10 Jahre Überbetriebliches Solidaritätskomitee Rhein-Neckar
W. A.
Auf Initiative der IG Metall-Vertrauenskörperleitung (IGM-VKL) von General Electric (GE) − vormals Alstom Power − hat sich vor 10 Jahren das Überbetriebliche Solidaritätskomitee Rhein-Neckar gegründet.

IGM-Protest gegen Abbau bei ZF-Wabco in Mannheim, 10. September 2024. (Foto: Helmut Roos.)
Wenige Monate zuvor hatte die EU-Kommission die Übernahme der Power-Sparte von Alstom durch den konkurrierenden US-Konzern GE genehmigt. Die damalige EU-Wettbewerbskommissarin Vestager meinte dazu: „Ich freue mich, dass wir dieses Vorhaben genehmigen und damit zeigen können, dass Europa wirtschaftsoffen handelt, dass Technologie aus Europa Potenzial hat und Investitionen aus dem Ausland anziehen kann“.
Ihre profitorientierte Lyrik verschleierte nicht nur die Gefahr für den „Wettbewerb“ im Kraftwerksbau, sondern vor allem die massive Bedrohung der Arbeits- und Ausbildungsplätze bei Alstom durch GE. Es war offensichtlich, dass nun der seit 1984 andauernde Kampf um den Erhalt des traditionsreichen und hochmodernen Werks in Mannheim-Käfertal in die entscheidende Phase eingetreten war.
Gemeinsam kämpfen
In der IGM-Vertrauenskörperleitung von GE Power wurde deshalb bereits Ende 2015 der Vorschlag begrüßt, an die alte Tradition des am 3. März 1988 gegründeten „Solidaritätskomitees für die Beschäftigten bei BBC“ anzuknüpfen. Angesichts der Fusion von ASEA und BBC zu ABB war damals die Idee entstanden, öffentliche Unterstützung für Belegschaften zu organisieren, die von Arbeitsplatz-Abbau bedroht waren.
Anfang 2016 war es dann soweit. Im Mannheimer Gewerkschaftshaus konnte mit tatkräftiger Unterstützung der örtlichen IG Metall, des DGB Region Nordbaden und des Kirchlichen Dienstes in der Arbeitswelt das Überbetriebliche Solidaritätskomitee Rhein-Neckar aus der Taufe gehoben werden. Bei einem Treffen am 4. Februar 2016 trat es erstmals in Erscheinung. Kolleginnen und Kollegen aus zahlreichen Betrieben und Gewerkschaften der Region fanden sich im überfüllten DGB-Jugendraum ein.
„Ohne Arbeit stirbt die Region!“
Sie verabschiedeten bei ihrer Zusammenkunft den gemeinsamen Appell „Ohne Arbeit stirbt die Stadt! − Ohne Arbeit stirbt die Region!“. Darin wurde nicht nur zum „Widerstand gegen, ‚Globalisierung‘ und Arbeitsplatzabbau“ aufgerufen, sondern ein Verbot von Entlassungen – und unter Berufung auf Art. 14 GG – die Enteignung von Unternehmen gefordert, die die Sozialbindung des Eigentums missachten.
In einer damals verfassten Presseerklärung heißt es: „Die Zeit war einfach reif. […] Ziel ist es, den gemeinsamen Informationsaustausch und die gegenseitige Hilfe bei Angriffen auf Arbeitsplätze und Standorte zu verbessern. Unabhängig von Werks- grenzen soll so der Schulterschluss von Betriebsräten, Vertrauensleutekörpern und Beschäftigten in der Rhein-Neckar-Region erleichtert werden.“
Solidarität ist kein Fremdwort
Betriebsräte und gewerkschaftlich Aktive von Betrieben aus Mannheim, Heidelberg, Ladenburg, Weinheim, Ludwigshafen, Frankenthal und Speyer engagierten sich im Überbetrieblichen Solikomitee. Vertreter von Parteien und Verbänden sowie Künstler sagten ihre Unterstützung zu.
Seit seiner Gründung setzt sich das Solikomitee für die Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen ein, die sich gegen Arbeitsplatzabbau wehren, wie bei Alstom, Bombardier, Bopp & Reuther, Freudenberg, BK Giulini, GE, GKM, Goodyear, Halberg, Galeria-Kaufhof, Mercedes-Benz, Pepperl + Fuchs, Siemens, Südkabel, Wabco oder XXXLUTZ – um nur einige zu nennen.
Den Blick nach vorne richten
In der Folge beteiligte sich das Komitee aktiv an zahllosen betrieblichen und gewerkschaftlichen Protestaktionen und Streiks, an Betriebsversammlungen, an Info- und sogar an Filmveranstaltungen, an Solidaritätsfesten mit Musik, an Diskussionsrunden mit Gewerkschaften und Politik sowie natürlich an den 1. Mai-Demonstrationen und -Kundgebungen des DGB.
Auch bei Themen wie Krise des Gesundheitswesens oder Kampf gegen die Leugnung der Corona-Pandemie war das Überbetriebliche Solidaritätskomitee zur Stelle.
Mit einer von Bernd Köhler musikalisch umrahmten Feier will das Komitee nun am 4. Februar 2026 um 18 Uhr im Mannheimer Gewerkschaftshaus „den Blick zurück und gleichzeitig nach vorne richten“.
