Inter­na­tio­nal gegen Ras­sis­mus

 

N. B.

Etwa 60 Genoss*innen der IV. Inter­na­tio­na­le aus der gan­zen Welt dis­ku­tier­ten in einem Online-Semi­nar des Inter­na­tio­na­len For­schungs- und Bil­dungs­in­sti­tuts (IIRE – Inter­na­tio­nal Insti­tut for Rese­arch and Edu­ca­ti­on) vom 18.-21. Juli 2020 das The­ma Ras­sis­mus in sei­nem Zusam­men­hang mit dem Kapi­ta­lis­mus sowie Stra­te­gien des anti­ras­sis­ti­schen sozia­lis­ti­schen Kamp­fes.

In den theo­re­ti­schen Bei­trä­gen und per­sön­li­chen Erfah­run­gen der Genoss*innen wur­de deut­lich, wie eng Ras­sis­mus und Kapi­ta­lis­mus zusam­men­hän­gen.

Ras­sis­mus im glo­ba­len Kapi­ta­lis­mus
Die­se bru­ta­le Ver­bin­dung geht bis auf die Ent­ste­hung des Kapi­ta­lis­mus zurück, als Men­schen ver­sklavt und im glo­ba­len Han­del gegen unter­schied­li­che Pro­duk­te ein­ge­tauscht wur­den. Die­se Ver­ding­li­chung von Men­schen sowie die Ver­drän­gung und Aus­rot­tung der indi­ge­nen Bevöl­ke­rung ermög­lich­te als Teil­aspekt der „ursprüng­li­chen Akku­mu­la­ti­on“ den Über­gang vom Feu­da­lis­mus zum Kapi­ta­lis­mus.

Demo gegen die rassistischen Ermordungen von Adama Traore und Georges Floyd, Paris am 2. Juni 2020 (Foto: Copyright Photothèque Rouge /Martin Noda / Hans Lucas)

Demo gegen die ras­sis­ti­schen Ermor­dun­gen von Ada­ma Trao­re und Geor­ges Floyd, Paris am 2. Juni 2020 (Foto: Copy­right Pho­to­t­hè­que Rouge /Martin Noda / Hans Lucas)

Kolo­nia­lis­mus und Impe­ria­lis­mus setz­ten den Kapi­ta­lis­mus letzt­lich in der gan­zen Welt durch. Erst zur Legi­ti­mie­rung die­ser Poli­tik wur­de der „wis­sen­schaft­li­che“ Ras­sis­mus ent­wi­ckelt, der eine bio­lo­gi­sche Unter­le­gen­heit Schwar­zer und ande­rer indi­ge­ner Men­schen zu erklä­ren vor­gab.

Heu­te ent­fer­nen sich Rassist*innen meist von solch bio­lo­gis­ti­schen Argu­men­ten und bewe­gen sich hin zu einem Eth­no­zen­tris­mus. Er zielt auf die Ein­heit der ver­meint­lich über­le­ge­nen abend­län­di­schen Kul­tur und for­dert daher „undurch­läs­si­ge“ natio­na­le Gren­zen zu ihrem „Schutz“.

Nach­dem der Ras­sis­mus dem Kapi­ta­lis­mus eine nütz­li­che Ideo­lo­gie zu sei­ner welt­wei­ten Durch­set­zung gelie­fert hat­te, funk­tio­niert er heu­te als will­kom­me­nes Hin­der­nis bei der Bil­dung von Klas­sen­be­wusst­sein, indem er die arbei­ten­den Klas­sen in sich spal­tet.

Ähn­lich wirkt auch die Unter­drü­ckung der Frau, die zudem „ras­si­fi­zier­te“ – d. h. mit ras­sis­ti­schen Zuord­nun­gen dis­kri­mi­nier­te – Arbei­te­rin­nen in eine beson­ders pre­kä­re und gefähr­li­che Lage bringt. Genos­sin­nen berich­te­ten von töd­li­chen ille­ga­len Abtrei­bun­gen, Zwangs­ste­ri­li­sie­run­gen indi­ge­ner Frau­en und poli­tisch moti­vier­ten Ver­ge­wal­ti­gun­gen.

Dabei müss­te der Ras­sis­mus der Herr­schen­den uns eigent­lich als War­nung davor die­nen, in wel­cher Bru­ta­li­tät sie in der Lage sind, Arbeiter*innen aus­zu­beu­ten – zunächst nur einen Teil, mit der Zeit die gan­ze Klas­se.

Anti­ras­sis­ti­sche Kämp­fe
Aus dem engen Zusam­men­hang von Ras­sis­mus und Kapi­ta­lis­mus ergibt sich, dass anti­ras­sis­ti­sche Kämp­fe gleich­zei­tig anti­ka­pi­ta­lis­ti­sche Klas­sen­kämp­fe sind und Klas­sen­kämp­fe immer auch anti­ras­sis­tisch geführt wer­den müs­sen.

Die Black Lives Mat­ter-Bewe­gung in den USA und die erst­ma­li­ge brei­te Betei­li­gung wei­ßer Arbeiter*innen dar­an wur­den als Aus­druck des­sen gedeu­tet, dass die unter­schied­lich ras­si­fi­zier­ten Arbeiter*innen zuneh­mend erken­nen, dass sie im Grun­de unter dem glei­chen Sys­tem lei­den – wenn auch in unter­schied­li­chem Aus­maß – und das gemein­sa­me Inter­es­se tei­len, ihre Unter­drü­ckung und Aus­beu­tung zu über­win­den. Ver­bin­den­de Ele­men­te fin­den sich neben der Sphä­re der (Lohn-) Arbeit auch in ande­ren Lebens­be­rei­chen wie dem Zugang zu gutem Wohn­raum, Trans­port, Nah­rung und Gesund­heit.

Am Ende des Semi­nars stand fest, dass die­ses nur ein Neu­an­fang in der anti­ras­sis­ti­schen Arbeit der IV. Inter­na­tio­na­le sein konn­te. Sowohl die Dis­kus­si­on um die Ent­ste­hung und Wirk­wei­se von Ras­sis­mus als auch die Unter­su­chung und Ent­wick­lung anti­ras­sis­ti­scher, sozia­lis­ti­scher Kämp­fe müs­sen ver­tieft und aus­ge­baut wer­den.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Sep­tem­ber 2020
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