Frau­en­un­ter­drü­ckung in der Pandemie*

 

N. B.

Fast ein Jahr ist es her, dass der ers­te „Lock­down“ in Deutsch­land ver­hängt wur­de. Was man­che zu Beginn der Coro­na-Kri­se als eine Ent­schleu­ni­gung wahr­nah­men, bedeu­te­te für vie­le Frau­en eine enor­me Belas­tung, wenn nicht Überlastung.

Gra­fik des Hei­del­ber­ger Bünd­nis­ses zum inter­na­tio­na­len Frau­en­kampf­tag 2021

Weib­li­che Über­las­tung
Sor­ge­ar­beit und Pfle­ge wer­den immer noch über­wie­gend von Frau­en aus­ge­führt. In der Pan­de­mie wird die­se Arbeit sowohl in der bezahl­ten Lohn­ar­beit als auch unbe­zahlt zu Hau­se noch dring­li­cher gebraucht als vorher.

Es sind meis­tens die Frau­en, die im „Lock­down“ neben der Lohn­ar­beit die Kin­der­be­treu­ung zu Hau­se über­neh­men. Sie wer­den zu Leh­re­rin­nen ihrer eige­nen Kin­der. Sie besor­gen und berei­ten die Mahl- zei­ten zu, die vor­her in den Ein­rich­tun­gen bereit­ge­stellt wur­den. Und sie leis­ten die zusätz­li­che Putz­ar­beit, die anfällt, wenn die Kin­der den gan­zen Tag zu Hau­se spie­len, sprin­gen und krümeln.

Von Belas­tung bis Bedrohung
Frau­en sind auch beson­ders häu­fig in pre­kä­ren Ver­hält­nis­sen beschäf­tigt. Mit Blick auf die Zustän­de in Betreu­ung, Pfle­ge und Rei­ni­gung erscheint der gesetz­lich ver­an­ker­te Gesund­heits­schutz im Betrieb wie ein Witz. Wer pre­kär beschäf­tigt ist, wird auch eher in Kurz­ar­beit geschickt oder ver­liert die Arbeits­stel­le. Das pas­siert ins­be­son­de­re dann, wenn Lohn­ar­beit und die Betreu­ung von Kin­dern und Ange­hö­ri­gen unter einen Hut gebracht wer­den müssen.

Mit dem „Lock­down“ wur­den Frau­en noch stär­ker ins Haus gedrängt – für vie­le eine immense Bedro­hung. Das Zuhau­se gehört für Frau­en in Deutsch­land zu den unsi­chers­ten Orten. Gewalt an Frau­en kommt häu­fig aus dem nahen Umfeld.

Ins­be­son­de­re seit Aus­bruch der Coro­na-Pan­de­mie sind die Frau­en­häu­ser über­füllt. Es fehlt an Per­so­nal. Hun­der­te Frau­en muss­ten im ver­gan­ge­nen Jahr abge­wie­sen wer­den – von dem Ort, an dem sie sich Zuflucht erhofft hat­ten. Gleich­zei­tig schei­nen die öffent­li­chen Stim­men weni­ger gewor­den zu sein, die an die Situa­ti­on von Frau­en in gewalt­sa­men Bezie­hun­gen erin­nern. Ist die ver­mehr­te Gewalt an Frau­en zum Nor­mal­zu­stand gewor­den? So wie die Gewalt vor der Pan­de­mie auch schon der Nor­mal­zu­stand war. Weit­ge­hend als bedau­erns­wer­te Tat­sa­che hin­ge­nom­men oder ein­fach ignoriert?

Frau­en­kampf ist Klassenkampf
Die Pan­de­mie führt uns so man­che Miss­stän­de wie­der deut­li­cher vor Augen. Sie ver­schärft die Bedro­hung durch den Klas­sen­kampf von oben und rech­te Bewe­gun­gen. Lasst uns dafür sor­gen, dass wir uns als Gesell­schaft nicht noch wei­ter an Ungleich­heit, Unter­drü­ckung und Aus­beu­tung gewöh­nen! Lasst uns dage­gen wehren!

Was aber bedeu­tet das in der aktu­el­len Situa­ti­on? Der ers­te Schritt muss sein, gemein­sam die Pan­de­mie zurück­zu­drän­gen. Die aktu­el­le halb­her­zi­ge und kapi­taltreue Kri­sen­po­li­tik der Regie­rung führt zu einem Jojo-Effekt im Pan­de­mie­ge­sche­hen und damit auch zu einer stän­di­gen Fort­schrei­bung der Belas­tung und Bedro­hung von Frauen.

Dabei tritt beson­ders deut­lich zuta­ge, wie eng alle gesell­schaft­li­chen Berei­che mit­ein­an­der ver­knüpft sind. Die Pan­de­mie­be­kämp­fung hängt von einem har­ten, aber soli­da­ri­schen Lock­down in allen nicht lebens­not­wen­di­gen Berei­chen ab, wie ihn die Zero­Co­vid-Kam­pa­gne for­dert. Akut und lang­fris­tig wirk­sa­me Pan­de­mie­be­kämp­fung bedeu­tet, um nur eini­ge Bei­spie­le zu nen­nen: vor­über­ge­hen­des Her­un­ter­fah­ren aller Betrie­be, die kei­nen wirk­sa­men Infek­ti­ons­schutz sicher­stel­len, gemein­schaft­li­che Bewäl­ti­gung von Sor­ge­ar­beit, Auf­lö­sung von Sam­mel­un­ter­künf­ten, Aus­bau des gesam­ten Gesund­heits- und Pflegebereichs.

Jetzt zusam­men­schlie­ßen!
Dabei wird deut­lich: Es kann nicht dar­um gehen, zu den Zustän­den vor der Pan­de­mie zurück­zu­keh­ren. Solan­ge das Kapi­tal herrscht, wird es kei­nen ech­ten Gesund­heits­schutz geben, kei­ne ech­te Frau­en­be­frei­ung, kei­ne gemein­schaft­li­che Sor­ge­ar­beit. Wenn die gesell­schaft­li­che Pro­duk­ti­on sich am Men­schen aus­rich­ten soll, müs­sen wir uns als Klas­se erhe­ben und die Pro­duk­ti­on ein­schließ­lich der Sor­ge- und Pfle­ge­ar­beit in unse­re Hän­de nehmen.

Wenn wir die Pan­de­mie in Griff bekom­men und das Ster­ben­las­sen been­den wol­len, müs­sen wir uns jetzt zusam­men­schlie­ßen! Wenn wir uns als Frau­en, als Kin­der und Jugend­li­che, als ras­sis­tisch dis­kri­mi­nier­te Men­schen, als pfle­ge­be­dürf­ti­ge Men­schen befrei­en wol­len, wenn wir uns als arbei­ten­de Klas­se befrei­en wol­len, müs­sen wir uns jetzt zusam­men­schlie­ßen und eine soli­da­ri­sche Front bilden!


*[Leicht gekürz­ter Rede­text für die Kund­ge­bung „Soli­da­risch durch die Kri­se“ am 14.02.2021 in Heidelberg-Emmertsgrund.]

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar März 2021
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