Glei­ten­de Lohn­ska­la und glei­ten­de Ska­la der Arbeitszeit“*

 

Zur Aktua­li­tät der „glei­ten­den Lohnskala“
Eine redak­tio­nel­le Vorbemerkung

Der­zeit erle­ben wir eine in die­ser Höhe seit Jahr­zehn­ten nicht mehr gekann­te Infla­ti­on. Als Infla­ti­on gilt eine fort­ge­setz­te und all­ge­mei­ne Erhö­hung der Ver­brau­cher­prei­se. Infla­ti­on kann als das Ergeb­nis eines Ver­tei­lungs­kon­flikts defi­niert wer­den, bei dem es um die Auf­tei­lung der pro­du­zier­ten Reich­tü­mer geht. Die Kapi­tal­sei­te nutzt sie immer wie­der zur Auf­recht­erhal­tung ihrer Pro­fi­tra­ten aus.

Käthe Kollwitz, Weberzug, Blatt 4 aus dem Zyklus „Ein Weberaufstand“, 1893 - 1897, Strichätzung und Schmirgel. (Privatarchiv.)

Käthe Koll­witz, Weber­zug, Blatt 4 aus dem Zyklus „Ein Weber­auf­stand“, 1893 - 1897, Strich­ät­zung und Schmir­gel. (Pri­vat­ar­chiv.)

Was kön­nen wir dage­gen tun?
Eine inter­es­san­te Ant­wort auf die­se Fra­ge kann der nach­fol­gen­de Aus­zug aus dem „Über­gangs­pro­gramm“ der IV. Inter­na­tio­na­le geben (sie­he hier­zu auch die Theo­rie­bei­la­gen zu Avan­ti², Nr. 75 von Novem­ber 2020 und Nr. 93 von Mai 2022). Er befasst sich mit der Fra­ge der „glei­ten­den Lohnskala“.

Die „glei­ten­de Lohn­ska­la“ wird in die­sem wegen sei­nes metho­di­schen Ansat­zes nach wie vor grund­le­gen­den Text als Kampf­lo­sung gegen die Teue­rung pro­pa­giert und wie folgt erklärt: „Tarif­ver­trä­ge [müs­sen] eine auto­ma­ti­sche Erhö­hung der Löh­ne par­al­lel zu den Preis­stei­ge­run­gen der Ver­brauchs­gü­ter garantieren“.

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Kapi­ta­lis­ti­sche Aus­beu­tung und impe­ria­lis­ti­sche Unter­drü­ckung füh­ren zwar immer wie­der zu Mas­sen­kämp­fen. Spon­tan wer­den dabei in der Regel jedoch nur unmit­tel­ba­re For­de­run­gen for­mu­liert. Zum Bei­spiel die Ver­tei­di­gung oder Erhö­hung der Real­löh­ne oder die Ver­tei­di­gung oder Durch­set­zung gewis­ser demo­kra­ti­scher Rechte.

Die Herr­schen­den sind erfah­ren genug, um die Bri­sanz von gro­ßen außer­par­la­men­ta­ri­schen Bewe­gun­gen zu ver­ste­hen. Des­halb ver­su­chen sie, die­se zu ver­hin­dern und − wenn das nicht gelingt − zu inte­grie­ren oder not­falls zu unter­drü­cken. Mit den Metho­den von „Zucker­brot und Peit­sche“, „Brot und Spie­len“, „Tei­len und Herr­schen“, „Media­ti­on und Kon­sul­ta­ti­on“, „Ruhe und Ord­nung“ und der­glei­chen mehr ist das auch immer wie­der möglich.

Gelingt es dem Kapi­tal, der Staats­macht und den sys­tem­kon­for­men Medi­en aber nicht, sol­che Mas­sen­kämp­fe zu ver­hin­dern oder nie­der­zu­hal­ten, kann die kapi­ta­lis­ti­sche Klas­se – und ihr poli­ti­sches Per­so­nal – Zuge­ständ­nis­se machen. Das wird umso eher gesche­hen, je mehr sie über Instru­men­te ver­fügt, um Kon­zes­sio­nen aus­zu­höh­len oder ganz zurückzunehmen.

So kön­nen etwa Lohn­stei­ge­run­gen sei­tens der Fir­men­lei­tun­gen durch Preis­er­hö­hun­gen von Waren oder durch „Kos­ten­sen­kun­gen“ in der Pro­duk­ti­on zuguns­ten des Pro­fits kom­pen­siert werden. 
Wenn Bewe­gun­gen der arbei­ten­den Klas­se sozia­le Ver­bes­se­run­gen durch­set­zen, kön­nen zum Bei­spiel bestimm­te Steu­ern erhöht wer­den. Letzt­lich zahlt dann doch die gro­ße Mehr­heit für die Zuge­ständ­nis­se des Staates.

Über­gangs­for­de­run­gen
Die­ser Teu­fels­kreis ist nur zu durch­bre­chen, wenn sich Mas­sen­be­we­gun­gen Über­gangs­for­de­run­gen zu eigen machen. Deren Beson­der­heit ist, dass ihre Durch­set­zung das nor­ma­le Funk­tio­nie­ren der kapi­ta­lis­ti­schen Wirt­schaft und des bür­ger­li­chen Staa­tes grund­sätz­lich infra­ge stellt.

Käthe Kollwitz, Ende, Blatt 6 aus dem Zyklus „Ein Weberaufstand“, 1893 - 97, Strichätzung, Aquatinta, Schmirgel und Polierstahl. (Privatarchiv.)

Käthe Koll­witz, Ende, Blatt 6 aus dem Zyklus „Ein Weber­auf­stand“, 1893 - 97, Strich­ät­zung, Aqua­tin­ta, Schmir­gel und Polier­stahl. (Pri­vat­ar­chiv.)

Über­gangs­for­de­run­gen sind so zu for­mu­lie­ren, dass sie für eine gro­ße Öffent­lich­keit ver­ständ­lich sind. Sie müs­sen an aktu­el­len Pro­ble­men und an den jewei­li­gen Bedin­gun­gen anknüp- fen. Nur dann kön­nen sie popu­lär werden.

Ihr Inhalt und die Tie­fe der zu ihrer Durch­set­zung erfor­der­li­chen Klas­sen­aus­ein­an­der­set­zun­gen kön­nen dann zum einen die Logik des kapi­ta­lis­ti­schen Sys­tems im Den­ken und im Han­deln der Kämp­fen­den infra­ge stel­len. Zum ande­ren kön­nen sie die Bil­dung von For­men selbst­or­ga­ni­sier­ter demo­kra­ti­scher Gegen­macht der Mas­sen beför­dern (Komi­tees, Räte …). (Vgl. hier­zu Ernest Man­del, Ein­füh­rung in den Mar­xis­mus, Frank­furt am Main 1979, S. 146 f.).

Um das Klas­sen­be­wusst­sein der abhän­gig Beschäf­tig­ten ent­wi­ckeln zu kön­nen, braucht es also vor allem die Ermög­li­chung von Kampf­erfah­run­gen und eine „Stra­te­gie der Über­gangs­for­de­run­gen“. Letz­te­re wird nur durch eine orga­ni­sier­te poli­ti­sche Ver­bin­dung mit den aktivs­ten und fort­schritt­lichs­ten Sek­to­ren der arbei­ten­den Klas­se ent­wi­ckelt und ver­mit­telt wer­den können.

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Die „glei­ten­de Lohn­ska­la“ ist kei­ne aus Com­pu­ter­spie­len kopier­te ver­rück­te Idee. Es ist aber kaum ver­wun­der­lich, dass ange­sichts der poli­ti­schen und media­len Ver­hält­nis­se hier­zu­lan­de wei­test­ge­hen­de Ahnungs­lo­sig­keit über die­ses hoch­ak­tu­el­le The­ma vor­herrscht. Ver­su­chen wir also mit unse­ren beschei­de­nen Mit­teln, die­sem Miss­stand ein klein wenig abzuhelfen.
Vor allem in Frank­reich (von 1952 bis 1982) und Ita­li­en (von 1975 bis 1992) war die „glei­ten­de Lohn­ska­la“ jahr­zehn­te­lang in unter­schied­li­cher Form Rea­li­tät, – bis sie von jeweils sozi­al­de­mo­kra­tisch geführ­ten Regie­run­gen abge­schafft wurde.

Auch heu­te noch wer­den aller­dings sowohl in Bel­gi­en (seit 1919/20) als auch in Luxem­burg (seit 1921) Löh­ne, Gehäl­ter und sons­ti­ge Bezü­ge wie Ren­ten auto­ma­tisch an die Preis­stei­ge­run­gen ange­passt – sehr zum Ärger der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on, des Inter­na­tio­na­len Wäh­rungs­fonds, der Orga­ni­sa­ti­on für wirt­schaft­li­che Zusam­men­ar­beit und Ent­wick­lung, der Rating­agen­tu­ren und der dor­ti­gen pro­ka­pi­ta­lis­ti­schen Regie­run­gen und ihrer Auftraggeber.

Bel­gi­en
Wenn in Bel­gi­en der „Schwel­len­in­dex“ über­schrit­ten wird, dann ist das ein Beleg dafür, dass die Prei­se gestie­gen sind und das Leben teu­rer gewor­den ist. Auf­grund gesetz­li­cher Bestim­mun­gen müs­sen dann die Ren­ten, die Sozi­all­leis­tun­gen und auch die Beam­ten­ge­häl­ter anstei­gen, denn sie sind an den Index gebun­den. Meist folgt dem eine Anhe­bung der Löh­ne und Gehäl­ter in der Pri­vat­wirt­schaft eine gewis­se Zeit später.

Der „Schwel­len­in­dex“ errech­net sich aus den Preis­stei­ge­run­gen eines fest­ge­leg­ten Waren- und Dienst­leis­tungs­korbs. Er misst die Teue­rungs­ra­te für die Aus­ga­ben der pri­va­ten Haus­hal­te. Über­steigt sie eine bestimm­te Gren­ze, dann steigt auch der Schwellenindex.

Käthe Kollwitz, Sturm, Blatt 5 aus dem Zyklus „Ein Weberaufstand“, 1893 - 97, Strichätzung und Schmirgel. (Privatarchiv.)

Käthe Koll­witz, Sturm, Blatt 5 aus dem Zyklus „Ein Weber­auf­stand“, 1893 - 97, Strich­ät­zung und Schmir­gel. (Pri­vat­ar­chiv.)

Der den Index bestim­men­de Waren­korb beinhal­tet etwa sechs­hun­dert Pro­duk­te und Dienst­leis­tun­gen. Er wird jedes Jahr mit neu­en Waren und Dienst­leis­tun­gen bestückt, die Aus­druck eines ver­än­der­ten Kon­sum­ver­hal­tens sind.

Vor allem die akti­ven bel­gi­schen Gewerk­schaf­ten ver­tei­di­gen die­ses Sys­tem der Kauf­kraf­ter­hal­tung gegen die fort­ge­setz­ten Angrif­fe des Kapi­tals und sei­ner poli­ti­schen Handlager.

Luxem­burg
In Luxem­burg wer­den die Löh­ne und Gehäl­ter auto­ma­tisch ange­passt, sobald die kumu­lier­te Infla­ti­on 2,5 % des Index der Lebens­hal­tungs­kos­ten (Ver­brau­cher­preis­in­dex) erreicht.

Das Natio­na­le Insti­tut für Sta­tis­tik und Wirt­schafts­stu­di­en (Sta­tec) ermit­telt monat­lich die Höhe des Index der Ver­brau­cher­prei­se mit Bezug auf einen fest­ge­leg­ten Basiswert.

Auf die­ser Grund­la­ge kann dann halb­jähr­lich ein „glei­ten­der Durch­schnitts­wert“ für das letz­te hal­be Jahr ermit­telt wer­den. Sobald die­ser Wert eine bestimm­te „Fäl­lig­keits­quo­te“ erreicht oder über­schrei­tet, löst sich im Fol­ge­mo­nat auto­ma­tisch der Mecha­nis­mus der glei­ten­den Lohn- und Gehalts­ska­la aus.

Aller­ding steht es im Fal­le „gro­ßer Schwie­rig­kei­ten“ der Regie­rung frei, den Mecha­nis­mus der „glei­ten­den Lohn­ska­la“ vor- über­ge­hend auszusetzen.

Sowohl in Bel­gi­en als auch in Luxem­burg ersetzt die „glei­ten­de Lohn­ska­la“ nicht das gewerk­schaft­li­che Aus­han­deln und Durch­set­zen von Entgelt-Tarifverträgen.

Jedoch erfor­dert − wie ein­gangs ange­merkt − eine umfas­sen­de „glei­ten­de Lohn­ska­la“ im Sin­ne des „Über­gangs­pro­gramms“ unter ande­rem auch „Tarif­ver­trä­ge [, die] eine auto­ma­ti­sche Erhö­hung der Löh­ne par­al­lel zu den Preis­stei­ge­run­gen der Ver­brauchs­gü­ter garantieren“.

Von gro­ßer Bedeu­tung ist es aber, sich nicht auf die (Noch-)Beschäftigten zu beschrän­ken, son­dern immer die Ein­heit der gesam­ten arbei­ten­den Klas­se im Auge zu behal­ten. Das kann ins­be­son­de­re durch die Ver­knüp­fung mit der Losung der „glei­ten­den Ska­la der Arbeits­zeit“ gesche­hen, die die Inter­es­sen der Erwerbs­lo­sen und der pre­kär Arbei­ten­den mit in den Blick nimmt.
H. N., 30. Mai 2022.


Unter den Bedin­gun­gen des sich zer­set­zen­den Kapi­ta­lis­mus füh­ren die Mas­sen wei­ter das düs­te­re Leben von Unter­drück­ten, die jetzt mehr denn je von der Gefahr bedroht sind, in den Abgrund der Ver­elen­dung gewor­fen zu wer­den. Sie sind gezwun­gen, ihr biß­chen Brot zu ver­tei­di­gen, wenn sie es schon nicht ver­grö­ßern oder ver­bes­sern kön­nen. Es besteht weder die Mög­lich­keit noch die Not­wen­dig­keit, hier all die ver­schie­de­nen Teil­for­de­run­gen auf­zu­zäh­len, die jeweils aus den kon­kre­ten natio­na­len, loka­len oder gewerk­schaft­li­chen Bedin­gun­gen her­vor- gehen. Aber zwei wirt­schaft­li­che Grund­übel, in denen sich die wach­sen­de Sinn­lo­sig­keit des kapi­ta­lis­ti­schen Sys­tems zusam­men­faßt, näm­lich die Erwerbs­lo­sig­keit und die Teue­rung, erfor­dern ver­all­ge­mei­ner­te Losun­gen und Kampfmethoden.

Käthe Kollwitz, Beratung, Blatt 3 aus dem Zyklus „Ein Weberaufstand“, 1893 - 97, Kreidelithographie, Schabeisen und Schabnadel. (Privatarchiv.)

Käthe Koll­witz, Bera­tung, Blatt 3 aus dem Zyklus „Ein Weber­auf­stand“, 1893 - 97, Krei­de­li­tho­gra­phie, Scha­bei­sen und Schab­na­del. (Pri­vat­ar­chiv.)

Die IV. Inter­na­tio­na­le erklärt der Poli­tik der Kapi­ta­lis­ten einen unver­söhn­li­chen Krieg, einer Poli­tik, die zu einem beträcht­li­chen Teil – genau­so wie die Poli­tik ihrer Agen­ten, der Refor­mis­ten – dar­auf abzielt, auf die Arbei­ter­schaft die gan­ze Last des Mili­ta­ris­mus, der Kri­se, der Zer­rüt­tung der Geld­sys­te­me und ande­rer Übel des kapi­ta­lis­ti­schen Nie­der­gangs abzu­wäl­zen. Die IV. Inter­na­tio­na­le for­dert Arbeit und eine wür­di­ge Exis­tenz für alle.

Weder Geld­in­fla­ti­on der Wäh­rung noch Sta­bi­li­sie­rung kön­nen dem Pro­le­ta­ri­at als Losun­gen die­nen, denn das sind nur die zwei Sei­ten ein und der­sel­ben Medail­le. Gegen die Teue­rung, die mit dem Her­an­na­hen des Krie­ges einen immer zügel­lo­se­ren Cha­rak­ter anneh­men wird, kann man nur kämp­fen mit der Losung der glei­ten­den Lohn­ska­la. Das heißt, daß Tarif­ver­trä­ge eine auto­ma­ti­sche Erhö­hung der Löh­ne par­al­lel zu den Preis­stei­ge­run­gen der Ver­brauchs­gü­ter garan­tie­ren müssen.

Will sich das Pro­le­ta­ri­at nicht selbst dem Unter­gang aus­lie­fern, dann darf es nicht dul­den, daß ein wach­sen­der Teil der Arbei­ter­schaft zu chro­nisch erwerbs­lo­sen Armen gemacht wird, der von den Bro­sa­men einer sich zer­set­zen­den Gesell­schaft leben muß. Das Recht auf Arbeit ist das ein­zig ernst­haf­te Recht, das der Arbei­ter in einer auf Aus­beu­tung begrün- deten Gesell­schaft besitzt. Jedoch wird ihm die­ses Recht in jedem Augen­blick genom­men. Es ist an der Zeit, sowohl gegen die „struk­tu­rel­le“ wie die „kon­junk­tu­rel­le“ Erwerbs­lo­sig­keit neben der For­de­rung nach öffent­li­chen Arbei­ten die Losung der glei­ten­den Ska­la der Arbeits­zeit zu pro­pa­gie­ren. Die Gewerk­schaf­ten und ande­re Mas­sen­or­ga­ni­sa­tio­nen müs­sen die­je­ni­gen, die Arbeit haben, und die­je­ni­gen, die kei­ne haben, durch die gegen­sei­ti­ge Ver­pflich­tung zur Soli­da­ri­tät ver­bin­den. Auf die­ser Grund­la­ge muß die ver­füg­ba­re Arbeit unter alle ver­füg­ba­ren Arbeits­kräf­te auf­ge­teilt und so die Dau­er der Arbeits­wo­che bestimmt wer­den. Der Durch­schnitts­lohn jedes Arbei­ters bleibt der glei­che wie bei der bis­he­ri­gen Arbeits­wo­che. Der Lohn, mit einem fest garan­tier­ten Mini­mum, folgt der Bewe­gung der Prei­se. Kein ande­res Pro­gramm ist für die jet­zi­ge Peri­ode der Kata­stro­phen annehmbar.

Die Besit­zen­den und ihre Anwäl­te wer­den die „Unmög­lich­keit“ dar­le­gen, die­se For­de­run­gen zu ver­wirk­li­chen. Die klei­ne­ren Kapi­ta­lis­ten, ins­be­son­de­re die­je­ni­gen, die dem Ruin ent­ge­gen­ge­hen, wer­den außer­dem auf ihre Buch­füh­rung ver­wei­sen. Die Arbei­ter wer­den kate­go­risch sol­che Argu­men­te und Emp­feh­lun­gen zurück­wei­sen. Es han­delt sich nicht um den „nor­ma­len“ Zusam­men­stoß ent­ge­gen­ge­setz­ter mate­ri­el­ler Inter­es­sen. Es geht dar­um, das Pro­le­ta­ri­at vor Ver­fall, Demo­ra­li­sie­rung und Ruin zu bewah­ren. Es geht um Leben und Tod der ein­zig schöp­fe­ri­schen und fort­schritt­li­chen Klas­se und damit um die Zukunft der Mensch­heit selbst. Wenn der Kapi­ta­lis­mus unfä­hig ist, die For­de­run­gen zu befrie­di­gen, die unaus­weich­lich aus den Übeln her­vor­ge­hen, die er selbst erzeugt hat, dann soll er unter­ge­hen! Die „Mög­lich­keit“ oder „Unmög­lich­keit“, die­se For­de­run­gen zu ver­wirk­li­chen, ist hier­bei eine Fra­ge des Kräf­te­ver­hält­nis­ses, die nur durch den Kampf gelöst wer­den kann. Durch die­sen Kampf – was auch immer sei­ne unmit­tel­ba­ren prak­ti­schen Erfol­ge sein mögen – wer­den die Arbei­ter am bes­ten die Not­wen­dig­keit begrei­fen, die kapi­ta­lis­ti­sche Skla­ve­rei zu beseitigen.


* [Aus „Der Todes­kampf des Kapi­ta­lis­mus und die Auf­ga­ben der IV. Inter­na­tio­na­le (Das Über­gangs­pro­gramm)“, in: Wolf­gang Alles (Hg.), Die kom­mu­nis­ti­sche Alter­na­ti­ve, Tex­te der Lin­ken Oppo­si­ti­on und IV. Inter­na­tio­na­le 1932 - 1985, Frank­furt a. M. 1989, S. 66 f.
Wir geben den Text gemäß der dama­li­gen Recht­schrei­bung wieder.]

Aus Theo­rie­bei­la­ge Avan­ti² Rhein-Neckar Juni 2022
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