Für den Erhalt des Jugend­zen­trum in Selbst­ver­wal­tung Fried­rich Dürr

Für den Erhalt des Jugend­zen­trum
in Selbst­ver­wal­tung “Fried­rich Dürr”

Die CDU Gemein­de­rats­frak­ti­on und der Ein­zel­stadt­rat Juli­en Fer­rat haben zu den Etat­be­ra­tun­gen 2017 des Mann­hei­mer Gemei­de­rats Anträ­ge gestellt, dem selbst­ver­wal­te­ten JUZ “Fried­rich  Dürr” alle Mit­tel zu strei­chen. Das wür­de das Ende des seit 1973 bestehen­den Jugend­zen­trums bedeu­ten. Das Bünd­nis Mann­heim gegen Rechts spricht sich für den Erhalt der Ein­rich­tung aus und ruft alle Stadträt*innen auf, gegen die­se Anträ­ge zu stim­men.

Das JUZ “Fried­rich Dürr” ist seit Anfang an fes­ter Bestand­teil unse­res Bünd­nis­ses und hat in vie­ler­lei Hin­sicht viel Posi­ti­ves zu unse­rer Arbeit bei­getra­gen. Sei es die Unter­stüt­zung bei Stellungnahme zu JUZ Friedrich Dürr MannheimDemons­tra­tio­nen gegen NPD und AfD, das zur Ver­fü­gung stel­len von Infor­ma­tio­nen über die rech­te Sze­ne (oft als ein­zi­ge ver­füg­ba­re Quel­le), die unkom­pli­zier­te Bereit­stel­lung von Räu­men und Infra­struk­tur oder ganz ein­fach das Anpa­cken und Mit­hel­fen, wenn es was tun gab - immer waren die jun­gen Mann­hei­me­rin­nen und Mann­hei­mer vom JUZ dabei und haben das Bünd­nis tat­kräf­tig unter­stützt.

Ein sol­ches Enga­ge­ment ist in unse­rer Gesell­schaft alles ande­re als eine Selbst­ver­ständ­lich­keit. Das JUZ ist ein funk­tio­nie­ren­der Ort demo­kra­ti­scher gesell­schaft­li­cher Teil­ha­be, in dem jun­ge Men­schen ler­nen, sich für ihre Inter­es­sen ein­zu­set­zen und gegen Dis­kri­mi­nie­rung, Aus­gren­zung, Ras­sis­mus und Sexis­mus ihre Stim­me zu erhe­ben. Eini­ge Bei­spie­le: Über die Voll­ver­samm­lung ler­nen jun­ge Men­schen eige­ne Fähig­kei­ten, Selbst­ver­ant­wor­tung und die Not­wen­dig­keit von Dis­kus­si­on und Kon­sens­fin­dung ken­nen. Beim Netz­werk für Demo­kra­tie und Cou­ra­ge orga­ni­siert das JUZ als Netz­werk­part­ner Pro­jekt­ta­ge an Schu­len, um Zivil­cou­ra­ge zu stär­ken. Beim Offe­nen Anti­fa Tref­fen kom­men jun­ge Men­schen zusam­men, um Pro­test­ak­tio­nen gegen Neo­na­zis zu orga­ni­sie­ren. Vie­le Ange­bo­te wer­den durch­ge­führt, um die Inte­gra­ti­on von jun­gen Geflüch­te­ten in Mann­heim zu för­dern, so bei­spiels­wei­se das Café Wel­co­me, die Fahr­rad­werk­statt oder die Sprach­kur­se. Unzäh­li­ge kul­tu­rel­le Ver­an­stal­tun­gen schaf­fen durch ihre selbst­ver­wal­te­te Orga­ni­sa­ti­on und die poli­ti­schen Grund­sät­ze des JUZ eine Alter­na­ti­ve zum Main­stream der Kon­sum­ge­sell­schaft mit Shop­ping, Video­spie­len und You­tube-Kon­sum. Poli­ti­sche Ent­wick­lung, kri­ti­sches Den­ken und demo­kra­ti­sche Teil­ha­be der kom­men­den Genera­ti­on wer­den daf­urch geför­dert. Das ist nur ein klei­ner Ein­blick in das viel­fäl­ti­ge Pro­gramm. Auf der Web­sei­te juz-mannheim.de kann sich wei­ter dar­über infor­miert wer­den.

Das JUZ ist auch ein Ort der Aus­ein­an­der­set­zung mit der Mann­hei­mer Geschich­te zur Zeit des Natio­nal­so­zia­lis­mus. Das zeigt neben ent­spre­chen­den Ver­an­stal­tun­gen auch der selbst­ge­wähl­te Name: Fried­rich Dürr leis­te­te als Jugend­li­cher Wider­stand gegen die Nazis, war an Flug­blatt- und ande­ren Aktio­nen betei­ligt. Dafür lan­de­te er im KZ Dach­au, wo er sich 1944 am Auf­stand betei­lig­te und ums Leben kam.

Was das JUZ aus dem Men­schen macht, kön­nen wir nach jahr­zehn­te­lan­gen Erfah­run­gen in unse­rer Stadt sehen. Vie­le “Alt-Juzis”, die in den 70er und 80er Jah­ren in der ers­ten Genera­ti­on des JUZ aktiv waren, sind heu­te eta­blier­te Mit­glie­der von Mann­hei­mer Ver­ei­nen und Par­tei­en oder auch Mitarbeiter*innen der Stadt­ver­wal­tung, im Bil­dungs­be­reich, bei Gewerk­schaf­ten oder bekann­te Kul­tur­schaf­fen­de. Dass das JUZ aus jun­gen Men­schen “gewalt­be­rei­te Extre­mis­ten” machen wür­de, ist durch die Rea­li­tät wider­legt und nichts ande­res, als die Ver­leum­dung der posi­ti­ven Arbeit, die im JUZ seit Jahr­zehn­ten geleis­tet wird. Dass die jun­gen Men­schen aus dem JUZ auch unbe­quem sein kön­nen, gera­de auch gegen­über bür­ger­li­chen und kon­ser­va­ti­ven Par­tei­en oder der Stadt­ver­wal­tung, ist kein “Extre­mis­mus”, der die Demo­kra­tie gefähr­det. Im Gegen­teil ist das ein wich­ti­ger Teil einer plu­ra­lis­ti­schen Stadt­ge­sell­schaft, eine kri­ti­sche Gegen­stim­me, ein Spie­gel für das, was man als “Estab­lish­ment” bezeich­nen könn­te.

Die Anträ­ge von CDU und Fer­rat wür­den all die­se posi­ti­ven Bei­trä­ge der letz­ten Jah­re und Jahr­zehn­te für eine viel­fäl­ti­ge, bun­te und demo­kra­ti­sche Stadt­ge­sell­schaft zunich­te machen. Die Ex-AfD Frak­ti­on und der NPD Stadt­rat Hehl wer­den sich bei CDU und Fer­rat bedan­ken. Was die Rechts­po­pu­lis­ten und Neo­na­zis seit Jah­ren for­dern, wol­len die CDU und der Ver­tre­ter der Fami­li­en­par­tei nun selbst umset­zen. Das muss ver­hin­dert wer­den. Daher for­dern wir alle Stadträt*innen dazu auf, gegen die­se Anträ­ge zu stim­men und die Zukunft des JUZ zu sichern.

Bünd­nis Mann­heim gegen Rechts

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