BR-Wah­len 2022

Wel­che Wege füh­ren zum Erfolg?

 

Bis Ende Mai fin­den die Betriebs­rats­wah­len statt. Mil­lio­nen Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen ent­schei­den dabei über die Zusam­men­set­zung ihrer Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen. Die­se ist gera­de in zuneh­mend rau­er wer­den­den Zei­ten von sehr gro­ßer Bedeu­tung. Ein schwa­cher Betriebs­rat wird kaum die Inter­es­sen der Beschäf­tig­ten ver­tre­ten, ein star­ker hat hin­ge­gen viel mehr Ein­fluss­mög­lich­kei­ten. Für ein erfolg­rei­ches Abschnei­den bei den BR-Wah­len ist jedoch nicht nur ein akti­ver Wahl­kampf erfor­der­lich. Um mehr zu erfah­ren, haben wir mit Chris­ta, der Betriebs­rats­vor­sit­zen­den eines grö­ße­ren Indus­trie­t­rie­bes in der Regi­on, gespro­chen und sie zum Aus­gang der dor­ti­gen Betriebs­rats­wahl befragt.*

Europäischer Aktionstag bei Bombardier Mannheim, 16. Juli 2020. (Foto: helmut-roos@web.de.)

Euro­päi­scher Akti­ons­tag bei Bom­bar­dier Mann­heim, 16. Juli 2020. (Foto: helmut-roos@web.de.)

Am 6. April hat bei Euch die Betriebs­rats­wahl statt­ge­fun­den und die Gewerk­schafts­lis­te hat einen wich­ti­gen Erfolg errun­gen. Wie bewer­test Du das Ergebnis?

Chris­ta: Wir haben mit Abstand die meis­ten Stim­men bei der BR-Wahl erhal­ten und stel­len mit 8 gewähl­ten BR-Mit­glie­dern seit län­ge­rer Zeit wie­der die Mehr­heit im neu­en 15-köp­fi­gen BR-Gre­mi­um. Dies war kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit vor dem Hin­ter­grund einer schon seit lan­gem anhal­ten­den Stim­mungs­ma­che sowohl sei­tens der Geschäfts­lei­tung als auch der bis­he­ri­gen Betriebs­rats­mehr­heit. Sie waren nicht erfreut über unse­re bis­he­ri­ge, an den Beleg­schafts­in­ter­es­sen aus­ge­rich­te­te Betriebs­rats­ar­beit. Immer­hin muss­ten wir uns ge- gen sie­ben ande­re Lis­ten durchsetzen.

Wie­so gab es so vie­le Listen?

Chris­ta: Eigent­lich soll­te in die­sem Jahr wie­der eine Per­sön­lich­keits­wahl statt­fin­den. Das jeden­falls war der Wunsch der Beleg­schaft, für den sich auch unser gewerk­schaft­li­cher Ver­trau­ens­leu­te­kör­per stark gemacht hat­te. Die Gewerk­schaft hat­te des­halb eine offe­ne Lis­te für alle Kan­di­da- tin­nen und Kan­di­da­ten angeboten.

Nach zwei Amts­pe­ri­oden mit Lis­ten­wahl woll­te die Beleg­schaft end­lich wie­der mehr Ein­fluss auf die Zusam­men­set­zung des Betriebs­rats neh­men und nicht nur eine Stim­me für eine Lis­te abgeben.

Dazu kam es dann aber lei­der nicht, weil ein­zel­ne Betriebs­rats­mit­glie­der und Nach­rü­cker glaub­ten, durch das Legen einer eige­nen Lis­te eine per­sön­lich bes­se­re Aus­gangs­si­tua­ti­on bei der Wahl zu errei­chen. Des­halb haben sie eine erneu­te Lis­ten­wahl erzwun­gen. Es sind dann, wie be- reits erwähnt, ins­ge­samt sie­ben Lis­ten zur Wahl angetreten.

Was war der Schlüs­sel zu Eurem Erfolg?

Chris­ta: Für unse­ren Erfolg war das Zusam­men­spiel ver­schie­de­ner Fak­to­ren ver­ant­wort­lich. Dazu gehö­ren vor allem unse­re bis­he­ri­ge akti­ve Gewerk­schafts­po­li­tik in der Fir­ma und unse­re Betriebs­rats­ar­beit. Bei­des hat uns schon vor der Wahl in der Beleg­schaft glaub­wür­dig gemacht.

Betriebsversammlung bei Bombardier Mannheim, 16. Juli 2020. (Foto: helmut-roos@web.de.)

Betriebs­ver­samm­lung bei Bom­bar­dier Mann­heim, 16. Juli 2020. (Foto: helmut-roos@web.de.)

Der regel­mä­ßi­ge per­sön­li­che Kon­takt mit den Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen war dabei aus­schlag­ge­bend. Unser Wahl­pro­gramm hat ganz klar die Inter­es­sen und das Ein­be­zie­hen der Beleg­schaft als Richt­schnur unse­res Han­delns betont und unser gemein- sames Ver­ständ­nis von Betriebs­rats­ar­beit zum Aus­druck gebracht.

Außer­dem haben wir uns schon sehr früh und inten­siv auf die BR-Wahl mit einem Arbeits- und Auf­ga­ben­plan vor­be­rei­tet. Bei regel­mä­ßi­gen Tref­fen haben wir gro­ße Unter­stüt­zung und fach­kun­di­ge Bera­tung durch erfah­re­ne Gewerk­schafts- und Betriebs­rats­mit­glie­der erhalten.

Nicht zuletzt konn­ten wir uns auf die Unter­stüt­zung des gewerk­schaft­li­chen Ver­trau­ens­leu­te­kör­pers ver­las­sen, den wir schon seit Jah­ren sys­te­ma­tisch ent­wi­ckeln. Neben vie­len Ver­trau­ens­leu­ten haben alle unse­re Kan­di­da­tin­nen und Kan­di­da­ten aktiv am Wahl­kampf teilgenommen.

Wie wollt ihr die­sen Erfolg über die nächs­ten 4 Jah­re absichern?

Chris­ta: Unse­re Betriebs­rats­ar­beit wol­len wir vor allem trans­pa­rent gestal­ten. Das soll dadurch gesche­hen, dass wir die Beleg­schaft regel­mä­ßig infor­mie­ren. Zum Bei­spiel mit regel­mä­ßi­gen Abtei­lungs- und Betriebs­ver­samm­lun­gen, aber auch mit BR-Informationen.

Zudem wol­len wir unse­re Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen aktiv an der Bear­bei­tung der betrieb­li­chen The­men betei­li­gen. Dazu gehört natür­lich die ver­stärk­te Ein­be­zie­hung der gewerk­schaft­li­chen Ver­trau­ens­leu­te als wich­tigs­tes Netz­werk in der Belegschaft.

So kön­nen wir gewähr­leis­ten, dass wir recht­zei­tig von den tat­säch­li­chen Pro­ble­men und Anlie­gen der Beleg­schaft erfah­ren und gemein­sam nach den best­mög­li­chen Lösun­gen suchen können.
Als beson­ders wich­tig erach­ten wir die per­sön­li­che Kon­takt­pfle­ge, die jeden­falls zum Teil auch das sozia­le und kul­tu­rel­le Leben nicht ausschließt.

Eine zen­tra­le Auf­ga­be wird außer­dem für uns dar­in bestehen, die Ange­stell­ten und vor allem die Kol­le­gin­nen noch stär­ker in unse­re Arbeit zu integrieren.

Dar­über hin­aus gilt es, auch unser theo­re­ti­sches Wis­sen durch Semi­nar­be­su­che aus­zu­bau­en und immer wie­der auf­zu­fri­schen. Sol­che Schu­lun­gen wol­len wir auch für die Nach­rü­ck­e­rin­nen und Nach­rü­cker im Betriebs­rat ermöglichen.

Wir bedan­ken uns für das Gespräch und wün­schen Dir und Dei­nem Gre­mi­um viel Erfolg bei den Her­aus­for­de­run­gen der nächs­ten vier Jahre!


* [Die Fra­gen stell­te O. T. am 24. April 2022.]

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Mai 2022
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