Bun­des­tags­wahl 2017: „Nur wer sich bewegt, spürt sei­ne Fes­seln.“ (Rosa Luxem­burg)

 

Mannheimer Ostermarsch 2017. Foto: Avanti².

M. K. / H. N.

Die bür­ger­lich-par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie ist nur eine der Herr­schafts­for­men des Kapi­tals, wenn auch die in „nor­ma­len Zei­ten“ effek­tivs­te. Im Ange­sicht grö­ße­rer Kri­sen und gestei­ger­ter wider­stän­di­ger Selbst­ak­ti­vi­tät der Bevöl­ke­rung bil­det der bür­ger­li­che Staat jedoch zuneh­mend auto­ri­tä­re Herr­schafts­for­men her­aus, im Extrem­fall offen dik­ta­to­ri­sche und faschis­ti­sche.

Die „Schul­den­kri­se“ in der EU hat gezeigt, dass das gro­ße Kapi­tal sich ohne wei­te­res der EU-Insti­tu­tio­nen bedie­nen kann, um sei­ne Macht in Mit­glied­staa­ten durch­zu­set­zen, näm­lich über den Weg der finan­zi­el­len Abhän­gig­keit und bei Auf­recht­erhal­tung einer par­la­men­ta­ri­schen Fas­sa­de.

Gemein­sam kämp­fen
Ohne gro­ße außer­par­la­men­ta­ri­sche Kämp­fe um unmit­tel­ba­re Inter­es­sen und ohne mas­si­ve Selbst­tä­tig­keit der Arbei­te­rIn­nen­klas­se kann kei­ne wirk­sa­me Lösung von poli­ti­schen und gesell­schaft­li­chen Pro­ble­men erreicht oder gar eine grund­le­gen­de Ver­än­de­rung in Gang gesetzt wer­den.
Wir unter­stüt­zen grund­sätz­lich alle For­de­run­gen, die die Lebens­la­ge der abhän­gig Beschäf­tig­ten und ande­rer unter­drück­ter Schich­ten zu ver­bes­sern stre­ben oder die geeig­net sind, die poli­ti­schen Kräf­te­ver­hält­nis­se zuguns­ten der Unter­drück­ten zu ver­schie­ben. Doch in kei­nem Fall beschrän­ken wir unse­re eige­nen For­de­run­gen auf das, was inner­halb die­ses Sys­tems als „mach­bar“ oder „rea­lis­tisch“ ange­se­hen wird.
Aus die­sem Blick­win­kel sehen wir auch die bevor­ste­hen­de Bun­des­tags­wahl.
Bei ihr kommt es dar­auf an, nicht nur gegen den Ein­zug der AfD in den Bun­des­tag anzu­kämp­fen, son­dern den pro­ka­pi­ta­lis­ti­schen, neo­li­be­ra­len Kräf­ten ins­ge­samt ent­ge­gen­zu­tre­ten. Es reicht dabei nicht aus, die­sen auf dem Wahl­zet­tel eine Abfuhr zu ertei­len.

Plakat der ISO Rhein-Neckar, Mannheim Mai 2017. Foto: Avanti².

Pla­kat der ISO Rhein-Neckar, Mann­heim Mai 2017. Foto: Avan­ti².

Gegen Kapi­ta­lis­mus
Lin­ke, sozia­lis­ti­sche Poli­tik darf sich auch nicht auf eine par­la­men­ta­ri­sche Ebe­ne beschrän­ken oder gar in Koali­ti­ons­re­gie­run­gen das Elend des neo­li­be­ra­len Kapi­ta­lis­mus „gestal­ten“ oder ver­wal­ten. So wird sie weder in der Lage sein, den Ras­sis­mus zu bekämp­fen noch für die gro­ße Mehr­heit eine grund­le­gen­de Wen­de zum Bes­se­ren ein­zu­lei­ten. Bes­ten­falls sorgt sie damit dafür, dass sich wei­te­re Wäh­ler­schich­ten von Poli­tik abwen­den, schlimms­ten­falls pro­fi­tie­ren davon die AfD und das gesam­te neo­li­be­ra­le Lager.

Lin­ke, sozia­lis­ti­sche Poli­tik muss vor Ort prak­tisch wirk­sam und erfahr­bar wer­den. Wir tre­ten des­halb - wo immer mög­lich gemein­sam mit vie­len ande­ren - kon­se­quent gegen den Kapi­ta­lis­mus und sei­ne ver­hee­ren­de Logik ein. Die poli­ti­schen, sozia­len und öko­lo­gi­schen Inter­es­sen unse­rer Klas­se und unse­res sozia­len Lagers sind der Maß­stab unse­res Han­delns und der Beur­tei­lung ande­rer Par­tei­en und Orga­ni­sa­tio­nen.

Für Soli­da­ri­tät
Wir tre­ten des­halb ins­be­son­de­re ein für die uni­ver­sel­le Gel­tung und Ver­tei­di­gung glei­cher poli­ti­scher und sozia­ler Rech­te für alle und damit für die wirk­sa­me Bekämp­fung jeg­li­cher Form von Dis­kri­mi­nie­rung (auf­grund des Geschlechts, der Her­kunft, des Alters … ).

Die­se Per­spek­ti­ve erfor­dert die gesell­schaft­li­che Kon­trol­le gro­ßer Kon­zer­ne, den Abbau des Über­wa­chungs­staa­tes, die Demo­kra­ti­sie­rung der Medi­en, eine radi­ka­le Umver­tei­lung des gesell­schaft­li­chen Reich­tums von oben nach unten, den Stopp und die Rück­nah­me von Pri­va­ti­sie­run­gen, den mas­si­ven Aus­bau der ver­nach­läs­sig­ten, öffent­li­chen Infra­struk­tur (Gesund­heits­ver­sor­gung, Woh­nun­gen, Schu­len, Ver­kehr, kos­ten­lo­se Spiel- und Sport­ein­rich­tun­gen, Aus­bau stadt­teil­na­her kul­tu­rel­ler Ange­bo­te), die Ein­füh­rung eines sank­ti­ons­frei­en Exis­tenz­mi­ni­mums, die spür­ba­re Anhe­bung des Min­dest­lohns, das Ver­bot pre­kä­rer Beschäf­ti­gung, das Ver­bot von Ent­las­sun­gen, eine dras­ti­sche Arbeits­zeit­ver­kür­zung, den gesell­schaft­lich geplan­ten und kon­trol­lier­ten Umbau der Auto­in­dus­trie und des Ener­gie­sek­tors (100 Pro­zent „Erneu­er­ba­re“ und mas­si­ve Ein­spa­run­gen von Ener­gie), offe­ne Gren­zen für Men­schen und nicht zuletzt den Ein­satz für ein Euro­pa des Frie­dens, der Soli­da­ri­tät und der Demo­kra­tie.

Wo die Par­tei Die Lin­ke mit­re­giert, wird sie ihrem Anspruch nicht gerecht, für die Inter­es­sen der Beschäf­tig­ten und Aus­ge­grenz­ten ein­zu­ste­hen. Wir suchen daher die Zusam­men­ar­beit mit den ent­schie­den anti­ka­pi­ta­lis­ti­schen Kräf­ten inner­halb und außer­halb der Par­tei, die dage­gen ankämp­fen, dass Die Lin­ke zu einer wei­te­ren eta­blier­ten Par­tei im Dienst des Kapi­tals wird, und für die der außer­par­la­men­ta­ri­sche Kampf im Vor­der­grund steht. Bei der Bun­des­tags­wahl wäh­len wir Die Lin­ke, weil sie in den poli­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen nach wie vor Aus­druck eines fort­schritt­li­chen Bewusst­seins ist, und weil sie von allen im Bun­des­tag ver­tre­te­nen Par­tei­en die­je­ni­ge ist, die Inter­es­sen der Lohn­ab­hän­gi­gen und aller Unter­drück­ten gegen die Inter­es­sen des Kapi­tals arti­ku­liert.

aus der Rhein-Neckar Bei­la­ge zur Avan­ti Sep­tem­ber 2017
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