Kundgebung von Mieter:innen der Heidelberger GGH
A. N.
Für viele Mieter:innen der GGH (Gesellschaft für Grund- und Hausbesitz mbH) – einer Tochtergesellschaft der Stadt Heidelberg – war es im Februar 2026 mal wieder soweit: Die nächste Mieterhöhung wurde angekündigt. Damit schöpft die GGH den rechtlichen Rahmen von 15 % in drei Jahren völlig aus.
Die Mieter:inneninitiative Höllenstein + Mark-Twain-Village bemerkt dazu: „In dem GGH-Dreiklang ‚sozial – ökologisch – wirtschaftlich‘ gibt die Wirtschaftlichkeit offensichtlich den Ton an – das heißt, die Gewinnsteigerung auf Kosten der Mieter:innen“.

Mietenprotest in Heidelberg, 16. April 2026. (Foto: © Matthias Krebs.)
Protest vor dem Rathaus
Einige Mieter:innen wollen das nicht einfach so hinnehmen und organisierten einen Protest vor der Gemeinderatssitzung am 16. April vor dem Heidelberger Rathaus.
Unterstützt wurde die Initiative von verschiedenen Gruppierungen wie dem End- Cement-Camp, der ISO Rhein-Neckar, dem KDA, der Linkspartei Heidelberg und mehreren Wohnprojekten.
Die GGH vermietet 7.351 Wohnungen, das sind etwa 15 % der Mietwohnungen in Heidelberg. Die Erhöhung wirkt sich somit nicht nur direkt auf die GGH-Mieter:innen aus, sondern betrifft indirekt über den Mietpreisspiegel alle Mieter:innen der Stadt.
Unsoziale Sozialwohnungen?
Eine Mieterin führte in ihrem Redebeitrag aus: „Ich war sehr naiv. Die GGH als städtisches Wohnungsbauunternehmen mit Sozialwohnungen, das klang super!“ Doch dann kamen die Nebenkostenabrechnungen. Im GGH-Quartier Mark-Twain-Village haben die Mieter:innen sich zusammengeschlossen, als im Dezember letzten Jahres Nebenkosten-Nachzahlungen im vier- stelligen Bereich zugestellt wurden.
Etwa 30 % der GGH-Wohnungen sind sozial gefördert und unterliegen damit besonders strengen Regelungen in Bezug auf Mietpreiserhöhungen. Diese Mieter:innen trifft die Erhöhung der Kaltmieten diesmal nicht, von den Nebenkostenabrechnungen sind sie aber genauso betroffen.
Kim Sophie Bohnen von der Linkspartei berichtete in ihrem Redebeitrag zudem von Wohnungen in katastrophalem Zustand. Auch die Mieter:innen gingen darauf ein, dass die Menschen im sozial geförderten Wohnraum mit ihren Anfragen und Anliegen an die GGH häufig im Stich gelassen werden.

Mietenprotest in Heidelberg, 16. April 2026. (Foto: H. S.)
Gegenwehr – aber wie?
Wieso wehren sich nicht mehr Mieter:innen gegen die steigenden Mieten? Ist es der Frust vom letzten Protest vor anderthalb Jahren, der nichts daran ändern konnte, dass jetzt wieder erhöht wird? Oder ist es die Angst, die Wohnung zu verlieren, wenn man sich bei der Vermieterin unbeliebt macht? Beides hören die aktiven Mieter:innen von ihren Nachbar:innen. Da ziehen es viele vor, sich eine andere Wohnung zu suchen – außerhalb der Stadt, oder wer es sich irgendwie leisten kann in einem Eigenheim.
So vertreibt die GGH mit ihrer Mietpreispolitik Menschen aus ihrem Lebensumfeld und zerstört Nachbarschaften. Das trifft vor allem Menschen, die auf barrierefreien Wohnraum angewiesen sind und kaum eine andere Wohnung mit vergleichbarer Infrastruktur wie in Heidelberg finden können. Auch Familien, Alleinerziehende, Rent- ner:innen und Menschen in prekären Beschäftigungsverhältnissen werden in ihrer Lebensgrundlage bedroht.
Aufgeben ist keine Option
Die Mieter:inneninitiative ist deswegen entschlossen weiterzumachen. Die nun anstehende Mieterhöhung wird wohl nicht abzuwenden sein. Doch gemeinsam mit mehreren Bündnispartner:innen aus der Heidelberger Zivilgesellschaft möchte die Initiative weiter in die Zukunft denken und planen, sich weiter organisieren und mehr Mieter:innen aktivieren.
Die Initiative hält dabei an ihren Forderungen fest:
• Keine weiteren Mietpreiserhöhungen!
• Transparente und nachvollziehbare Aufstellung der Nebenkosten!
• Keine unnötigen oder überteuerten Ausgaben, sondern demokratische Planung unter Einbezug der Mieter:innen!
• Wiedereinführung des Mieter:innenbeirates mit echter Mitbestimmung!
• Kein Profit mit unsere Miete! Die GGH muss wieder gemeinnützig werden!
