Sank­tio­nen gegen Pressefreiheit

Was tun?

 

M. K.

2025 waren die Pres­se- und Mei­nungs­frei­heit welt­weit gefähr­det – auch in Deutsch­land. Zu den weni­ger bekann­ten Grün­den hier­für gehö­ren zuneh­mend zum Mit­tel extra­le­ga­ler [außer­ge­setz­li­cher] Poli­tik wer­den­de Sanktionen.

Anti-Trump-Demo in New York City, 18. Oktober 2025. (Foto: Gemeinfrei,  CC BY-SA 4.0.)

Anti-Trump-Demo in New York City, 18. Okto­ber 2025. (Foto: Gemein­frei, CC BY-SA 4.0.)

So erließ Mit­te Dezem­ber die US-Regie­rung Sank­tio­nen gegen die deut­sche gemein­nüt­zi­ge Hate­Aid GmbH, die von Online-Hass­re­de Betrof­fe­ne unter­stützt. Zusam­men mit zwei wei­te­ren Per­so­nen, die bei der Bekämp­fung digi­ta­ler Gewalt enga­gier­te NGOs ver­tre­ten, wur­den ihre bei­den Geschäfts­füh­re­rin­nen mit einem Ein­rei­se­ver­bot belegt.

Wenn US-Behör­den nun die Bekämp­fung digi­ta­ler Gewalt mit einer „Zen­sur ame­ri­ka­ni­scher Online-Platt­for­men“ gleich­set­zen, meint das nicht nur die genann­ten Oga­ni­sa­tio­nen. Eigent­li­ches Ziel dahin­ter ist das EU-Geset­zes­pa­ket Digi­tal Ser­vices Act (DSA), das Online-Platt­for­men reguliert.

Exis­ten­zi­el­le Bedrohung
Das DSA gilt aus­schließ­lich in Euro­pa, wes­halb die Sank­tio­nen einen feind­se­li­gen Ein­griff in die euro­päi­sche Innen­po­li­tik dar­stel­len. Auch hier liegt aber die eigent­li­che Rele­vanz auf einer tie­fe­ren Ebe­ne. Es geht um einen seit etwa zwan­zig Jah­ren statt­fin­den­den Medi­en­krieg, aus­ge­tra­gen von einer Hand­voll mono­po­lis­ti­scher Tech-Kon- zer­ne um die Domi­nanz in Euro­pa und dar­über hin­aus. Der Medi­en­wis­sen­schaft­ler Mar­tin And­ree ver­sucht seit 15 Jah­ren mit zuneh­men­der Ver­zweif­lung, auf die­sen Medi­en­krieg auf­merk­sam zu machen. Nach sei­ner Über­zeu­gung bedroht er die euro­päi­schen par­la­men­ta­ri­schen Demo­kra­tien existenziell.

Neun der zehn reichs­ten Män­ner der Welt sind US-Ame­ri­ka­ner. Acht die­ser neun Män- ner sind Tech-Olig­ar­chen. Mitt­ler­wei­le wer­den die Tech-Kon­zer­ne wohl alle von mehr oder weni­ger rechts­extrem gesinn­ten Män­nern geführt, sie befin­den sich zudem in einem Pro­zess der Ver­schmel­zung sowohl mit auto­ri­tär-faschis­to­iden gesell­schaft­li­chen Kräf­ten als auch mit der eben­so gesinn­ten US-Regierung.

Geld, Macht und Desinformationen
Seit lan­gem wei­sen Autor:innen dar­auf hin, dass media­les „Mei­nungs­ma­nage­ment“ eine stark wach­sen­de Bedeu­tung erlangt bei der Sta­bi­li­sie­rung der Herr­schafts­sys­te­me, aber auch bei deren auto­ri­tär-faschis­to­idem Umbau. Die Stra­te­gen die­ses Umbaus wis­sen genau, wel­che Kräf­te bei den oben genann­ten Ver­schmel­zun­gen frei wer­den können.

Mar­tin And­ree zitiert den frü­he­ren Trump­be­ra­ter Ste­ve Ban­non: „Geld und Infor­ma­tio­nen sind die bei­den tak­ti­schen Nukle­ar­waf­fen der moder­nen Poli­tik - und Elon Musk kann bei­de in nie dage­we­se­nem Aus­maß ein­set­zen […] Wenn er die glei­che Sum­me in ganz Euro­pa inves­tiert, die er in Trump gesteckt hat, wird er jede Nati­on auf eine popu­lis­ti­sche Agen­da umstel­len. Es gibt kei­ne zen­tris­ti­sche lin­ke Regie­rung in Euro­pa, die in der Lage sein wird, die­sem Ansturm standzuhalten.“

Mehr lin­ke Zusammenarbeit
Ein aktu­el­ler Unesco-Bericht besagt, dass sich die Mei­nungs­frei­heit welt­weit deut­lich ver­schlech­tert hat, benennt aber auch posi­ti­ve Trends: Mehr Inter­net­zu­gang, mehr koope­ra­ti­ver inves­ti­ga­ti­ver Jour­na­lis­mus und mehr soge­nann­te Gemeinschaftsmedien.

Etli­che Medi­en die­ser Art exis­tie­ren auch in unse­rer Regi­on. Um aber eine breit wirk­sa­me Ant­wort auf die oben geschil­der­ten Bedro­hun­gen dar­zu­stel­len, sind sie wohl nicht mehr als ein Tröpf­chen auf einen hei­ßen Stein. Der Medi­en­ak­ti­vis­mus braucht − auch wegen der rasch wach­sen­den Kriegs­ge­fahr – einen gro­ßen Sprung nach vorne.
Dazu müss­ten mög­lichst vie­le der bestehen­den Medi­en­pro­jek­te, aber zusätz­lich auch mög­lichst vie­le poli­ti­sche und gesell­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen und auch Ein­zel­per­so­nen zusam­men­fin­den, sich aus­tau­schen, koope­rie­ren und idea­ler­wei­se ein gemein­sa­mes − noch bes­ser: meh­re­re − media­le Pro­jek­te zur Welt bringen.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Febru­ar 2026
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