Ergeb­nis Tarif­run­de Öffent­li­cher Dienst Länder

Etwas Licht, aber viel Schatten

 

Hel­mut Born

Am frü­hen Mor­gen des 14. Febru­ar 2026 wur­de das Ver­hand­lungs­er­geb­nis in der Tarif­run­de der Län­der nach über drei Tagen Unter­re­dun­gen bekannt gege­ben. Als Ziel die­ser Tarif­run­de galt immer, das Ergeb­nis der Tarif­aus­ein­an­der­set­zung im letz­ten Jahr bei Bund und Kom­mu­nen auch für die Län­der zu erreichen.

Warnstreik an Heidelberger Uniklinik, 25.01.2018. (Foto: Avanti².)

Warn­streik an Hei­del­ber­ger Uni­kli­nik, 25.01.2018. (Foto: Avanti².)

Die­ser Abschluss im letz­ten Jahr wur­de damals von wei­ten Tei­len der Gewerk­schafts-Mit­glied­schaft abge­lehnt. Das aktu­el­le Ver­hand­lungs­er­geb­nis für den Öffent­li­chen Dienst der Bun­des­län­der (mit Aus­nah­me von Hes­sen) ist jedoch bei der Erhö­hung der Löh­ne und Gehäl­ter, vor allem aber bei der Län­ge der Lauf­zeit des Tarif­ver­trags, genau­so schlecht wie im letz­ten Jahr.

Zuerst aber zu den Licht­bli­cken bei dem dies­jäh­ri­gen Ergebnis.

Weni­ge Lichtblicke

Dazu gehö­ren die deut­li­chen Anhe­bun­gen der Schicht­zu­la­gen. Die ein­fa­che Schicht­dienst­zu­la­ge wur­de von 40 auf 100 € und die Wech­sel­schicht­zu­la­ge von 100 auf 200 € bezie­hungs­wei­se in den Kran­ken­häu­sern von 150 auf 250 € erhöht.

Zu den posi­ti­ven Aspek­ten muss auch gezählt wer­den, dass für die Beschäf­tig­ten im Osten nun end­lich der glei­che Kün­di­gungs­schutz wie im Wes­ten erreicht wurde.

Zudem wird die Wochen­ar­beits­zeit in den drei Uni­ver­si­täts-Kli­ni­ken im Osten schritt­wei­se um je 0,5 Stun­den von 40 Stun­den auf die im Wes­ten gül­ti­ge tarif­li­che Arbeits­zeit von 38,5 Stun­den abgesenkt.

Für Aus­zu­bil­den­de wur­de die unbe­fris­te­te Über­nah­me nach der Aus­bil­dung wie­der erreicht.

Da aber ein schlech­ter Lohn­ab­schluss zum Vor­bild genom­men wur­de, kann das Ergeb­nis höchs­tens schön­ge­re­det wer­den. Das wur­de von den gewerk­schaft­li­chen Ver­hand­lungs­füh­rern, ganz gleich ob von ver.di oder dem Beam­ten­bund, auch gemacht.

Warnstreik von ver.di in Mannheim, 12. März 2025. (Foto: Helmut Roos.)

Warn­streik von ver.di in Mann­heim, 12. März 2025. (Foto: Hel­mut Roos.)

Vie­le Schattenseiten

Aber die­ses Schön­re­den kann nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass das Ergeb­nis sehr schwach ist. Auf die Lauf­zeit gerech­net, die mit 27 Mona­ten wie­der viel zu lang ist, wer­den gera­de ein­mal rund zwei Pro­zent Ent­gelt­er­hö­hung erreicht.

So sieht das im Ein­zel­nen aus:
• 2,8 % ab 1. April 2026, das bedeu­tet 4 Mona­te ohne Erhöhung
• 2 % ab 1. März 2027
• 1 % ab 1. Janu­ar 2028.

Zudem ist eine Min­dest­er­hö­hung am 1. April 2026 von 100 € ver­ein­bart wor­den. Azu­bis bekom­men in drei Schrit­ten ins­ge­samt 150 € pro Monat mehr.

Beson­ders pein­lich ist die ein­pro­zen­ti­ge Erhö­hung im Janu­ar 2028, dem letz­ten Monat der Lauf­zeit die­ses Tarif­ver­tra­ges. Dies wird mit Sicher­heit in der nächs­ten Tarif­run­de zu einer Debat­te füh­ren, dass es dann ja schon eine Erhö­hung gibt und es in der Fol­ge nicht mehr viel zu ver­han­deln gäbe.

Gegen­macht stärken

Mit die­sem aktu­el­len Ergeb­nis wird ein­mal mehr deut­lich, dass es mit der Poli­tik der „Sozi­al­part­ner­schaft“ und der Rück­sicht­nah­me auf Regie­rung und Volks­wirt­schaft nicht mög­lich ist, beschlos­se­ne gewerk­schaft­li­che Posi­tio­nen auch durchzusetzen.

Dazu braucht es eine strik­te Ori­en­tie­rung auf die Inter­es­sen der Beschäf­tig­ten und in der Fol­ge eine akti­ve und klas­sen­kämp­fe­ri­sche Gewerkschaftspolitik.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar März 2026
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