RSB-Frau­en­tref­fen in Ober­hau­sen am 13./14. Sep­tem­ber 2014

Frau­en­rech­te wie­der mehr in den Fokus rücken!

C.B./P.S

Im Sep­tem­ber tra­fen wir uns, wie beim ers­ten Tref­fen im Janu­ar ver­ein­bart, zum halb­jähr­li­chen Frau­en­tref­fen in Ober­hau­sen. Erfreu­li­cher­wei­se waren dies­mal auch befreun­de­te Genos­sin­nen dabei. Unser Tref­fen war von Viel­falt geprägt. Die Frau­en kamen aus diver­sen Städ­ten der BRD, aus unter­schied­li­chen poli­ti­schen Rich­tun­gen und gehör­ten ver­schie­de­nen Genera­tio­nen an. Somit gab es bei den Teil­neh­me­rin­nen deut­li­che Unter­schie­de hin­sicht­lich ihrer Sozia­li­sa­ti­on wie auch ihrer per­sön­li­chen und poli­ti­schen Erfah­run­gen.

Man­che waren bei der zwei­ten Wel­le der Frau­en­be­we­gung mit dabei, die ande­ren nur noch bei ihren Aus­läu­fern. Wäh­rend die einen die beweg­te Zeit der 1960er Jah­re mit­er­lebt hat­ten, war die poli­ti­sche Akti­vi­tät der ande­ren geprägt vom Ein­druck des Nie­der­gangs der radi­ka­len Lin­ken und dem von den Herr­schen­den pro­kla­mier­ten „Ende der Geschich­te“ in den 1990er Jah­ren. Aus­gangs­punkt der Dis­kus­si­on war: „War­um ist es wich­tig, sich als Frau­en auch eigen­stän­dig zu orga­ni­sie­ren?“ Wir frag­ten uns, wie hier eine posi­ti­ve Ver­än­de­rung ange­sto­ßen wer­den kann, damit sich mehr Frau­en dem RSB anschlie­ßen und sich in der Orga­ni­sa­ti­on hei­misch füh­len kön­nen. Als Ers­tes kann dies nur gesche­hen, wenn Frau­en selbst aktiv wer­den, sich nicht nach hin­ten drän­gen las­sen und die Gleich­be­rech­ti­gung und das Gehör für ihre The­men­schwer­punk­te kon­se­quent ein­for­dern. Im wei­te­ren Schritt ist es wich­tig, der The­men- und Mei­nungs­viel­falt in unse­rer Orga­ni­sa­ti­on mehr Raum zu geben und die­se zu respek­tie­ren.

Angeb­li­che Femi­nis­tIn­nen – Män­ner und auch Frau­en, die sich will­kür­lich selbst zu Femi­nis­tIn­nen hoch­sti­li­sie­ren – stel­len für das Fort­kom­men des Femi­nis­mus und sei­ner Zie­le im All­ge­mei­nen, aber auch bei uns , ein gro­ßes Pro­blem dar. Gegen eine sol­che Ver­ein­nah­mung müs­sen wir uns immer wie­der kon­struk­tiv zu Wehr set­zen. Erschre­ckend ist der fest­ge­stell­te gesell­schaft­li­che Roll­back zu tra­di­tio­nel­len Wer­ten, die zuneh­mend wie­der pro­pa­giert und als Ide­al ver- kün­det wer­den. In der BRD bereits Erreich­tes, wie zum Bei­spiel Quo­ten­re­ge­lun­gen, Gen­der Main­strea­ming und das in Ansät­zen vor­han­de­ne Selbst­be­stim­mungs­recht von Frau­en über den eige­nen Kör­per, wird auf vie­len Ebe­nen zurück­ge­drängt und ist auf ein­mal nicht mehr selbst­ver­ständ­lich. Das Bewusst­sein von Frau­en­un­ter­drü­ckung ist, auch in lin­ken Orga­ni­sa­tio­nen, merk­lich zurück­ge­gan­gen. Ein Bei­spiel: Mit der Ein­füh­rung des Betreu­ungs­gel­des wird die Frau zurück ins tra­di­tio­nel­le Rol­len­mus­ter gedrängt. Die „Repro­duk­ti­ons­ar­beit“ wird nicht nur immer noch, son­dern sogar ver­stärkt den Frau­en zuge­dacht. Die Mög­lich­keit, vom Part­ner wirt­schaft­lich unab­hän­gig zu sein, in die Sozi­al­kas­sen ein­zu­be­zah­len und Ren­ten­an­sprü­che zu erwer­ben , nimmt ent­spre­chend ab. Alters­ar­mut und die Armut bei der Tren­nung vom Part­ner, so wie eine mas­si­ve Schä­di­gung des Sozi­al­sys­tems sind die Fol­ge.

Nach wie vor gibt es eine erheb­li­che Lücke zwi­schen Frau­en- und Män­ner­löh­nen (der­zeit ca. 23 % vom Durch­schnitts­lohn) und eine unter­schied­li­che Bewer­tung der Arbeits­kraft der Geschlech­ter. Je höher die beruf­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on ist, um so mehr neh­men auch die Lohn­un­ter­schie­de zu. Auch die gerin­ge­re Ent­loh­nung ist ein Grund dafür, dass vor­nehm­lich Frau­en für die unbe­zahl­te Fami­li­en­ar­beit zustän­dig sind. Wir dis­ku­tier­ten über die Ver­än­de­run­gen in der Arbeits­welt, wie wach­sen­de Pre­ka­ri­sie­rung und Arbeits­ver­dich­tung, eben­so wie über die damit ver­bun­de­nen gesund­heit­li­chen Gefah­ren für Frau­en. Auch das zuneh­men­de Mob­bing gegen enga­gier­te Gewerk­schaf­te­rIn­nen war Gegen­stand der Dis­kus­si­on. Da Frau­en einen eher koope­ra­ti­ven Stil im Mit­ein­an­der pfle­gen und dies auch bei der Arbeit tun, suchen sie schnel­ler die Feh­ler bei sich, als an Mob­bing oder Bos­sing zu den­ken. Dies macht es den oft patri­ar­cha­li­schen Füh­run­gen beson­ders leicht, sie zum Opfer zu machen. Hier bedarf es der Auf­klä­rung von Frau­en. Zur Fra­ge der Umver­tei­lung von Arbeits­zeit berich­te­te eine Teil­neh­me­rin von der Kon­fe­renz „Arbeits­zeit­ver­kür­zung jetzt!“, die in Ham- burg statt­ge­fun­den hat (sie­he www.kongress-azv2014.de). Hier war sehr deut­lich zum Aus­druck gekom­men, wie viel­schich­tig das The­ma „radi­ka­le Arbeits­zeit­ver­kür­zung“ ist und wel­ches Poten­ti­al für die Orga­ni­sie­rung von Wider­stand die­se For­de­rung hat. In die­sem Zusam­men­hang stell­te eine ande­re Teil­neh­me­rin die „Vier-in-einem-Per­spek­ti­ve“ von Frig­ga Haug vor (sie­he www.vier-in-einem.de).

Frig­ga Haug schlägt eine grund­le­gen­de Ver­än­de­rung von Arbeits­tei­lung vor, bei der sich alle Men­schen in den vier Berei­chen mensch­li­cher Tätig­keit enga­gie­ren: Erwerbs­ar­beit, Repro­duk­ti­ons­ar­beit, Kul­tur und Poli­tik. Hier­bei trat die Bedeu­tung von Soli­da­ri­tät, und was Soli­da­ri­tät für uns prak­tisch bedeu­tet in den Vor­der­grund. Hier gab es unter­schied­li­che Sicht­wei­sen, wel­che Erwar­tun­gen an ande­re gestellt wer­den kön­nen bzw. sol­len. Dies soll zukünf­tig noch genau­er unter die Lupe genom­men wer­den. Wir waren uns in der Ein­schät­zung einig, dass jede poli­ti­sche Fra­ge auch Aus­wir­kun­gen auf Frau­en hat und dar­um ein „Frau­en­the­ma“ ist. Dar­um müs­sen sich alle tat­säch­lich fort­schritt­li­chen Kräf­te mit „Frau­en­the­men“ aus­ein­an­der­set­zen und Frau­en in ihrem Kampf um ihre Rech­te unter­stüt­zen. Über­ein­stim­mend stell­ten wir fest, dass bei aller Unter­schied­lich­keit des poli­ti­schen Hin­ter­grun­des und der per­sön­li­chen Erfah­run­gen unse­re Beur­tei­lung der gesell­schaft­li­chen Ent­wick­lung, die For­mu­lie­rung der anste­hen­den poli­ti­schen Auf­ga­ben und die Vor­stel­lun­gen von einer wirk­sa­men Frau­en­be­we­gung recht ähn­lich sind. Das nächs­te RSB-Frau­en­tref­fen ist in einem hal­ben Jahr geplant. In der Zwi­schen­zeit wer­den wir uns in unse­rem jewei­li­gen poli­ti­schen und gewerk­schaft­li­chen Umfeld ver­stärkt für das Vor­an­brin­gen der momen­tan gering agie­ren­den Frau­en­be­we­gung ein­set­zen, um die Gleich­be­rech­ti­gung und Wert­schät­zung der Arbeit von Frau­en wie­der in den Fokus zu rücken. Wir wer­den gemein­sam dran blei­ben!

aus der Rhein-Neckar Bei­la­ge zur Avan­ti 226, Okto­ber 2014
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