Inten­si­ver ISO-Infoabend

‚Iran-Krieg‘ – wie die Brand­stif­ter stoppen?“

 

R. N.

Am 27. März 2026 kam bei unse­rem ISO-Info­abend eine klei­ne zwei­stel­li­ge Zahl von Akti­ven und Inter­es­sier­ten zusam­men, um sich mit dem impe­ria­lis­ti­schen Kriegs­trei­ben im Nahen Osten zu beschäftigen.

DGB-Demo in Mannheim, 1. Mai 2025. (Foto: Helmut Roos.)

DGB-Demo in Mann­heim, 1. Mai 2025. (Foto: Hel­mut Roos.)

Die Ver­an­stal­tung bau­te auf drei kur­zen Impuls­re­fe­ra­ten und einer anschlie­ßen­den Dis­kus­si­on auf. Unser ers­ter Refe­rent frag­te nach dem Cha­rak­ter die­ses inter­na­tio­na­len Kriegsgeschehens.

Wem nützt der Angriffskrieg?
Ver­ba­le und auch tat­säch­li­che mili­tä­ri­sche Aggres­sio­nen sind in der Regi­on nichts Neu­es. Doch wie­so grei­fen die USA und Isra­el den Iran (und den Liba­non) gera­de jetzt so mas­siv an? Dafür gibt es sowohl geo­po­li­ti­sche als auch öko­no­mi­sche Fak­to­ren. Isra­el geht es ins­be­son­de­re dar­um, die „Ach­se des Wider­stands“ (Iran, Hamas, His­bol­lah, Hut­hi …) zu schwä­chen und das Pro­jekt „Eretz Isra­el“ (Groß­is­ra­el) umzusetzen.

Für die USA und Isra­el trägt der Krieg dazu bei, die Pro­fi­te für die Kriegs­in­dus­trie zu stei­gern, wobei in den USA auch Digi­tal- und Ener­gie­kon­zer­ne mas­siv von dem Über­fall pro­fi­tie­ren. Geo­po­li­tisch haben die USA ins­be­son­de­re ein Inter­es­se an der Schwä­chung Chinas.

Exis­tenz­be­dro­hen­de Folgen
Neben der direk­ten Ver­nich­tung und Ver­let­zung von Men­schen­le­ben durch die mili­tä­ri­schen Angrif­fe bedroht auch die Ver­gif­tung und Zer­stö­rung der Natur die Exis­tenz der Men­schen, ins­be­son­de­re durch Atta­cken auf Atom­an­la­gen. Auch die Was­ser­knapp­heit in der gesam­ten Regi­on wird durch den Krieg mas­siv ver­schärft. Glo­ba­le Mili­ta­ri­sie­rung, beschleu­nig­ter Rechts­ruck und wei­te­re Infla­ti­on sind welt­wei­te Folgen.

Haupt­ver­lie­rer des Krie­ges im Iran sind die unters­ten Klas­sen der ira­ni­schen Bevöl­ke­rung, die von der zuneh­men­den Knapp­heit an Strom, Was­ser und Öl beson­ders betrof­fen sind.

Die lin­ke Oppo­si­ti­on im Land
Bei aller Grau­sam­keit des Krie­ges sah unser zwei­ter Refe­rent jedoch auch die Mög­lich­keit, dass der Kon­flikt den Wider­stand der ira­ni­schen Bevöl­ke­rung gegen das Regime stär­ken könn­te. Der Krieg habe die Illu­si­on genom­men, dass eine Befrei­ung von außen kom­men oder ein Wech­sel der Füh­rungs­rie­gen für spür­ba­re Bes­se­run­gen im Land sor­gen könnte.

Gleich­zei­tig hat man es jedoch sei­ner Ein­schät­zung zufol­ge mit einer neu­en Gene­ra­ti­on von Herr­schen­den im Iran zu tun. Die­se ist offen für die Zusam­men­ar­beit mit west­li­chen Staa­ten. Ihre repres­si­ve Auto­ri­tät nach innen gegen poli­ti­sche Gegner:innen führt sie der­weil unver­min­dert fort. In die­ser poli­ti­schen Gemenge­la­ge habe die lin­ke Oppo­si­ti­on als ein­zi­ge ihre Glaub­haf­tig­keit bewahrt durch ihre kon­se­quen­te Ableh­nung der impe­ria­lis­ti­schen Mäch­te USA und Isra­el sowie des ira­ni­schen Regimes.

Und das Leben hier?
Auch in Deutsch­land wird der Krieg der­weil für Preis­trei­be­rei bei Öl, Gas und Kraft­stof­fen genutzt, so ein Fazit des drit­ten Inputs. Wei­te­re Preis­stei­ge­run­gen bei Strom und Lebens­mit­teln (unter ande­rem durch kriegs­be­ding­te Ver­knap­pung von Kunst­dün­ger) haben gera­de erst begonnen.

Mit wem, gegen wen?
Im Anschluss wur­de neben vie­len ande­ren Aspek­ten die Fra­ge um die inner­i­ra­ni­sche Oppo­si­ti­on kon­tro­vers dis­ku­tiert. Soll­te man den Kampf gegen die „Revo­lu­ti­ons­gar­den“ vor­über­ge­hend aus­set­zen, da sie die ein­zi­gen sei­en, die den Zer­fall des ira­ni­schen Staa­tes ver­hin­dern könn­ten? Für unse­ren zwei­ten Refe­ren­ten ein undenk­ba­rer Ansatz: „Die Revo­lu­ti­ons­gar­den haben mei­ne Genos­sen getö­tet und über Jahr­zehn­te hin­weg Pro­tes­te bru­tal zerschlagen.“

Auch ande­re unter­stütz­ten sei­ne Posi­ti­on: Vom Stand­punkt des ira­ni­schen Pro­le­ta­ri­ats aus betrach­tet, tra­gen die Revo­lu­ti­ons­gar­den eben­so zu des­sen Elend bei wie die impe­ria­lis­ti­schen Kriegs­trei­ber. Die For­de­rung nach dem Ende des Krie­ges und sofor­ti­gen Frie­dens­ver­hand­lun­gen müs­sen daher ein­her­ge­hen mit dem Kampf für demo­kra­ti­sche und sozia­le Rech­te von innen gegen das Unterdrückungsregime.

Nach dem alten Leit­satz der Arbei­ter­be­we­gung „Die Inter­na­tio­na­le erkämpft das Men­schen­recht!“ gilt es hier­zu­lan­de, die Oster­mär­sche am 4. April und den nächs­ten Schul­streik gegen die „Wehr­pflicht“ am 8. Mai zu unter­stüt­zen. Sich gegen die Mili­ta­ri­sie­rung zu weh­ren, heißt gleich­zei­tig, sich dem Sozi­al­ab­bau zu wider­set­zen. In einer glo­bal zusam­men­hän­gen­den Welt haben wir also auch (ver­meint­lich) weit weg vom Kriegs­ge­sche­hen die Mög­lich­keit, uns zu weh­ren und soli­da­risch mit allen zu sein, die von dem impe­ria­lis­ti­schen Krieg betrof­fen sind.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar April 2026
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