Umwelt­zer­stö­rung und Gesell­schafts­form“

Kapi­ta­lis­mus als Ret­tung vor der Kli­ma­ka­ta­stro­phe?

 

U.D.

Am 29. Mai 2019 tra­fen sich Inter­es­sier­te beim Dis­kus­si­ons­abend der ISO-Rhein-Neckar zum The­ma „Umwelt­zer­stö­rung und Gesell­schafts­form“. Refe­rent war Bernd Bro­si­us.

Bernd ist Autor von Büchern, Bro­schü­ren und Arti­keln über His­to­ri­schen Mate­ria­lis­mus, ega­li­tä­re (sozi­al glei­che) Urge­sell­schaf­ten und bedürf­nis­ori­en­tier­te Öko­no­mie. Er setzt sich seit vie­len Jah­ren mit dem The­ma unse­rer Ver­an­stal­tung aus­ein­an­der. Beson­ders inten­siv befasst er sich mit den archäo­lo­gi­schen Aus­gra­bun­gen und For­schun­gen zu „Catal Hüyük“ (hier­zu sehr loh­nend: www.urkommunismus.de).

Klas­sen­ge­sell­schaf­ten zer­stö­ren
In sei­nem Refe­rat nann­te Bernd zahl­rei­che Gesell­schaf­ten, die ihre zum Über­le­ben not­wen­di­gen natür­li­chen Res­sour­cen zer­stör­ten. Eine wesent­li­che Ursa­che dafür sei gewe­sen, dass die­se durch sozia­le Ungleich­heit und Klas­sen­herr­schaft geprägt wor­den sein.

Fridays-for-Future-Demo in Mannheim, 12. April 2019 (Foto: F. Hofmann)

Fri­days-for-Future-Demo in Mann­heim, 12. April 2019 (Foto: F. Hof­mann)

So hät­ten die Herr­schen­den ohne Rück­sicht auf mensch­li­che Ver­lus­te oder Natur­zer­stö­rung ver­sucht, immer mehr Reich­tum anzu­häu­fen und immer grö­ße­re Gebie­te unter ihren Ein­fluss zu brin­gen. Oder sie woll­ten sich „ein­fach“ gegen­sei­tig im Prunk über­bie­ten.

Ein bekann­tes Bei­spiel war unse­rem Refe­ren­ten zufol­ge die völ­li­ge Abhol­zung des ursprüng­li­chen Baum­be­stan­des der Oster­in­seln. Sie resul­tier­te aus der Kon­kur­renz der loka­len Herr­scher, die immer grö­ße­re und zahl­rei­che­re Monu­men­te als Zei­chen ihrer Grö­ße und Macht errich­ten lie­ßen, um die ande­ren zu „über­bie­ten“. Zum Trans­port der schwe­ren Stein­fi­gu­ren sei­en Baum­stäm­me not­wen­dig gewe­sen. Obwohl klar gewe­sen sein muss­te, dass dies zur Zer­stö­rung der Vege­ta­ti­on führ­te, wur­de die­ser Irr­sinn nicht been­det.

Sozia­le Gleich­heit reicht nicht aus
Aller­dings gab es auch Ver­su­che, eine klas­sen­lo­se Gesell­schaft zu errich­ten, die geschei­tert sind, weil kei­ne Rück­sicht auf die Natur genom­men wur­de. In die­sem Fall woll­ten die Men­schen den Prunk und Protz der vor der Revo­lu­ti­on Herr­schen­den allen zugu­te­kom­men las­sen. Dies hät­te letzt­end­lich eben­falls zu einer Über- aus­beu­tung der natür­li­chen Res­sour­cen und zum Unter­gang die­ser Gesell­schaf­ten geführt.

Zum Schluss benann­te Bernd zwei wesent­li­che Fak­to­ren für eine Gesell­schaft, die öko­lo­gisch und von Dau­er sein will. Ers­tens sozia­le Gleich­heit, d. h. Über­win­dung und Besei­ti­gung von Klas­sen­herr­schaft, und zwei­tens die bewuss­te Ent- schei­dung für eine bedürf­nis­ori­en­tier­te Wirt­schaft, die natür­li­che und mensch­li­che Res­sour­cen schont.

Auch Kapi­ta­lis­mus ver­nich­tet
Die­ser „Streif­zug“ durch die Geschich­te bot allen Anwe­sen­den reich­lich Anre­gun­gen für die anschlie­ßen­de Dis­kus­si­on und die wei­te­re Beschäf­ti­gung mit die­sem The­ma. Inter­es­sant war ein­mal mehr, dass die Kennt­nis der Geschich­te hel­fen kann, die Gegen­wart zu ver­ste­hen.

Auch der Kapi­ta­lis­mus beruht auf einer Gesell­schaft mit mas­si­ver sozia­ler Ungleich­heit und einem Wirt­schafts­sys­tem, das Mensch und Natur gna­den­los aus­beu­tet und zer­stört. Einer Öko­no­mie, die auf der Aus­wei­tung der Pro­duk­ti­on beruht und nicht auf der Scho­nung von Res­sour­cen. Nicht die Befrie­di­gung mensch­li­cher Bedürf­nis­se ste­hen im Zen­trum, son­dern die Maxi­mie­rung des Pro­fits Weni­ger auf Kos­ten Vie­ler.

Wer also die Umwelt­zer­stö­rung been­den will, der darf vom Kapi­ta­lis­mus nicht schwei­gen. Ohne Über­win­dung des Kapi­ta­lis­mus, ohne den Auf­bau einer sozi­al glei­chen und demo­kra­ti­schen Gesell­schaft mit einer bewuss­ten öko­lo­gi­schen Ori­en­tie­rung ist eine grund­le­gen­de Umkehr der der­zei­ti­gen bedroh­li­chen Ent­wick­lung kaum mög­lich. Dies wird nur gelun­gen, wenn wir dafür gemein­sam kämp­fen und uns orga­ni­sie­ren.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Juli/August 2019
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