Hoch­ak­tu­ell: Doku­men­ta­ti­on der 12. Kon­fe­renz „Betriebs­rä­te im Visier“

Impul­se für Betriebs­rats- und Gewerkschaftsarbeit

 

A. N

Im Dezem­ber 2025 erschien die 60-sei­ti­ge Doku­men­ta­ti­on der 12. Kon­fe­renz „Betriebs­rä­te im Visier“. Sie bie­tet für inter­es­sier­te und enga­gier­te Kolleg:innen eine sehr gute Mög­lich­keit, sich mit basis­ori­en­tier­ter Gewerk­schafts­ar­beit und der Vor­be­rei­tung auf die im Früh­jahr die­ses Jah­res anste­hen­den Betriebs­rats­wah­len zu beschäftigen.

Titelseite der Dokumentation der 12. bundesweiten Konferenz gegen BR-Mobbing.

Titel­sei­te der Doku­men­ta­ti­on der 12. bun­des­wei­ten Kon­fe­renz gegen BR-Mobbing.

An der Kon­fe­renz hat­ten Akti­ve aus der betrieb­li­chen Inter­es­sen­ver­tre­tung teil­ge­nom­men, vie­le von ihnen orga­ni­siert in der IG Metall, der IGBCE und ver.di, eini­ge aber auch in der EVG und der GEW. In der Doku­men­ta­ti­on der Kon­fe­renz wird deut­lich, wie sehr das zuneh­mend men­schen­ver­ach­ten­de und gewerk- schafts­feind­li­che Vor­ge­hen vie­ler Unter­neh­men sei­nen Schat­ten auch auf die kom­men­den Betriebs­rats­wah­len vor­aus wirft.

Die­se Ent­wick­lung in den Betrie­ben geht ein­her mit einer gesell­schaft­li­chen und poli­ti­schen Ent­wick­lung zu auto­ri­tä­ren Herr­schafts­for­men und Angrif­fen auf erkämpf­te Grund- und Men­schen­rech­te. Umso wich­ti­ger ist eine bewuss­te und gut orga­ni­sier­te Gegen­wehr in den Betrie­ben und dar­über hinaus.

Faschis­ti­sches Arbeits­un­recht beenden
In die­sem Kon­text wird in der Doku­men­ta­ti­on erneut auf das Fort­wir­ken des faschis­ti­schen Arbeits­un­rechts ein­ge­gan­gen, das sich ins­be­son­de­re in Ver­dachts­kün­di­gun­gen aus­drückt. Von zahl­rei­chen Fir­men und deren juris­ti­scher Hel­fers­hel­fer wer­den sie als Instru­ment ver­wen­det, um die Arbeit akti­ver und klas­sen­be­wuss­ter Betriebs­rats­mit­glie­der und Gewerk­schaf­ter: innen zu bekämpfen.

Bei einer Ver­dachts­kün­di­gung muss das ange­klag­te Mob­bing-Opfer vor Gericht sei­ne Unschuld gegen­über dem Unter­neh­men bewei­sen, was unter ande­rem bei Vor­wür­fen eines „Fehl­ver­hal­tens“ häu­fig schwer zu bele­gen ist. Das Instru­ment der Ver­dachts­kün­di­gung ist das ein­zi­ge in der deut­schen Jus­tiz, das dem Prin­zip „im Zwei­fel für den Ange­klag­ten“ widerspricht.

Die Kon­fe­renz sprach sich daher auch die­ses Jahr wie­der dafür aus, die Kam­pa­gne „‚Nie wie­der ist jetzt!‘ − Fort­wir­ken des faschis­ti­schen Arbeits­un­rechts been­den!“ wei­ter zu unter­stüt­zen (Online Kam­pa­gne bei cam­pact).

Beleg­schaf­ten organisieren
In der Doku­men­ta­ti­on sind drei Gruß­wor­te ver­öf­fent­licht, die sich an die Kon­fe­renz rich­te­ten: Kai Bur­meis­ter für den DGB Baden-Würt­tem­berg, Jan­na Köke für die IG Metall Mann­heim und Nad­ja Kür­ten für ver.di Rhein-Neckar.

Die Geschich­te einer star­ken Inter­es­sen­ver­tre­tung erzähl­ten Betriebs­rä­te, Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung und IGBCE-Ver- trau­ens­leu­te des Betriebs nora sys­tems. In den letz­ten Jah­ren konn­ten sie den Betriebs­rat neu auf­bau­en. Sei­ne Mit­glie­der sind gewerk­schaft­lich enga­giert und stel­len sich klar auf die Sei­te der Beschäf­tig­ten. Sie strei­ten mit ihnen gemein­sam für die Beleg­schafts­in­ter­es­sen und leh­nen dabei gän­gi­ge „Betriebs­rats-Pri­vi­le­gi­en“ ab. Ihr Erfolgs­re­zept: Ein har­ter Kern, der sei­ner Arbeit eine kla­re Struk­tur gege­ben hat, mit der er die Ver­hält­nis­se im Betrieb ana­ly­siert und die Beleg­schaft orga­ni­siert und aktiviert.

Wie die Inter­es­sen­ver­tre­tung bei nora sys­tems hat auch die IG Metall gro­ße Zie­le für die kom­men­den Betriebs­rats­wah­len, die Wolf­gang Thur­ner von der Anlauf­stel­le gegen Uni­on-Bus­ting beim IG Metall-Vor­stand vor­stell­te. Mit ihrer Kam­pa­gne „Team IG Metall stark machen“ wol­len sie die Gewerk­schafts-Akti­ven in den Betrie­ben so unter­stüt­zen, dass sie eine Wahl­be­tei­li­gung von über 70 % schaf­fen und letzt­lich in allen Betriebs­rats­gre­mi­en die Mehr­heit stellen.

Gegen­macht im Tech-Kapitalismus
In der Doku­men­ta­ti­on des letz­ten Bei­trags der Kon­fe­renz wird eine beson­de­re Her­aus­for­de­rung behan­delt. In sei­nem Vor­trag „Gegen­macht gegen Über­macht?“ stell­te Alex­an­der Mohr­lang die Gewerk­schafts- und Betriebs­rats­ar­beit in Zei­ten des rechts­au­tori­tä­ren Tech-Kapi­ta­lis­mus dar. Für die erfolg­rei­che Orga­ni­sie­rung gab er drei Impulse:

1. Der Fokus auf Wett­be­werbs­fä­hig­keit führt in die Sackgasse.
2. Gewerk­schafts­po­li­tik muss stär­ker vom Men­schen aus gedacht werden.
3. Durch­set­zungs­fä­hig­keit und Macht­res­sour­cen sind mit Orga­ni­zing-Metho­den auszubauen.

Klingt span­nend? Dann soll­te es sich loh­nen, die gesam­te Doku­men­ta­ti­on zu lesen. Denn die­se führt das hier Genann­te wei­ter aus und gibt vie­le zusätz­li­che wich­ti­ge Impul­se für die Betriebs­rats- und Gewerk­schafts­ar­beit in die­sen rau­en Zeiten.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Janu­ar 2026
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