Stra­te­gie­kon­fe­renz“

Suche nach einer kämp­fe­ri­schen Gewerk­schafts­po­li­tik

O. T.

Am 25./26. Janu­ar 2020 hat in Frankfurt/Main die „Stra­te­gie­kon­fe­renz für eine kämp­fe­ri­sche Gewerk­schafts­po­li­tik“ statt­ge­fun­den. Orga­ni­siert wur­de die Kon­fe­renz von der Ver­net­zung für kämp­fe­ri­sche Gewerk­schaf­ten (VKG – www.vernetzung.org). Ins­ge­samt haben bis zu 140 Kol­le­gIn­nen teil­ge­nom­men.

Im Ein­la­dungs­flug­blatt der Kon­fe­renz heißt es: „Der Bedarf an ernst­haf­ten Dis­kus­sio­nen über Stra­te­gie und Aus­rich­tung der Gewerk­schaf­ten ist groß, eben­so wie der Wunsch nach Ver­net­zung und bes­se­rer Koor­di­nie­rung akti­ver und kämp­fen­der Kol­le­gIn­nen. Wir, (das sind Ver­tre­te­rIn­nen ver­schie­de­ner Ver­net­zungs­in­itia­ti­ven in den Gewerk­schaf­ten) möch­ten des­halb anre­gen, dass akti­ve Kol­le­gIn­nen, die auch für einen kämp­fe­ri­schen Kurs in den Gewerk­schaf­ten ein­tre­ten, dar­über bera­ten, wie sie gemein­sam an einem Strang zie­hen und sich für eine sol­che Aus­rich­tung der Gewerk­schaf­ten stark machen kön­nen. Es gibt vie­le gute Ansät­ze, aber um die Gewerk­schaf­ten ins­ge­samt in die­se Rich­tung zu brin­gen, ist es nötig, sich bes­ser zu ver­net­zen und zu koor­di­nie­ren.“

Bes­se­re Ver­net­zung kämp­fe­ri­scher Kräf­te
Anspruch der Kon­fe­renz war es, in die­sem Sin­ne eine Platt­form zur Dis­kus­si­on und zum Aus­tausch zu bie­ten. Die­ses Ziel ist nur bedingt erreicht wor­den. Das liegt dar­an, dass die Zusam­men­set­zung der Teil­neh­me­rIn­nen im Wesent­li­chen ein Bünd­nis lin­ker poli­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen wider­spie­gelt. Offen­sicht­lich ist es nur in gerin­gem Umfang gelun­gen, unor­ga­ni­sier­te Kol­le­gIn­nen für die­se Kon­fe­renz zu mobi­li­sie­ren.

Plenum der Konferenz in Frankfurt/Main (Foto: www.vernetzung.org)

Ple­num der Kon­fe­renz in Frankfurt/Main (Foto: www.vernetzung.org)

Posi­tiv war, dass sich sehr vie­le – auch der jün­ge­ren – Teil­neh­me­rIn­nen aktiv in betrieb­li­chen und gewerk­schaft­li­chen Struk­tu­ren enga­gie­ren, eini­ge auch in offi­zi­el­len gewerk­schaft­li­chen Funk­tio­nen. Mit­glie­der ver­schie­de­ner Gewerk­schaf­ten waren ver­tre­ten – am stärks­ten IGM, ver.di, EVG, aber auch GEW und IG BCE.

Für die inhalt­li­che Dis­kus­si­on wur­den neben einem Anfangs­ple­num und einem Abschluss­ple­num ins­ge­samt acht Arbeits­grup­pen zu unter­schied­li­chen aktu­el­len The­men ange­bo­ten. Sie wur­den von jeweils zwei Refe­ren­tIn­nen inhalt­lich ein­ge­lei­tet. Dis­kus­si­ons- The­men waren zum Bei­spiel „Der Kampf um einen neu­en ‚Nor­mal­ar­beits­tag‘“, „Radi­ka­le Arbeits­zeit­ver­kür­zung bei vol­lem Lohn und Per­so­nal­aus­gleich“, „Gewerk­schaft­li­che Kämp­fe poli­tisch füh­ren“, „Umgang mit Ras­sis­ten und Faschis­ten im Betrieb“, „Ver­net­zung der Gewerk­schafts­po­li­tik mit der Kli­ma­schutz­be­we­gung“ bis hin zu „Wider­stand gegen Arbeits­platz­ver­nich­tung“.

Soli­da­ri­sche Dis­kus­sio­nen
Das Fazit des Abschluss­ple­nums am Sonn­tag war, dass die Arbeits­grup­pen durch­aus pro­duk­tiv gear­bei­tet hat­ten. Ergeb­nis­se aus den Arbeits­grup­pen sol­len even­tu­ell noch ver­öf­fent­licht wer­den.

Es gab kei­nen Hick­hack lin­ker Orga­ni­sa­tio­nen, wie es in der Ver­gan­gen­heit bei ver­gleich­ba­ren Zusam­men­künf­ten oft üblich war. Auch die Ple­nums­dis­kus­sio­nen wur­den durch­aus soli­da­risch geführt.

Ein Ent­wurf mit der Auf­lis­tung der vom Koor­di­nie­rungs­kreis vor­ge­schla­ge­nen Vor­ha­ben lag zu Beginn der Kon­fe­renz aus. Er wur­de im Ple­num am Ende der Tagung ohne Gegen­stim­men ange­nom­men.

Ein­stim­mig ver­ab­schie­det wur­de auch eine Soli­da­ri­täts­er­klä­rung an die fran­zö­si­schen Kol­le­gIn­nen, die aktu­ell gegen die dort geplan­te „Ren­ten­re­form“ kämp­fen.

Grö­ße­re Dis­kus­sio­nen gab es hin­ge­gen bei der Ver­ab­schie­dung einer Abschluss­erklä­rung, die eben­falls als Ent­wurf der Kon­fe­renz vor­lag. Hier zeig­ten sich grö­ße­re Unter­schie­de in der Ein­schät­zung, für wen oder was eine sol­che Abschluss­erklä­rung dien­lich sein soll.

Ins­ge­samt war das Bemü­hen erkenn­bar, die gemein­sa­me Hand­lungs­fä­hig­keit zu beto­nen und die eige­ne Grup­pen­loya­li­tät hin­ten­an­zu­stel­len. Dies ist nicht zuletzt eine Vor­aus­set­zung dafür, dass das Ziel der Kon­fe­renz, eine wirk­sa­me Ver­net­zung lin­ker und akti­ver Kräf­te in den Gewerk­schaf­ten zu errei­chen, in Zukunft auch umge­setzt wer­den kann.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Febru­ar 2020
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