Tesla ist nur die Spitze des Eisbergs
H. N.
Der Faschistenfreund Musk ist – wen wundert es – ein ausgemachter Gewerkschaftshasser und Betriebsratsfresser. Tarifverträge und Betriebsräte, die diesen Namen verdienen, dürfen seinen Anweisungen zufolge keinen Platz in der „Gigafactory Berlin-Brandenburg“ haben.

IGM-Aktionstag in Frankfurt/M., 15. März 2025. (Foto: Privat.)
Der Versuch der IG Metall (IGM), endlich bei den Betriebsratswahlen Anfang März 2026 in diesem riesigen Auto-werk mit rund 11.000 Beschäftigten die Mehrheit im BR-Gremium zu erreichen, scheiterte trotz sehr erheblicher organisatorischer Anstrengungen der größten DGB-Gewerkschaft.
Elf Listen waren zur Wahl angetreten. Die Liste „IG Metall - Tesla Workers GFFB“ wurde zwar dank eines engagierten Wahlkampfs zweitstärkste Kraft mit 13 BR-Mandaten, aber die Liste der durch die Firmenleitung von außen angeheuerten bisherigen BR-Vorsitzenden Schmitz erhielt die meisten Stimmen. Auf das unter ihrer Kontrolle formierte Bündnis „Giga United“ der zehn gelben, gewerkschaftsfeindlichen Listen fielen 24 der 37 Sitze im BR-Gremium.
Massive Einschüchterungen
Schon im Vorfeld der BR-Wahlen beeinflusste das Management die Belegschaft massiv und warnte vor der Wahl der IGM-Liste in Versammlungen und Einzelgesprächen mit Vorgesetzten. Letztere verteilten Anstecker mit der Aufschrift „Giga Ja − Gewerkschaft Nein“. Medienwirksam wurde das Abführen eines haupt- amtlichen Gewerkschaftssekretärs aus dem Betrieb inszeniert.
Werksleiter Thierig brachte seine antigewerkschaftliche Haltung unverblümt gegenüber Medien zum Ausdruck: „Wir glauben nicht, dass wir hier am Standort eine Gewerkschaft brau- chen, wir sind ohne Gewerkschaft sehr viel schneller unbürokratischer flexibler.“ Seine Sprüche gegen die IG Metall beschallten, ganz in der Tradition totalitärer Systeme, die Tesla- Arbeiter:innen − sogar auf den Toiletten.
Tesla-Boss Musk ließ es sich nicht nehmen, höchstpersönlich kurz vor der BR-Wahl eine Videobotschaft an die Beschäftigten des deutschen Teslawerks zu senden. Im lässig arrangierten Gespräch mit Thierig schwadronierte er in Trump-Manier von dem Wachstum der Gigafactory zum größten Industriekomplex in Europa. Diese großartige Vision sei nur dann bedroht, „wenn externe Organisationen die Dinge in die falsche Richtung treiben“ und „uns von außen das Leben schwer gemacht wird“.
Nach der bitteren Niederlage der IGM-Liste meinte der zuständige IG-Metall-Bezirksleiter, Jan Otto, dass die Gewerkschaft „trotz aller Attacken des Managements und eines außergewöhnlich unfairen Wahlkampfs“ ein gutes Ergebnis erzielt habe. Und er fuhr fort: „Dieses Potential werden wir nutzen, um gegen eine gewerkschaftsfeindliche Geschäftsführung bessere Arbeitsbedingungen durchzusetzen.“
Widerstand gegen Willkür
IGM-Betriebsrat Philipp Schwarz formulierte es so: „Bei Tesla kämpfen wir nicht nur für einen Betriebsrat, der auf der Seite der Belegschaft steht. Wir verteidigen auch die demokratischen Rechte, die von der Gewerkschaftsbewegung hart erkämpft wurden. Jede und jeder Einzelne von uns war bereit, dafür persönliche Nachteile in Kauf nehmen. Dieser Wahlkampf hat wieder einmal gezeigt, wie einfach es für einen einzigen Multi-Milliardär ist, unsere Demokratie auszuhöhlen. Wir müssen alle zusammen verhindern, dass das Schule macht.“
Am 25. März 2026, drei Wochen nach der Bekanntgabe des BR-Wahlergebnisses bei Tesla, kamen dann aus der Frankfurter IGM-Zentrale überraschende Töne. Per Pressemitteilung verkündete die Gewerkschaft die Anfechtung der BR-Wahl bei Tesla nach § 19 Betriebsverfassungsgesetz.
Die Erste Vorsitzende der Gewerkschaft, Christiane Benner, ließ sich in diesem Kontext so zitieren: „Der Eindruck, dass die Wahl bei Tesla durch Drohungen beeinflusst wurde, ist zu schwerwiegend, als dies nicht gerichtlich zu klären.“ Kein Widerspruch!
Wenn sie aber „dringend noch wirksameres gesetzliches Vorgehen gegen Union Busting“ einfordert, dann ist sie daran zu erinnern, dass dies bereits der 23. Ordentliche Gewerkschaftstag der IG Metall im Oktober 2015 beschlossen hat.
Die Kapitalseite trumpft seitdem immer grober in zahllosen Unternehmen auf. Mit ungehemmter Gewerkschaftsbekämpfung und brutalem BR-Mobbing vernichtet sie das Engagement zahlloser aktiver Betriebsräte. Tesla ist nur die Spitze des Eisbergs. Wo bleibt der konsequente gewerkschaftliche Widerstand? Nur wer kämpft, kann gewinnen!
