Dia­ko­nie und Cari­tas gegen Arbei­te­rIn­nen und Flücht­lin­ge

Pres­se­mit­tei­lung der gekün­dig­ten Dol­met­sche­rIn­nen in Hei­del­berg (24.06.2019)

 

Dia­ko­nie und Cari­tas kün­di­gen ihren Dol­met­sche­rIn­nen, weil sie sich für bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen in der soge­nann­ten „Unab­hän­gi­gen Sozi­al- und Ver­fah­rens­be­ra­tung“ der Lan­des­erst­auf­nah­me­ein­rich­tung Patrick-Hen­ry-Vil­la­ge (PHV) in Hei­del­berg zusam­men­schlie­ßen.

Anfang Juni schloss sich etwa die Hälf­te der Dol­met­sche­rIn­nen zusam­men, die in der „Unab­hän­gi­gen Sozi­al- und Ver­fah­rens­be­ra­tung“ im PHV für Asyl­su­chen­de in Hei­del­berg arbei­te­ten. Sie for­der­ten u. a. eine fes­te Anstel­lung und fes­ten Lohn für min­des­tens ein Jahr statt monat­li­cher Hono­rar­ver­trä­ge, Kran­ken-, Urlaubs- und Weih­nachts­geld sowie regel­mä­ßi­ge Super­vi­si­on. Regu­lä­re Arbeits­be­din­gun­gen für Dol­met­sche­rIn­nen gin­gen den barm­her­zi­gen Kir­chen dann aber doch zu weit. Kur­zer­hand kün­dig­ten die Dia­ko­nie und Cari­tas den­je­ni­gen frist­los, die die For­de­run­gen unter­schrie­ben hat­ten.

Damit ver­lo­ren nicht nur eine Hand­voll Dol­met­sche­rIn­nen ihr ohne­hin schon unre­gel­mä­ßi­ges Zusatz­ein­kom­men von maxi­mal 350 € monat­lich. Seit­dem steht auch der Groß­teil der Asyl­su­chen­den der Bera­tungs­stel­le sprach­los gegen­über – und damit auch den für sie lebens­wich­ti­gen Behör­den. Denn gefeu­ert wur­den fast alle Dol­met­sche­rIn­nen für die häu­figs­ten Spra­chen in dem Lager: Ara­bisch, Per­sisch, Pasch­tu, Dari und die ver­schie­de­nen kur­di­schen Dia­lek­te.

In der Bera­tung Asyl­su­chen­der geht es der Dia­ko­nie und Cari­tas vor allem ums Geld. Poli­ti­sche Ein­mi­schung in ein enorm poli­ti­sches Arbeits­feld ist nicht erwünscht und wird sank­tio­niert: Einer­seits mit dem Arbeits­ver­lust der Dol­met­sche­rIn­nen, die oft selbst als Asyl­su­chen­de nach Deutsch­land gekom­men waren. Ande­rer­seits mit der Berau­bung der Spra­che Asyl­su­chen­der.

Auch frü­her schon wur­de die poli­ti­sche Ein­bin­dung Asyl­su­chen­der aus dem PHV zu unter­bin­den ver­sucht. So wur­de einem der nun gefeu­er­ten Dol­met­scher unter­sagt, die Bewoh­ne­rIn­nen des PHV zu Demos und ande­ren Akti­vi­tä­ten zum Erkämp­fen ihrer Rech­te zu mobi­li­sie­ren. Nun haben sie end­lich einen Grund gefun­den, ihn als erfah­rens­ten Dol­met­scher aus dem PVH zu ent­fer­nen: Weil er die Dol­met­sche­rIn­nen orga­ni­sier­te und mit ihnen regu­lä­re Arbeits­be­din­gun­gen for­der­te.

Die Kir­che arbei­tet hier nach kapi­ta­lis­ti­scher Logik mit dem Staat zusam­men, anstatt tat­säch­lich eine unab­hän­gi­ge Bera­tung anzu­bie­ten. Wer das Inter­es­se der Unter­drück­ten ver­tritt, muss Aus­beu­tung lohn­ab­hän­gi­ger Arbei­te­rIn­nen und Asyl­su­chen­der been­den, anstatt sie fort­zu­set­zen und zu ver­schär­fen, wie die Kir­che es tut”

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Juli/August 2019
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