­den.

Sofort abschal­ten!“ hilft aber auch nicht wei­ter. Zunächst muss geklärt wer­den, wie die not­wen­di­ge Fern­wär­me- und Strom­ver­sor­gung von Mil­lio­nen Men­schen lang­fris­tig gesi­chert wer­den kann. Außer­dem geht es um 1.000 Arbeits­plät­ze im und um das GKM.

GewerkschafterInnen für Klimaschutz bei der Großdemo am 06. Oktober am Hambacher Forst (Foto: Avanti²)

Gewerk­schaf­te­rIn­nen für Kli­ma­schutz bei der Groß­de­mo am 06. Okto­ber am Ham­ba­cher Forst (Foto: Avan­ti²)

Brau­ne Koh­le von der „AfD“
Schon längst ver­su­chen die Kli­ma­wan­del­leug­ner von der „AfD“ das The­ma GKM für sich zu instru­men­ta­li­sie­ren. Im Novem­ber 2019 emp­fing der GKM-Vor­stand offen­bar Land­tags­ab­ge­ord­ne­te und Funk­tio­nä­re der „AfD“ im Groß­kraft­werk zu einem offi­zi­el­len Besuch. Anschlie­ßend ließ die „AfD“ ein Flug­blatt an die Beleg­schaft ver­tei­len. Dar­an pole­mi­siert die von Nazis durch­drun­ge­ne Par­tei gegen den aus ihrer Sicht „hys­te­ri­schen Koh­le­aus­stieg“ als Fol­ge der „wahn­wit­zi­gen Ener­gie­wen­de“. Nur mit der „AfD“ kön­ne der Koh­le­aus­stieg „rück­gän­gig“ und die Arbeits­plät­ze „gesi­chert“ wer­den.

Die Angst vor Arbeits­platz-Abbau ist in der GKM-Beleg­schaft weit ver­brei­tet. Des­halb haben die Sprü­che der „AfD“ trotz des hohen gewerk­schaft­li­chen Orga­ni­sa­ti­ons­grads der Kol­le­gIn­nen einen Wider­hall gefun­den. Dies muss sehr ernst genom­men wer­den.

Die Ängs­te der Beschäf­tig­ten ernst neh­men
Das Über­be­trieb­li­che Soli­da­ri­täts­ko­mi­tee Rhein-Neckar hat des­halb mit dem Betriebs­rat des GKM und der zustän­di­gen Gewerk­schaft ver.di Kon­takt auf­ge­nom­men. Aus dem sehr kol­le­gia­len Aus­tausch ent­stand die Idee, ein Flug­blatt für die Kol­le­gIn­nen des GKM zu erstel­len und zu ver­tei­len. Wie zu hören war, ist das Info des Soli­ko­mi­tees in der GKM-Beleg­schaft sehr posi­tiv auf­ge­nom­men wor­den.


Wir doku­men­tie­ren Aus­zü­ge aus dem Flug­blatt des Über­be­trieb­li­chen Soli­da­ri­täts­ko­mi­tees:

Groß­kraft­werk Mann­heim GKM Arbeits­plät­ze sichern,
Kli­ma­schutz stär­ken!

Der von der Bun­des­re­gie­rung beab­sich­tig­te Aus­stieg aus der Koh­le­ver­stro­mung bevor­teilt Braun­koh­le­kraft­wer­ke. Dort wird aber – von der Atom­ener­gie ein­mal abge­se­hen – die am meis­ten umwelt­zer­stö­ren­de Ener­gie erzeugt. Trotz­dem soll ein moder­nes Kraft­wär­me-Kopp­lungs-Kraft­werk wie das GKM Jah­re frü­her als die Braun­koh­le­kraft­wer­ke geschlos­sen wer­den. Das ist unsin­nig und nicht hin­nehm­bar.

Von den Fak­ten aus­ge­hen
• Im und für das GKM arbei­ten rund 1.000 Men­schen (600 inklu­si­ve Azu­bis direkt beim GKM, 300 für die stän­di­ge Re visi­on, 100 über Fremd­fir­men).
• Das GKM ver­sorgt rund 2,5 Mio. Strom­kun­dIn­nen.
• Das GKM lie­fert der­zeit 15 % des gesam­ten Bahn­stroms in Deutsch­land, der rund um die Uhr flie­ßen muss.
• Das GKM ver­sorgt der­zeit rund 120.000 Haus­hal­te in der Regi­on (Ten­denz stei­gend) und fast alle öffent­li­chen Gebäu de und Betrie­be der Stadt Mann­heim mit Fern­wär­me.
• Das GKM ist von der Bun­des­netz­agen­tur als sys­tem­re­le­van tes Grund­last­kraft­werk für den Süd­wes­ten ein­ge­stuft, um die unab­ding­ba­re Netz­fre­quenz von 50 Hertz sichern und plötz­li­che Strom­aus­fäl­le ver­hin­dern zu kön­nen.
• Ohne GKM müss­te bei Strom­knapp­heit auf abseh­ba­re Zeit Koh­le­strom […] und Atom­strom […] impor­tiert wer­den.
[…] Es müs­sen wirk­sa­me Alter­na­ti­ven zum Abbau der Ar beits- und Aus­bil­dungs­plät­ze von den Eigen­tü­mern des GKM ent­wi­ckelt und finan­ziert wer­den.
Zum Bei­spiel könn­ten spä­ter anstel­le der Koh­le­blö­cke gas­be­feu­er­te Gas- und Dampf­tur­bi­nen­blö­cke mit Fern­wär­me­aus­kopp­lung errich­tet wer­den […]. Damit könn­ten meh­re­re Zie­le unter einen Hut gebracht wer­den:
• Siche­re, preis­güns­ti­ge, kli­ma­scho­nen­de Ver­sor­gung mit Strom und Wär­me
• Rege­lung und Sta­bi­li­sie­rung des „Grünstrom“-Netzes
• Wei­te­re Ver­rin­ge­rung des CO2-Aus­sto­ßes
• Erhalt der Arbeits- und Aus­bil­dungs­plät­ze im GKM. […]

Arti­kel 14 Grund­ge­setz: „Eigen­tum ver­pflich­tet!“
Das GKM ist ein Gemein­schafts­kraft­werk von RWE, EnBW und MVV. Die bei­den letz­ten befin­den sich mehr­heit­lich in gesell­schaft­li­chem Eigen­tum. […]

Nach Arti­kel 14 des Grund­ge­set­zes ist Eigen­tum auch „dem Woh­le der All­ge­mein­heit“ ver­pflich­tet. Das gilt erst recht für gesell­schaft­li­ches Eigen­tum. Bei die­ser Eigen­tums­form kommt zudem eine beson­de­re Für­sor­ge­pflicht gegen­über den dort Beschäf­tig­ten hin­zu. Des­halb müs­sen die Eigen­tü­mer ihrer Ver­ant­wor­tung gerecht wer­den und die Zukunfts­si­che­rung der Arbeits- und Aus­bil­dungs­plät­ze des GKM und den Umbau des GKM im Sin­ne eines kon­se­quen­ten Kli­ma­schut­zes garan­tie­ren. Die drei Strom­kon­zer­ne, der Bund, das Land Baden-Würt­tem­berg und die Stadt Mann­heim sind hier in der Pflicht. […]

Eine aus­rei­chen­de Lauf­zeit des GKM ist erfor­der­lich, um fol­gen­de Maß­nah­men umset­zen zu kön­nen:
• Umbau des GKM zu einem gas­be­feu­er­ten Regel­kraft­werk mit Fern­wär­me­aus­kopp­lung
• Ersatz­ar­beits­plät­ze in den Eigen­tü­mer­kon­zer­nen mit Umschu­lung
• Groß­zü­gi­ge Alters­teil­zeit- und Vor­ru­he­stands­re­ge­lun­gen
• Beschäf­ti­gungs­si­che­rung und Ver­bot von Ent­las­sun­gen.

* [Das kom­plet­te Flug­blatt ist hier zu fin­den.]


Aus Avan­ti² Rhein-Neckar April 2020
Tagged , , , , . Bookmark the permalink.