Wir zah­len nicht für eure Krise(n) – oder doch?“

R. G.

So lau­te­te der Titel des Video-Info­abends der ISO-Grup­pe Rhein-Neckar am 26. Juni 2020. Dies­mal ging es dar­um, wer für die Kos­ten der „Coro­na-Kri­se“ zur Kas­se gebe­ten wer­den soll.

#unteilbar-Kundgebung vor dem Kaufhof am Paradeplatz, 13.Juni 2020 (Foto: helmut-roos@web.de)

#unteil­bar-Kund­ge­bung vor dem Kauf­hof am Para­de­platz, 13.Juni 2020 (Foto: helmut-roos@web.de)

Von der Pan­de­mie zur Kri­se
Fak­ten­reich ging der Refe­rent auf die aktu­el­le wirt­schafts- und sozi­al­po­li­ti­sche Lage ein. Ver­schärft durch die COVID-19-Pan­de­mie stür­ze die kapi­ta­lis­ti­sche Welt­wirt­schaft in eine schwe­re Kri­se.

Inzwi­schen sei­en allein in Deutsch­land ca. 7,5 Mio. Men­schen aus rund 750.000 Unter­neh­men in Kurz­ar­beit. Die Arbeits­lo­sig­keit stei­ge dra­ma­tisch. Hun­dert­tau­sen­de Unter­neh­men hät­ten staat­li­che Unter­stüt­zun­gen in Anspruch genom­men. Die staat­li­chen Pro­gram­me wür­den aber vor allem Kon­zer­nen hel­fen.

Die aktu­el­le Kri­se wer­de genutzt, um den pro­fit­ori­en­tier­ten Umbau des Kapi­ta­lis­mus wei­ter zu beschleu­ni­gen. So wür­den Arbeits­be­din­gun­gen in Fra­ge gestellt, Tarif- und Sozi­al­stan­dards ange- grif­fen, die Digi­ta­li­sie­rung und Fle­xi­bi­li­sie­rung der Arbeit vor­an­ge­trie­ben und vie­les ande­re mehr. Kon­se­quen­ter Natur­schutz und Abrüs­tung sei­en jedoch kei­ne The­men für die Herr­schen­den. Und nicht zuletzt dro­he welt­weit eine wei­te­re Aus­höh­lung der Demo­kra­tie und der Grund- und Men­sch­rech­te.

Die wah­ren gesell­schaft­li­chen „Kos­ten“ der Kri­se lie­ßen sich aber nicht in Geld mes­sen. Die­se sei­en viel­mehr die COVID-19-Toten sowie das durch die Pan­de­mie und deren gesell­schaft­li­che Fol­gen ver­ur­sach­te Leid der Alten, Kran­ken, Armen, Frau­en und Kin­der.

Zum Schluss stell­te der Refe­rent den COVID-19-Akti­ons­plan der ISO den bür­ger­li­chen Maß­nah­men ent­ge­gen.

Gemein­sa­men Wider­stand orga­ni­sie­ren
In der anschlie­ßen­den Dis­kus­si­on ging es unter ande­rem um die pro­ka­pi­ta­lis­ti­sche Rol­le der Gewerk­schafts­füh­run­gen, die gerin­ge Kampf­be­reit­schaft der Beleg­schaf­ten sowie das der­zeit weit­ge­hend feh­len­de Enga­ge­ment der „Bevöl­ke­rung“ für anti­ka­pi­ta­lis­ti­schem Wider­stand.

Aber wie immer bei den ISO-Info­aben­den wur­den auch ganz prak­ti­sche Fra­gen dis­ku­tiert: Wie kann Wis­sen über gesell­schaft­li­che Zusam­men­hän­ge ver­mit­telt wer­den? Wie kann Wider­stand orga­ni­siert wer­den? Wider­stand, der nicht aus­gren­zen will, son­dern von (inter­na­tio­na­ler) Soli­da­ri­tät geprägt ist und eine lebens­wer­te Welt für alle zum Ziel hat.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Juli/August 2020
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