ICL/Giulini

Ein Jahr Pro­tes­te gegen Zer­schla­gung

Am 28. April 2014, fast genau vor einem Jahr, hat die Beleg­schaft von ICL/Giulini ihre Pro­test­ak­tio­nen gegen die Zer­schla­gung der Stand­or­te Lud­wigs­ha­fen und Laden­burg begon­nen.

F.K.

Einen Monat vor­her hat­te das Manage­ment die Ver­la­ge­rung des „Shared Ser­vice Cen­ters“ nach Ams­ter­dam und die Über­prü­fung des Werks in Lud­wigs­ha­fen ange­kün­digt.
Der Kon­zern­um­bau unter dem Schlag­wort „ONE ICL“ hat­te die ICL-Kol­le­gIn­nen im Rhein-Neckar-Raum damit erst­mals spür­bar getrof­fen.
Nach der Beleg­schafts­ver­samm­lung am 5. Mai 2014 mit Kon­zern­boss Ste­fan Bor­gas war klar, dass zudem die Zer­schla­gung des Wer­kes in Lud­wigs­ha­fen droh­te.
Seit­dem füh­ren Betriebs­rat und Beleg­schaft regel­mä­ßig alle zwei Wochen in Laden­burg und Lud­wigs­ha­fen aus Pro­test Tor­ak­tio­nen – „akti­ve Mit­tags­pau­sen“ – durch. Inzwi­schen sind es 46 an der Zahl.

Auch jetzt noch kom­men an bei­den Stand­or­ten 100 bis 150 Kol­le­gIn­nen vor die Werks­to­re, um gegen die aktu­el­le Kon­zern­po­li­tik und für die Zukunfts­si­che­rung zu demons­trie­ren.
Die­se hart­nä­cki­gen Aktio­nen sind für die Geschäfts­füh­rung ein gro­ßes Ärger­nis:
- Sie stö­ren die ICL-Umbau­stra­te­gie, weil sie deut­lich machen, dass die ICL-Inter­es­sen nicht die Inter­es­sen der Beleg­schaft sind.
- Sie erin­nern per­ma­nent dar­an, dass Betriebs­rat und Beleg­schaft Zusa­gen und Rege­lun­gen für die Absi­che­rung ihrer Arbeits­plät­ze wol­len.

Am 27. April 2015 – also zum Jah­res­tag der Pro­tes­te – fand in Lud­wigs­ha­fen eine wei­te­re Tor­ak­ti­on statt, an der sich auch eine Dele­ga­ti­on des IG Metall-Ver­trau­ens- kör­pers von Als­tom Mann­heim soli­da­risch betei­lig­te. Der ICL-Betriebs­rats­vor­sit­zen­de Georg Selin­ger beton­te bei die­ser Gele­gen­heit unter dem Bei­fall der anwe­sen­den Kol­le­gIn­nen:
„Es gibt mitt­ler­wei­le Abtei­lun­gen, in denen zwar Per­so­nal und Erfah­rung ver­lo­ren gegan­gen sind, aber offen­sicht­lich kurz­fris­tig kein Per­so­nal­er­satz vor­ge­se­hen ist.
Dies kön­nen und wol­len wir nicht akzep­tie­ren. Wenn dem Kon­zern die Beschäf­tig­ten so wich­tig sind, wie er behaup­tet, dann muss in die­sen Abtei­lun­gen sofort neu­es Per­so­nal ein­ge­stellt wer­den.“

In sei­ner „Oster­bot­schaft“ hat­te Kon­zern­chef Bor­gas eine Ver­schär­fung der Pro­fit­ma­xi­mie­rung und der kon­zern­in­ter­nen Stand­ort­kon­kur­renz ange­kün­digt. Sei­ne Vor­ga­be: maxi­ma­le „Effi­zi­enz­stei­ge­rung“ jedes ein­zel­nen Betriebs nicht zuletzt durch die „Redu­zie­rung der Per­so­nal­kos­ten“.
Wie der Kol­le­ge Selin­ger berich­te­te, gehen die Streiks bei ICL in Isra­el, dem Kon­zern­sitz, unter­des­sen unver­min­dert wei­ter. Die dort geplan­ten Ent­las­sun­gen wur­den offen­sicht­lich vom zustän­di­gen Gericht unter­sagt und zur erneu­ten Prü­fung an eine nied­ri­ge­re Instanz ver­wie­sen.

Der Betriebs­rat von ICL Lud­wigs­ha­fen und Laden­burg for­dert mit Unter­stüt­zung der Beleg­schaft nach wie vor:
- Die Absi­che­rung aller Arbeits­plät­ze.
- Die Bei­be­hal­tung des Che­mie­ta­rifs.
- Die Fort­füh­rung der betrieb­li­chen Rege­lun­gen.
- Kei­ne Aus­glie­de­rung, kein „Out­sour­cing“ ein­zel­ner Berei­che.
„Solan­ge es dies alles nicht gibt“, so Georg Selin­ger in sei­ner Anspra­che an die Kol­le­gIn­nen, „bleibt uns nichts ande­res übrig, als hier wei­ter­hin für unse­re Inter­es­sen und unse­re Zukunft ein­zu­tre­ten …
Dafür ste­hen wir hier, dafür set­zen wir uns mit unse­rer Soli­da­ri­tät und unse­ren Aktio­nen ein.
Wir haben sicher nicht alles erreicht, was wir woll­ten, aber wir haben mehr erreicht als nichts.
Unse­re Bot­schaf­ten blei­ben:
Ihr kriegt Ruhe, wenn wir wie­der wel­che haben.
Wer kämpft kann ver­lie­ren, wer nicht kämpft hat schon ver­lo­ren.“

aus der Rhein-Neckar Bei­la­ge zur Avan­ti 233, Mai 2015
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