Ein Gespräch mit Bernd Köhler zum Film über Hans Reffert
Hans Reffert, ein Oppauer Nachkriegskind, wurde „Musiker, Zeichner und politischer Akteur“. Zu seinem 10. Todestag gelangt am 21. März 2026 im Mannheimer Cinema Quadrat die filmische Dokumentation „Die Töne kommen oft daher, wo der Schmerz ist“ zur Uraufführung. Darüber sprachen wir mit Bernd Köhler, der zusammen mit der Filmemacherin Christiane Schmied dieses Werk erarbeitet hat.*

Plakat zur Film-Uraufführung am 21.3.2026 im Cinema Quadrat ind Mannheim.
In welcher Zeit habt Ihr Hans Reffert kennengelernt?
Ich habe Hans Reffert über einen Liedermacher-Wettbewerb Anfang der 1970er Jahre kennengelernt. Er saß dort in der Jury und war von den Inhalten und meinem unorthodoxen Gitarrenspiel so angetan, dass wir bald darauf zusammen bei politischen Veranstaltungen wie „Freiheit für Angela Davis” oder beim Kampf um das selbstverwaltete Jugendzentrum (JUZ) in Mannheim aufgetreten sind. Daraus entwickelte sich eine Kooperation und Freundschaft, die ein Leben lang halten sollte. Christiane lernte Hans während der Dreharbeiten zu ihrem Dokumentarfilm über die Mannheimer Band „Sanfte Liebe“ kennen und schätzen. Das war 1989, später war Christiane selbst als Gitarristin der Mannheimer Frauenband „The Tillies“ unterwegs. Hans hat die Band sehr unterstützt und gefördert.
Ende der 1990er Jahre haben wir dann zu dritt das kleine elektronische weltorchester (ewo2) gegründet. Christiane bediente elektronische Maschinen und spielte E-Gitarre. Hans war mit diversen elektrischen Gitarren zu hören. Mein Part war Performance, Gesang und Gitarre.
Unser erstes Programm HOWDO YOUDO MR. MAJAKOWSKI kam 1999 zum 70. Todestag des russischen Revolutions-Poeten Wladimir Majakowski zu Aufführung. Es war ein Multimedia-Ereignis mit Video-Live-Einspielungen durch Christiane, das im „Lagerhaus” in der Mannheimer Industriestraße uraufgeführt wurde.
Mit ewo2 haben wir in der Folge dann eine Neudefinition politischer Musik versucht, zum Beispiel mit der CD-Reihe avantipopolo, die sowohl Eigen- kompositionen wie Bearbeitungen von historischen Arbeiter-und Widerstandsliedern enthielt. In einem Mikrokosmos, der sich für sowas interessiert, hatten wir auch einigen Erfolg. So wurde die zweite CD der Reihe mit dem „Preis der deutschen Schallplattenkritik” ausgezeichnet.

Hans Refferts letzter Auftritt in Mannheim, 13. Januar 2016. (Foto: Helmut Roos.)
Wie seid Ihr auf die Idee gekommen, einen Dokumentarfilm über Hans zu drehen?
Nach seinem plötzlichen und tragischen Tod wurde an Hans zumeist nur als außergewöhnlichem Rock-, Jazz- oder Bluesmusiker erinnert. Sein experimenteller und politischer Musikansatz fiel meist genauso hinten runter wie seine Film- oder The- atermusiken und die vielen kollektiven Vorhaben wie beispielsweise das Adolf Wölfli-Projekt oder die Vertonung der Todesfuge von Paul Celan. Christiane und ich fanden, dass es Zeit war, Hans in dieser Komplexität, aber auch in seiner Privatheit zu reflektieren. Da Christiane, die als Cutterin beim SWR arbeitet, schon einige Filme gedreht hatte, war es naheliegend das Ganze filmisch anzugehen. Wie mir erst jetzt klar wurde − Christiane wusste das schon vorher −, ein mutiges und kräfteraubendes Unterfangen in so kurzer Zeit.
Auf was dürfen sich die hoffentlich zahlreichen Besucher:- innen am Abend der Uraufführung Eures Filmes freuen?
Es wird im Foyer des Cinema Quadrat ergänzend zum Film eine Ausstellung mit Plakaten, Fotos, Grafiken und Flugblättern aus dem Leben von Hans geben. Zu Beginn der Veranstaltung wird die Tänzerin und Tanz-Choreographin Debbie Marley an ihre Begegnungen und die Zusammenarbeit mit Hans erinnern. Danach freuen wir uns auf Barbara Lahr, die als Sängerin in unterschiedlichen Formationen wie Guru Guru oder Sanfte Liebe zusammen mit Hans auftrat, aber auch mit Hans und mir 1987 bei einer Tour für die „Friedensliste”, die damals zum Bundestag kandidierte, unterwegs war. Nach dem Film gibt es dann noch Musik von Christl Marley, Laurent Leroi und unserer Formation ewo2. Wer Interesse hat, sollte sich baldigst über cinema-quadrat.de eine Karte reservieren. Das Kontingent dürfte schnell vergriffen sein.
* [Die Fragen stellte W. A., die Antworten Bernd Köhlers datieren vom 23.02.2026.]
