Rau­er Wind: Cater­pil­lar, GE, ABB

H. N.

Die bedroh­li­chen Ent­wick­lun­gen in der Mann­hei­mer Metall- und Elek­tro­in­dus­trie neh­men kein Ende. Nach dem seit Jah­ren andau­ern­den Abbau bei GE/Alstom geht nun auch bei Cater­pil­lar Ener­gy Solu­ti­ons (Cat) das Manage­ment in die Offen­si­ve.

Protestkundgebung bei GE Power Mannheim 13.11.2018-(Foto:Avanti²)

Pro­test­kund­ge­bung bei GE Power Mann­heim 13.11.2018-(Foto:Avanti²)

Ver­ein­ba­run­gen zur Siche­rung der Arbeits­plät­ze haben bei Cat, den frü­he­ren Moto­ren­wer­ken Mann­heim – MWM, eine lan­ge Tra­di­ti­on. Seit 2007 hat­ten IG Metall und Gesamt­be­triebs­rat von dem Unter­neh­men unun­ter­bro­chen Stand­ort- und Beschäf­ti­gungs­ga­ran­ti­en erhal­ten. Die­se beruh­ten, wie noch 2014 ver­kün­det wur­de, auf der Grund­la­ge „einer ver­trau­ens­vol­len Zusam­men­ar­beit“. Als Gegen­leis­tung für die Ver­ein­ba­run­gen wur­den Zuge­ständ­nis­se in punc­to „Fle­xi­bi­li­tät“ der Beleg­schaft gemacht. Über­stun­den und Wochen­end­ar­beit ins­be­son­de­re in der Pro­duk­ti­on waren und sind immer noch sehr ver­brei­tet.

Cat ver­wei­gert Stand­ort­si­che­rung
Die aktu­el­len Geschäfts­zah­len des Unter­neh­mens sind posi­tiv. Den­noch weht auch bei Cater­pil­lar Deutsch­land mit rund 1.100 Beschäf­tig­ten, davon etwa 920 im Mann­hei­mer Werk, ein zuneh­mend raue­rer Wind. Die Ver­hand­lun­gen über die zum Ende des Jah­res aus­lau­fen­de Stand­ort­ver­ein­ba­rung sind im Novem­ber geschei­tert. Laut ört­li­cher Cat-Geschäfts­lei­tung gab es von der US-Kon­zern­lei­tung kein grü­nes Licht, obwohl eine Eini­gung mög­lich greif­bar schien.

Die Mann­hei­mer IG Metall sprach dar­auf­hin von einem „Schlag ins Gesicht der Beschäf­tig­ten bei Cater­pil­lar”. Der Betriebs­rat nann­te das Ver­hal­ten des Manage­ments „uner­klär­lich“. In der Beleg­schaft von Cat gibt es aller­dings nicht erst seit heu­te die Befürch­tung, dass der Kon­zern ver­stärkt Arbeit nach Chi­na ver­la­gern will.

Die Beschäf­tig­ten wur­den am 7. Novem­ber in einer Beleg­schafts­ver­samm­lung infor­miert.

GE – wei­te­re Arbeits­platz­ver­nich­tung
Bei einem ande­ren Mann­hei­mer Tra­di­ti­ons­un­ter­neh­men sieht es mitt­ler­wei­le sehr fins­ter aus. Nach der Schlie­ßung der Fabrik und dem Abbau von über 1.000 Arbeits- und Aus­bil­dungs­plät­zen führt Gene­ral Elec­tric (GE) sei­nen Krieg gegen die Beschäf­tig­ten, den Betriebs­rat und die gewerk­schaft­li­che Orga­ni­sa­ti­on fort. Rund drei- hun­dert wei­te­re Stel­len sol­len nach dem Wil­len des Manage­ments ver­nich­tet wer­den.

Erst­mals seit lan­ger Zeit gab es dage­gen wie­der öffent­li­chen Pro­test. Nach der am 13. Novem­ber 2018 unter­bro­che­nen Betriebs­ver­samm­lung fand am Tor 6 eine Kund­ge­bung mit 300 Kol­le­gIn­nen statt. Dort kri­ti­sier­ten IG Metall und Kon­zern­be­triebs­rat Zie­le und Metho­den des GE-Manage­ments mit har­ten Wor­ten.

Am 26. Novem­ber wur­de die Betriebs­ver­samm­lung fort­ge­setzt – und vom GE-Manage­ment boy­kot­tiert. Als Grund für ihr Fern­blei­ben nann­te die Geschäfts­lei­tung die Kri­tik des Mann­hei­mer IGM-Bevoll­mäch­tig­ten am Ver­hal­ten von GE-Mana­gern.

Der Streit um die Bedin­gun­gen eines erneu­ten Sozi­al­plans ist jeden­falls nicht been­det. Aller­dings hat die Tak­tik von GE den Druck auf Betriebs­rat und Beleg­schaft noch mehr ver­stärkt – und die „Kos­ten“ zusätz­lich gesenkt. Rund 100 wei­te­re Kol­le­gIn­nen haben näm­lich mitt­ler­wei­le „frei­wil­lig“ die Fir­ma ver­las­sen.

ABBau stop?
Auch auf der ande­ren Stra­ßen­sei­te der B 38 droht in Käfer­tal wei­te­rer Arbeits­platz­ab­bau. Asea Brown Bove­ri (ABB) will auf Druck von „akti­ven Finanz­in­ves­to­ren“ sei­ne Spar­te Power Grids (Leis­tun­gen und Pro­duk­te für Strom­erzeu­gung, -über­tra­gung und -ver­tei­lung) ver­kau­fen. Das wür­de nach Anga­ben des Kon­zern­be­triebs­rats ABB in Mann­heim mas­siv tref­fen. Fast jede zwei­te der dort ange­sie­del­ten rund 2.000 Stel­len sei die­ser Spar­te zuzu­rech­nen.

Die Metho­den der Kapi­ta­lis­ten glei­chen sich immer mehr an. Des­halb ist auch die Zer­schla­gung von Unter­neh­men aus Grün­den einer beschleu­nig­ten Pro­fit­ma­xi­mie­rung groß in Mode.

Wenn Beleg­schaf­ten, Betriebs­rä­te und Gewerk­schaf­ten nicht wei­ter unter die Räder kom­men wol­len, ist eine stra­te­gi­sche Neu­auf­stel­lung auf allen Ebe­nen erfor­der­lich. Dies schließt eine inter­na­tio­na­le Koor­di­nie­rung und Orga­ni­sie­rung aus­drück­lich mit ein.

Per­cy Bar­ne­vik, frü­he­re Manage­ment-Iko­ne und Toten­grä­ber der Kon­zern­spar­te Kraft­wer­ke, for­der­te sei­ner­zeit in Anspie­lung auf das Kom­mu­nis­ti­sche Mani­fest, dass die „Pro­le­ta­ri­er aller Län­der“ mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren müss­ten.

Ist es nicht höchs­te Zeit, dass sich die orga­ni­sier­te arbei­ten­de Klas­se wie­der die Grund­kennt­nis­se eines prak­tisch wirk­sa­men, soli­da­ri­schen Wider­stands gegen die Ver­hee­run­gen des glo­ba­len Kapi­ta­lis­mus aneig­net?

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Dezem­ber 2018
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