Die Wiederentdeckung Trotzkis auf Kuba
Helmut Dahmer, Wien 18.06.2019
Im Zusammenhang mit dem 100. Jahrestag der Gründung der Kommunistischen Internationale (im März 1919) planten das Juan Marinello Cuban Institute of Cultural Research und das Philosophische Institut der Universität Havanna in Zusammenarbeit mit dem Trotzki-Museum in Coyacan (Mexiko) – der Casa Museo León Trotsky1 bzw. dem Instituto del Derecho de Asilo – und dem Karl Marx Center for Socialist Studies (ebenfalls in Mexico City) einen nicht-öffentlichen Internationalen akademischen Kongress zu Leben und Werk Leo Trotzkis, der dann infolge „bürokratischer Probleme“ auf Anfang Mai verschoben werden musste.
Die Reaktionen auf die Ankündigung einer Trotzki-Konferenz auf Kuba (durch verschiedene sozialistische Mitteilungsblätter) fielen unterschiedlich aus. Manche LeserInnen dieser Nachricht reagierten mit ungläubigem Staunen, andere fragten „Wo sonst?“
Ungläubiges Staunen
Kuba ringt seit 120 Jahren um seine Unabhängigkeit. Ende des 19. Jahrhunderts intervenierten die USA nach einer Reihe von Aufständen gegen die spanische Kolonialherrschaft und hielten seitdem die formell unabhängige Republik faktisch in Abhängigkeit – politisch-militärisch mit Hilfe ihres Interventionsrechts, ihres Stützpunkts Guantánamo und der Unterstützung wechselnder kubanischer Präsidenten, ökonomisch durch eine Abnahme-Garantie für die Produkte der Zucker-Monokultur.
Die 1925 gegründete Kommunistische Partei Kubas geriet alsbald in den Sog des stalinistischen Lagers, kollaborierte auch mit den jeweiligen Regimen und firmierte seit 1944 als „Sozialistische Volkspartei“. Fidel Castros Unternehmen, mit ein paar Dutzend Gefolgsleuten einen – durch Massen-streiks unterstützten – Guerillakrieg gegen die Armee des Diktators Batista zu führen, stand sie zunächst ablehnend („Abenteurertum“), dann abwartend gegenüber.
Der ungeheure Schatten des Stalinismus2 lag (und liegt noch immer) über vielen Versuchen, aus dem Bannkreis der kapitalistischen Weltwirtschaft auszubrechen.
Noch immer glauben viele AntikapitalistInnen an den Mythos vom „Sozialismus in einem Land“ (oder in einem Block), an die „Lösung“ widerstreitender gesellschaftlicher Interessen durch Massenterror und an die von Stalin und seinen Ideologen jahrzehntelang propagierten Geschichtslegenden. Das galt auch für die Führung der fidelistischen Guerillatruppe, der es in der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre gelang, die Armee des Diktators Fulgencio Batista zu besiegen und ihn aus dem Land zu jagen. Für Fidel und seinen Bruder Raoul wie für ihren berühmten Kampfgefährten Ché Guevara galt damals der 1953 verstorbene Stalin, dessen Entzauberung auf den Parteitagen der sowjetischen KP von 1956 und 1961 bereits begonnen hatte, noch immer als eine Autorität und die Sowjetunion als ein nachahmenswertes sozialistisches Musterland. Trotzki und die IV. Internationale hingegen hielten sie, Stalins 1938 veröffentlichtem Meisterwerk der Geschichtsfälschung – dem Kurzen Lehrgang der Geschichte der KPdSU – entsprechend, für Konterrevolutionäre, ihre Theorien für gefährliche Ketzereien. Das bedeutete auch, dass sie weder den Charakter der (spät-)stalinistischen Sowjetunion, ihrer Schutzmacht, noch die Risiken, die ihr eigenes revolutionäres Projekt bedrohten, zureichend verstanden.3
Daran änderte sich auch nichts, als kubanische Trotzkisten sich frühzeitig der Guerilla anschlossen.4 Ironischerweise schlugen die fidelistischen NationalrevolutionäreInnen, die sich auf Martí und Marx (oder Stalin) beriefen, Trotzkis (1906 veröffentlichte, 1929 erweiterte) Theorie der Permanenten Revolution aber gar nicht kannten, innen- wie außenpolitisch einen Kurs ein, der dem einst von Trotzki prognostizierten Übergang nationaler Unabhängigkeitsbewegungen in sozialistische zu entsprechen schien. Innenpolitisch verstaatlichten sie kubanisch-amerikanisches Privateigentum und planten nicht nur eine Diversifizierung der Landwirtschaft, sondern auch eine umfassende Industrialisierung des Landes. Außenpolitisch versuchten sie, ihre anti-imperialistische Revolution international zu verbreiten. Ché Guevara setzte sein Leben ein, um – jeweils nur mit ein paar Dutzend Kampfgefährten – nach kubanischem Muster zuerst (1965) im Kongo, dann (1966/67) in Bolivien, durch kühne Guerilla-Aktionen Massenaufstände anzustoßen.5
Je stärker unter amerikanischem Druck die Abhängigkeit von der Sowjetregierung wurde, die, wie zuvor die USA, in Kuba vor allem einen Zuckerlieferanten und einen militärischen Stützpunkt sah, desto stärker wurde in den sechziger Jahren auch die politische und „kulturelle“ Anpassung an „sowjetische“ Standards.6 Der bedenkenlosen Wiedergründung, Neugründung oder Übernahme der KP Kubas als Staatspartei im Jahr 1965 – ihr gehören gegenwärtig über 800.000 Mitglieder an – korrespondierte die Einrichtung eines Sperrgürtels gegenüber der internationalen, anti- stalinistisch-marxistischen Diskussion.7 KünstlerInnen, die auf ihre Autonomie pochten, wurden ebenso verfolgt wie sexuelle „DissidentInnen“. Die kleine Gruppe der TrotzkistInnen (50 oder 60 Aktive) landete schließlich im Gefängnis.8
Wo sonst?
Vor diesem Hintergrund erscheint der nicht-öffentliche Akademische Kongress zu Leben und Werk Trotzkis vom 6. bis 8. Mai dieses Jahres als ein politisches Wunder. 60 Jahre nach dem Sieg über Batista und der staatsozialistischen Transformation von Wirtschaft und Gesellschaft Kubas, nach vergeblichen Versuchen, durch die Unterstützung von Befreiungsbewegungen in Afrika und Südamerika Bundesgenossen zu gewinnen, nach unausgesetzten Versuchen wechselnder US-Regierungen, das nach-revolutionäre kubanische Regime, wenn nicht zu stürzen, dann doch zu strangulieren, hält sich der nichtkapitalistische Inselstaat noch immer. Der wesentliche Grund dafür ist, dass er sich auf die Loyalität der Bevölkerungsmehrheit stützen kann, der er Wohnung und Arbeit, kostenlose Ausbildung und medizinische Versorgung garantiert.9 Treibstoff und ein Großteil der Lebensmittel müssen importiert (und gegenwärtig auch wieder rationiert) werden; die einstmals prächtige Altstadt Havannas präsentiert sich heute teilweise als eine Ruinenstadt; es mangelt an vielen elementaren Gütern (wie etwa Hygienemitteln), die für zahlungskräftige KonsumentInnen in vergleichbaren Drittwelt-Staaten, die nicht jahrzehntelangen Blockaden ausgesetzt waren, selbstverständlich sind.
Havanna wirkt entmilitarisiert. Die Massendemonstration, zu der sich am 1. Mai 2019 um 7 Uhr früh auf dem Revolutionsplatz eine Million Menschen unter der Losung „Einheit, Kompromiss, Sieg!“ versammelten, glich einem Volksfest. Es gab keine Waffenschau, und die teilnehmenden, unterschiedlich uniformierten Gruppen von PolizistInnen gingen in der Massendemonstration auf. Gegenwärtig gibt es praktisch keinen Personenkult. Ché Guevara freilich ist (wie auch international) längst zu einem Mythos geworden (und gemacht worden), zu einem oft besungenen Volkshelden, der die revolutionären Traditionen Kubas verkörpert.
Nach dem Kollaps der Sowjetunion zu Beginn der 1990er Jahre, mit der 85 Prozent des kubanischen Außenhandels abgewickelt worden waren, und nach Naturkatastrophen Mitte der Neunziger sah die Regierung sich zu einer Revision der Planwirtschaft genötigt. Zögernd wurde kleines Privateigentum im Be-reich des Service-Sektors zugestanden und 2019 auch in der Verfassung legitimiert. Zudem wurden Investitions-Möglichkeiten für ausländisches Kapital und für Joint-Ventures etwa im Hotelgewerbe eröffnet. Der Tourismus – mit gegenwärtig 5 Millionen BesucherInnen pro Jahr – wurde angekurbelt und eine Parallelwährung (CUC) für TouristInnen eingeführt.10 Die „kleinen“ Privatwirtschaften, die sich allmählich zu „mittleren“ entwickeln, die Überweisungen wohlhabender KubanerInnen aus Miami, die jährlich etwa den staatlichen Einnahmen aus der Tourismus-Branche entsprechen, und die Etablierung einer speziellen Konsum-Welt für TouristInnen haben zur Reproduktion jener Formen sozialer Ungleichheit geführt, die die RevolutionärInnen vor sechzig Jahren beseitigen wollten.11
Die „Alte Garde“ der kubanischen RevolutionärInnen zieht sich zurück. Der Parteimarxismus verblasst, weil er weder zur Gegenwartsanalyse beiträgt, noch politische Perspektiven eröffnet. Die linksnationalistisch-pseudosozialistischen Regime in Lateinamerika – die potentiellen Verbündeten Bolivien, Venezuela und Nicaragua – kämpfen mit größten Schwierigkeiten. Die Trump-Regierung versucht mit aller Macht, sie zu eliminieren.
Von der jungen Generation heißt es in einem der von Héctor Puente Sierra jüngst geführten Interviews: „Geht es um die Beteiligung an politischen Debatten, stößt man auf fehlendes Engagement. Sie sind apathisch und fürchten die Folgen, wenn sie ihre Meinung offen kundtun. Die meisten jungen Kubaner verfolgen die politischen Ereignisse nicht. Sie sind [der Politik] entfremdet, entideologisiert.“12
Unter diesen Umständen beginnt eine Minderheit von jungen Intellektuellen die Suche nach einem zureichenden Verständnis der aktuellen kubanischen wie der internationalen Situation. Das Milieu dieser Suche bilden natürlich – wie einst in Berkeley, Paris und Frankfurt – die auf Reflexion ausgelegten, potentiell „unruhigen“ Fakultäten – vor allem die Institute für Philosophie und Soziologie.
Hatte Isaac Deutschers große Trotzki-Biographie vor sechs Jahrzehnten der Generation von 1968 die Augen für Alternativen zum Stalinismus geöffnet, so hat auf Kuba der vor 10 Jahren erschienene Roman von Leonardo Padura – Der Mann, der die Hunde liebte – eine Bresche ins Eis der herrschenden politischen Ideologie geschlagen.13 Der 36-jährige Frank García Hernándes, der an einer Dissertation über Trotzki arbeitet und den Kongress in Havanna organisierte, berichtet, dass sich 2016 in der Universität von Santa Clara ein studentischer Diskussionskreis gebildet hat – das „Kubanische Kommunistische Forum“ –, das dringend um die Zusendung von Zeitschriften und Büchern „von Theoretikern wie Daniel Bensaïd, Pierre Broué, Isaac Deutscher, Ernest Mandel, Victor Serge, Alex Callinicos, Cornelius Castoriadis, Alan Woods, Tariq Ali, Michael Löwy […] bittet.“ „Sie brauchen dringend Theorie!“14 Und sie werden nun auch Trotzki, den Verteidiger der Arbeiterdemokratie, für sich und ihre kubanische Gegenwart wiederentdecken.
Nach der bloßen Ankündigung eines („akademischen“) Trotzki-Kongresses in ein paar sozialistischen Mitteilungsblättern gingen bei den VeranstalterInnen an die 200 Teilnahme-Anträge und 51 Vortragstexte ein. Auch das ist ein Politikum!15
Schließlich wurden 30 ReferentInnen ausgewählt, die im gastgebenden mexikanischen Kultur-Institut, dem Museo de Beníto Juárez, einem Publikum von 80-100 HörerInnen, darunter auch einigen kubanischen StudentInnen, an drei Tagen in dichter Folge die Ergebnisse ihrer Studien vortrugen. Die Zeit reichte nicht für Diskussionen der verschiedenen Texte und Positionen, wohl aber gab es zu einzelnen Themen höchst interessante spontane Interventionen. Die ReferentInnen und HörerInnen, politisch Aktive, Veteranen und „Gelehrte der Bewegung“ (A. Labriola) im Alter von 30 bis zu 80 Jahren gehörten verschiedenen, zumeist trotzkistischen Organisationen an – nicht nur aus Nord- und Südamerika, sondern auch aus Belgien, Frankreich, Österreich und der Türkei.
Zu den Besonderheiten trotzkistischer Organisationen – die eine lange Tradition der Diskriminierung und Verfolgung hinter sich haben – gehört es, dass ihre aktiven Mitglieder und SympathisantInnen unweigerlich zu professionellen oder Laien-HistorikerInnen ihrer Bewegung und ihrer GegnerInnen werden. Der Kongress bot – nicht nur für die kubanischen Gäste, sondern auch für die AktivistInnen und SpezialistInnen unterschiedlicher revolutionär-marxistischer Couleur – eine einmalige Gelegenheit, einander kennenzulernen und Neues über die Geschichte verschiedener nationaler Sektionen und ihrer internationalen Verbindungen zu erfahren.
Das Themenspektrum hat Alex Steinberg in seinem Kongress-Bericht umrissen16: Es ging um Trotzkis wichtigste Beiträge zur marxistischen Theorie und zur revolutionären Politik, um seinen Kampf gegen den Stalinismus, um seine Kontroversen mit nicht-stalinistischen linken Theoretikern in den dreißiger Jahren, um seine Positionen zu Literatur, Psychoanalyse und Alltagsleben, um Kontroversen und Spaltungen innerhalb der IV. Internationale und um die historische Einschätzung der trotzkistischen Bewegung verschiedener Länder.
Das Trotzki-Museum (Coyoacan) hatte eine großartige Fotoausstellung (mit einer Reihe von bisher unbekannten Dokumenten) nach Havanna geschickt. Eine für die Kongressteil- nehmerInnen bestimmte Buchsendung des mexikanischen Instituts wurde vom kubanischen Zoll bedauerlicherweise nicht durchgelassen. Vorgestellt wurde der Essayband des peruanischen Trotzki-Experten Gabriel García Higueras – Trotsky en el espejo de la historia, Mexiko (Fontamara) 2005.
Höhepunkte der Veranstaltung waren ferner die Vorführung einiger bereits fertiggestellter Teile einer neuartigen Trotzki-Dokumentation (Trotsky: the most dangerous man in the world), an deren Kombination aus seltenen historischen Filmaufnahmen und aus von ihr aufgefundenen Zeitzeugen-Interviews aus den achtziger Jahren Lindy Laub arbeitet, sowie die Aufführung einer an H. Eisler und G. Mahler anklingenden, von Trotzkis „Testament“ inspirierten Komposition einer fünfköpfigen Gruppe junger Musiker.
Drei Beispiele aus der Geschichte *des Sozialismus auf Kuba
Sandalio Junco, ein schwarzer Gewerkschaftsführer, seit 1928 im Exil, kam Anfang der 30er Jahre in Moskau in Kontakt mit Andreu Nin und wurde nach seiner Rückkehr zum Begründer der trotzkistischen Bewegung Kubas, die 1933 eine bedeutende Rolle in der Organisation des Generalstreiks gegen das blutige Regime des Diktators Machados spielte. Junco soll Stalin ins Gesicht gesagt haben, er halte ihn für einen „Betrüger der Welt-Arbeiterbewegung“. Er wurde im Mai 1942 bei einem politischen Meeting von stalinistischen Agenten umgebracht – wie zuvor seine Genossen J. A. Mella (1929), A. Nin (1937) und L. Trotzki (1940). – Zur Bedeutung von Junco vgl. Anne Garland Mahler, The Red and the Black in Latin America, Sandalio Junco and the ‚Negro Question‘ from an Afro-Latin American Perspective; in: Journal for American Communist History, Bd. 17, Heft 1/2018, S. 16-32.
Nach dem kampflosen Sieg der Nazis 1933 verschlug es – mit ein paar Tausend Hitlerflüchtlingen – auch einige dissidente deutsche Kommunisten (Brandler, Thalheimer, Boris Goldenberg…) nach Kuba, wo sie auf eine Möglichkeit zur Einreise in die USA warteten. 1941 stieß der Theoretiker des linken Flügels des deutschen Kommunismus, Arkadij Maslow, zu ihnen. Er hatte 1928 den „Leninbund“ gegründet und in den Jahren 1934-37 in Paris mit der Gruppe um Trotzki zusammengearbeitet. Mit der (bisher unveröffentlichten) Fiktion „Stalins Memoiren“ suchte er zum Verständnis des Despoten im Kreml beizutragen. Maslow gehörte zu den Leuten, „die zu viel wussten“. Die nationalen Sektionen der von Stalin gleichgeschalteten Komintern hatten sich in den dreißiger Jahren nicht nur in eine Hilfstruppe der Außenpolitik des Kremls verwandelt, sondern auch in eine Hilfstruppe zur Ermordung von Dissidenten, die der Stalinclique als gefährlich erschienen. Im November 1941 fand man Maslows Leichnam auf einer Straße in Havannas „schlechtem Viertel“. In dem von H. Weber und A. Herbst herausgegebenen biographischen Handbuch Deutsche Kommunisten heißt es: „Die These von [seiner] Ermordung ist nach heutigen Kenntnissen der Stalinschen Praktiken und Verbrechen durchaus wahrscheinlich.“ (Berlin [Dietz], 2. Aufl. 2008, S. 581.) Ähnlich urteilt der Ruth Fischer-Biograph Mario Kessler in seinem Werk Ruth Fischer, Köln (Böhlau) 2013, S. 372-391.
Die stalintreuen Spanien-KämpferInnen und KGB-AgentenInnen Leonid Eitingon (der berüchtigte „General Kotow“), Ramón Mercader und seine Mutter Caridad Mercader hatten sich nach dem Sieg Francos nach Mexiko abgesetzt und bildeten 1940 ein Killerkommando, dem es im August 1940 gelang, auf Befehl Stalins Trotzki zu ermorden, der seit 1937 im Vorort Coyoacan der mexikanischen Hauptstadt Asyl gefunden hatte. (Juan Marinello, der bedeutende, politisch engagierte kubanische Dichter, hatte 1937 in Madrid Caridad Mercader noch als „katalanische Pasionaria“ gefeiert.) Eitingon und die beiden Mercaders wurden zum Lohn für ihre Dienste mit den höchsten Orden, die der Kreml zu vergeben hatte, ausgezeichnet. Als Ramón M. 1960 aus mexikanischer Haft entlassen wurde, fand er in Havanna freundliche Aufnahme. Seine Mutter Caridad, die straffrei blieb, wurde (in den Jahren 1960-1967) mit der Öffentlichkeitsarbeit der Pariser kubanischen Botschaft betraut.
Die Texte der in spanischer oder englischer Sprache für den Kongress geschriebenen Beiträge, von denen einige nicht vorgetragen wurden, werden in absehbarer Zeit in Havanna in Buchform veröffentlicht. Hier folgt eine Übersicht der Autoren und ihrer Themen.
Acosta, Rafael (Havanna), Die letzten Tage des kubanischen Trotzkismus.
Bernabé, Rafael (Puerto Rico), Trotzki und das Aufkommen des nordamerikanischen Imperialismus: Der Fall Pu erto Rico.
LeBlanc, Paul (USA), „Je dunkler die Nacht, desto heller die Sterne.“ Trotzkis Kampf gegen den Stalinismus.
La Botz, Dan (USA), Die Debatte zwischen Trotzki und Victor Serge; die Debatte zwischen Trotzki und Boris Souvarine.
Bovieri, Kaveh (Kanada), Über Trotzkis Geschichtsschreibung.
Brenner, Robert (USA), Trotzki, die Linke Opposition, die Bauernfrage und die Bürokratie.
Dahmer, Helmut (Österreich), Walter Benjamin und Trotzki als Revolutionshistoriker.
Fleury, Marcela (Brasilien), Eisensteins Filmkunst und die permanente Revolution.
Fonseca Ornelas, José Alberto (Mexiko), Trotzki in Mexiko: Der Anti-Imperialismus und der Kampf für die politische Unabhängigkeit der Arbeiterklasse.
Freitas Figueiredo, Clara (Brasilien), Die permanente Revolution in der Kultur und die Kritik des Lenin-Kults.
García Higueras, Gabriel (Perú), Das Bild Trotzkis in der Geschichtsschreibung der Perestroika (1986-1991).
Gittlitz, A. M. (USA), Der „Katastrophismus“ im Trotzkismus, die kubanische Raketenkrise und der kommunistische Millenarismus von heute.
Loewy, Michael (Frankreich), Trotzkis Begegnung mit André Breton und ihre gemeinsame Redaktion des Manifests „Für eine unabhängige revolutionäre Kunst“ (1938).
Luiz de Oliveira, Edson (Brasilien), Mário Pedrosa und die sozial engagierte Kunst der Käthe Kollwitz.
Moazzami, Niloofar (Kanada), Trotzkis Revolutions-Begriff im Licht einer Theorie sozialer Bewegungen.
Marão Villela, Thyago (Brasilien), Der russische Konstruktivismus, die Linke Opposition und die Umstrukturierung des Alltagslebens.
Marazzi, Antonella (Italien), Trotzki in Italien.
Marazzi, Roberto (Italien), Trotzki und Gramsci.
Márquez, Ricardo (Mexiko), Julio Antonio Mella und der kubanische Trotzkismus.
Massón, Caridad (Kuba), Sandalio Junco.
Mena, Yunier (Mexiko), Kunst und Literatur in Trotzkis Verratener Revolution.
Menezes, Flo (Brasilien), Trotzkis Theorie der Kunst und Kultur und ihr Einfluss auf den brasilianischen Trotzkismus Mário Pedrosas.
Lauria Monteiro (Brasilien), Die internationale trotzkistische Bewegung und die Nachkriegsrevolutionen, Die Fragmentierung der IV. Internationale.
Pérez Noriega, Gabriela (Mexiko), Geschichte des Trotzki-Museums in Coyoacan.
Perseguim, Daniel (Brasilien), Trotzki in der Neuen Welt: Die mexikanische Phase des Bulletins der Opposition.
Palmer, Bryan (Kanada), Geschichte des nordamerikanischen Trotzkismus.
Puente Sierra, Héctor (England), Trotzkismus nach Trotzki, eine Neubewertung von Tony Cliffs „Staatskapitalismus“-Theorie.
Romao, Morgana (Brasilien), Trotzkis und Hillel Ticktins Deutung der sowjetischen Bürokratie.
Saccarelli, Emanuele, und Latha Varadajan (USA), Lenin, Trotzki und die Imperialismus-Theorie.
Sándor John, S. (USA), Der bolivianische Trotzkismus.
Sayim, Burak (Schweiz), Leo Trotzki, Ché Guevara und die Permanente Revolution.
Steiner, Alex (USA), Trotzki als marxistischer Theoretiker: Das Zeugnis der Notebooks (1933-35).
Tate, Ernest (Kanada), Verne Olson und die kubanische Revolution.
Toussaint, Éric (Belgien), Lenin und Trotzki gegenüber der Bürokratie und Stalin. Die russische Revolution und die Übergangsgesellschaft.
Tulunay, Armagan (Türkei), Trotzki auf Prinkipo und der Trotzkismus in der Türkei.
Weissman, Suzi (USA), Die gespaltene linke Opposition: Die Auseinandersetzungen zwischen Trotzki und V. Serge.