Soli­da­risch und nicht allei­ne“

Ein unge­wöhn­li­cher 1. Mai

U. D.

Tra­di­tio­nell fan­den in den ver­gan­ge­nen Jahr­zehn­ten am 1. Mai gewerk­schaft­li­che Demons­tra­tio­nen und Kund­ge­bun­gen statt. In die­sem Jahr ver­zich­te­ten die Gewerk­schafts­füh­run­gen auf­grund der Coro­na-Pan­de­mie auf bei­des. Die DGB-Ver­an­stal­tun­gen fan­den im Netz statt.

Kundgebung am 1. Mai auf dem Marktplatz in Mannheim (Foto: helmut-roos@web.de)

Kund­ge­bung am 1. Mai auf dem Markt­platz in Mann­heim (Foto: helmut-roos@web.de)

Damit woll­te sich ein Kreis von enga­gier­ten Gewerk­schaf­te­rIn­nen und Akti­vis­tIn­nen in Mann­heim nicht zufrie­den geben. Sie betrach­te­ten es als not­wen­dig und mög­lich, auch in Zei­ten von Coro­na öffent­lich auf­zu­tre­ten. In kur­zer Zeit bil­de­te sich ein „Akti­ons­bünd­nis 1. Mai“. Als Ergän­zung zu den vir­tu­el­len DGB-Ver­an­stal­tun­gen und als Zei­chen des Pro­tests gegen Coro­na-Leug­ner und rech­te, gewerk­schafts­feind­li­che Akti­vi­tä­ten mel­de­te es eine Kund­ge­bung auf dem Markt­platz an.

Unter Beach­tung der drin­gend erfor­der­li­chen Gesund­heits­schutz­maß­nah­men (Mas­ken tra­gen, 2 Meter Abstand ein­hal­ten) und mit begrenz­ter Teil­neh­me­rIn­nen­zahl betei­lig­ten sich ab 14 Uhr trotz schlech­ten Wet­ters rund 250 Kol­le­gIn­nen an die­ser Akti­on.

Soli­da­ri­tät heißt Men­schen schüt­zen“
Das Mot­to der Kund­ge­bung lau­te­te „Soli­da­risch und nicht allei­ne – Soli­da­ri­tät heißt Men­schen schüt­zen – Soli­da­ri­tät heißt Grund- und Men­schen­rech­te ver­tei­di­gen“.

In kur­zen Rede­bei­trä­gen kamen unter­schied­li­che aktu­el­le The­men zur Spra­che: der Wider­stand gegen BR-Mob­bing, das Enga­ge­ment für den Erhalt der Arbeits­plät­ze bei Bom­bar­dier, die inter­na­tio­na­le Soli­da­ri­tät mit dem demo­kra­ti­schen Pro­jekt in Roja­va, die Soli­da­ri­tät mit dem Arbeits­kampf bei Voith, der erfor­der­li­che Stopp von Rüs­tungs­pro­jek­ten, die Unter­stüt­zung von Flücht­lin­gen, die Ableh­nung von Ras­sis­mus und sozia­ler Ungleich­heit sowie die Not­wen­dig­keit des Kampfs gegen die dro­hen­de Kli­ma­ka­ta­stro­phe.

Für das musi­ka­li­sches Rah­men­pro­gramm sorg­te in mit­rei­ßen- der Wei­se Bernd Köh­ler (Gesang, Gitar­re) gemein­sam mit Sän­ge­rIn­nen eines Mann­hei­mer Gewerk­schaft­scho­res und Hel­mut Hoff­mann am Akkor­de­on. Die Schau­spie­le­rin Bet­ti­na Fran­ke trug beein­dru­cken­de Gedich­te vor.

Das star­ke Enga­ge­ment Vie­ler hat das gute Gelin­gen die­ser unge­wöhn­li­chen Ver­an­stal­tung ermög­licht.
Es konn­te nicht nur die Tra­di­ti­on eines in der Öffent­lich­keit sicht­ba­ren 1. Mai auf­recht­erhal­ten wer­den. Es war auch ein wei­te­rer Bei­trag zur Wah­rung des Grund­rechts auf Demons­tra­ti­ons­frei­heit.

Zu hof­fen bleibt, dass die poli­tisch-orga­ni­sa­to­ri­sche Zusam­men­ar­beit, die die­se 1. Mai-Kund­ge­bung ermög­licht hat, wei­ter fort­ge­setzt wird. Ange­sichts der bedroh­li­chen kri­sen­haf­ten Ent­wick­lung des Kapi­ta­lis­mus und dem Auf­schwung rech­ter, ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­scher Strö­mun­gen ist dies über­fäl­lig und not­wen­dig.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Juni 2020
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