Der Kampf geht weiter
A. N.
Am 8. März 2026 fanden auch in der Rhein-Neckar-Region mehrere Demonstrationen zum Internationalen Frauenkampftag statt. In Mannheim versammelten sich weit mehr als 1.000 Menschen am Gewerkschaftshaus zur Auftaktkundgebung, um dann über den Ring bis zum Marktplatz zur Abschlusskundgebung zu ziehen.

Internationaler Frauenkampftag in Mannheim, 8. März 2026. (Foto: A. N.)
Damit war es wohl die größte Frauentags-Demo in Mannheim seit vielen Jahren. Dem Demo-Aufruf des Feministischen Bündnisses Mannheim folgten Frauen jeden Alters, queere Menschen, aber auch eine große Anzahl insbesondere junger Männer, die ihre Solidarität ausdrückten.
Widerstand gegen Unterdrückung
Warum war diese Demo so viel größer als die der Vorjahre? Darüber lässt sich nur spekulieren. Es erscheint jedoch naheliegend anzunehmen, dass immer mehr Frauen und solidarische Menschen sich der zu- nehmend aggressiven Unterdrückung von Frauen und der wachsenden Gefahr bewusst werden.
Die Gewalt an Frauen im privaten Umfeld nimmt zu. Immer mehr Frauen sind von Armut betroffen – insbesondere alleinerziehende Mütter und Rentnerinnen. Auch in den weltweit eskalierenden Kriegen, die vor allem von den verschiedenen imperialistischen Großmächten initiiert, befeuert und geführt werden, sind Frauen massiv betroffen – nicht zuletzt von geschlechtsspezifischer und sexualisierter Gewalt.
Laut und bunt
Trotz dieser ernsten Lage war die Stimmung auf der Demo gut, laut und bunt. Demosprüche wurden in verschiedenen Spra- chen gerufen. Ein kleiner Chor stimmte immer wieder markante Lieder an. Viele Menschen trugen selbstgebastelte Plakate mit kreativen Sprüchen. Diese betonten den sozialen und kulturellen Aspekt der Frauenunterdrückung. So trugen zwei Frau- en ein Banner mit der Aufschrift „Die Scham muss die Seite wechseln“. Sie verwiesen so darauf, dass häufig Frauen die Schuld an sexuellen Übergriffen gegen sie selbst gegeben wird, weil sie sich angeblich falsch verhalten oder sich zu aufreizend gekleidet hätten. Mit dieser heuch- lerischen Schuldzuweisung sollen sich letztlich die betroffenen Frauen für Übergriffe schämen. Das hält sie davon ab, diese Gewalttaten anzuprangern oder anzuzeigen. Auch wenn es zu einem gerichtlichen Prozess kommt, fallen die Urteile für die Täter häufig sehr mild aus.
Weißer Fleck: Klassenfrage
Bei der großen Vielfalt der teilnehmenden Personen und Gruppen glänzte ein Akteur nahezu vollständig durch Abwesenheit – die (als solche sichtbare) arbeitende Klasse und die Gewerkschaften. Lediglich fünf ver.di-Fahnen, eine GEW- und eine IGM-Fahne waren zu sehen. Auch die Plakat-Botschaften bezogen sich nur selten auf die ökonomische Diskriminierung von Frauen. Sie stehen ökonomisch wesentlich schlechter dar als Männer. Sie sind häufiger finanziell abhängig, und sie leisten zu ihrer Lohnarbeit zusätzlich noch wesentlich mehr unbezahlte Sorgearbeit als Männer.
Darin zeigt sich, dass die Frauenfrage auch eine Klassenfrage ist. In dieser Gesellschaft, die nach Profiten und nicht nach Bedürfnissen und sozialen Kriterien organisiert ist, sind Frauen historisch zu den großen Verliererinnen geworden. Umso größer ist unser Interesse daran, dieses System aus den Angeln zu heben.
Frauenstreiks ausweiten
Mit den bundesweiten Frauenstreiks am 9. März hat das töchterkollektiv eine vielversprechende Protestform der Gewerkschaftsbewegung aufgegriffen, die immer wieder auch von der Frauenbewegung genutzt wurde. Wenn es jedoch nicht bei einem symbolischen Protest bleiben soll, müssen Frauenbewegungen und Kämpfe der arbeitenden Klasse wieder mehr zueinander finden. Sie müssen sich besser vernetzen und gemeinsam kämpfen für eine Gesellschaft ohne Ausbeutung, Krieg und Unterdrückung.
