Brot und Rosen

Frau­en­streik gegen Sozialabbau

 

A. N.

Die faschis­ti­sche Bedro­hung für Frau­en­le­ben hat in den letz­ten Jah­ren kon­ti­nu­ier­lich zugenommen.

In der neo­li­be­ra­len Offen­si­ve scheint die­se Bedro­hung nun lang­sam, aber ste­tig in „die Poli­tik“ hin­ein­zu­wir­ken und die Lebens­be­din­gun­gen der arbei­ten­den Klas­se und der Armen anzu­grei­fen. Beson­ders hart trifft das uns Frau­en, die wesent­lich mehr unbe­zahl­te oder schlecht­be­zahl­te Arbei­ten ver­rich­ten als Männer.

Frauenmarsch in Washington, 21. Januar 2017. (Foto: Elvert Barnes [Gemeinfrei - CC BY-SA 2.0].)

Frau­en­marsch in Washing­ton, 21. Janu­ar 2017. (Foto: Elvert Bar­nes [Gemein­frei - CC BY-SA 2.0].)

Refor­men“ gegen Frauen

Merz und CDU haben für ihren „Herbst der Refor­men“ zahl­rei­che Kür­zun­gen und Angrif­fe auf Grund- und Men­schen­rech­te ange­kün­digt. Nach sehr vie­len ver­ba­len Pro­tes­ten ruder­ten sie vor­erst zurück und stell­ten harm­lo­ser erschei­nen­de „Lösun­gen“ vor. Damit täu­schen sie geschickt dar­über hin­weg, wie sehr sie den­noch alle die­je­ni­gen beein­träch­ti­gen, die ohne­hin schon täg­lich gegen ihre Ver­ar­mung kämp­fen müs­sen. Der Frau­en­an­teil ist hier beson­ders hoch.

Ange­grif­fen wer­den grund­le­gen­de Exis­tenz­si­che­run­gen wie die Ren­te, Sozi­al­leis­tun­gen und Kran­ken­ver­si­che­rung. Beson­ders gra­vie­rend dürf­te sich die Umstruk­tu­rie­rung des Bür­ger­gelds zur soge­nann­ten Grund­si­che­rung auf die kurz-, mit­tel- und lang­fris­ti­gen Lebens­be­din­gun­gen von Frau­en aus­wir­ken. Denn die Maß­nah­men zie­len dar­auf ab, Men­schen schnel­ler und mit exis­tenz­be­dro­hen­dem Druck in Arbeit zu zwin­gen. Zeit zur beruf­li­chen Ori­en­tie­rung, zur Qua­li­fi­zie­rung und Aus- und Wei­ter­bil­dung bleibt dabei nicht. Die neue „Grund­si­che­rung“ drängt gera­de Frau­en, die auf­grund von unbe­zahl­ten Sor­ge­ar­bei­ten län­ge­re Zeit kei­nen Lohn erhiel­ten, in schlecht bezahl­te Jobs ohne sichern­de Zukunftsperspektiven.

Exis­tenz­be­dro­hen­de Politik

In die­se Situa­ti­on schla­gen auch die dis­ku­tier­ten Ände­run­gen des Ren­ten­sys­tems beson­ders hef­tig ein. Wie soll eine Frau mit erzwun­gen nied­ri­gem Ein­kom­men zusätz­lich in eine pri­va­te Ren­ten­ver­si­che­rung ein­zah­len, die sie vor Alters­ar­mut bewah­ren könn­te? Wie soll eine Mut­ter auf mehr Bei­trags­jah­re kom­men, wenn sie doch heu­te ihre Kin­der zu ver­sor­gen und gekürz­te Betreu­ungs­zei­ten in den Ein­rich­tun­gen aus­zu­glei­chen hat? Eltern beson­ders pfle­ge­be­dürf­ti­ger, kran­ker oder behin­der­ter Kin­der ste­hen vor noch grö­ße­ren Hür­den, da sie ihre Kin­der über einen wesent­li­chen län­ge­ren Zeit­raum betreu­en und pfle­gen müs­sen. Die per­so­nel­le Ver­sor­gung und somit auch Betreu­ungs­zei­ten sehen in den ent­spre­chen­den Ein­rich­tun­gen und Schu­len weit schlech­ter aus als in anderen.

Zudem wer­den die Kran­ken­kas­sen­leis­tun­gen im Umfeld der CDU in Fra­ge gestellt. Dabei sind Frau­en schon heu­te benach­tei­ligt im Gesund­heits­sys­tem und müs­sen zen­tra­le Leis­tun­gen selbst zah­len, sei es zum Bei­spiel zur Ver­hü­tung oder zum Abbruch von Schwangerschaften.

Die Infra­ge­stel­lung der Teil­zeit­ar­beit, des 8-Stun­den-Tages und die unge­bremst stei­gen­den Mie­ten sind hier noch gar nicht genannt. All die Vor­stö­ße der letz­ten Mona­te wur­den zwar (noch) nicht umge­setzt, ver­schie­ben aber heu­te schon die Gren­zen des Denk- und Sag­ba­ren. Und was gesagt wer­den darf, bedroht als Ers­tes Frau­en ganz phy­sisch. Unter dem Ein­fluss von Ernied­ri­gung, Stress und Zukunfts­sor­gen nimmt „unsicht­ba­re“ psy­chi­sche Gewalt eben­so wie kör­per­li­che, oft häus­li­che Gewalt zu. Schutz­ein­rich­tun­gen wie Frau­en­häu­ser wer­den gleich­zei­tig aber eher ab- als aufgebaut.

Unser Pro­gramm

Die­sem Angriff auf unse­re Lebens­be­din­gun­gen haben wir eini­ges entgegenzusetzen:

• Gekürzt wer­den darf nicht an unse­rem Leben, son­dern an den Pro­fi­ten der Reichen

• Gesell­schaft­li­che Aus­ga­ben und Leis­tun­gen müs­sen von den­je­ni­gen demo­kra­tisch geplant wer­den, die davon betrof­fen sind – den Beschäf­tig­ten in den Ver­sor­gungs- und Dienst­leis­tungs tätig­kei­ten und den Empfänger:innen von Sozi­al- und Dienstleistungen

• Arbeits­zeit­ver­kür­zung für alle bei vol­lem Lohn- und Personalausgleich

• Ver­ge­sell­schaf­tung der Repro­duk­ti­ons- und Sorgearbeit

• Statt Mil­li­ar­den für die Zer­stö­rung von Leben und Umwelt in Krie­gen, Finan­zie­rung per­sön­li­cher und gesell­schaft­li­cher Be dürfnisse.

All das ist mög­lich – in einer Gesell­schaft, in der Pro­duk­ti­on und Repro­duk­ti­on demo­kra­tisch nach Bedar­fen geplant wird. Es mag wie ein gro­ßer Traum erschei­nen, doch er ist unse­re ein­zi­ge Chan­ce auf ein befrei­tes Leben jen­seits von kapi­ta­lis­ti­scher Pro­fit­ori­en­tie­rung. Es lohnt sich, dafür zu kämp­fen – auf der Stra­ße, in unse­ren Betrie­ben, in unse­ren Vier­teln und Familien!

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar März 2026
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