Krieg gegen den Iran

Für Frie­den kämp­fen heißt, psy­cho­lo­gi­sche Kriegs­füh­rung entlarven

 

M. K.

Wenn Krieg erklärt wird, ist die Wahr­heit das ers­te Opfer.“ („When war is declared, truth is the first casu­al­ty.“) Bereits 1928 − also vor fast 100 Jah­ren − for­mu­lier­te der bri­ti­sche Poli­ti­ker Sir Arthur Pon­son­by die­sen Satz. Er trifft auf den völ­ker­rechts­wid­ri­gen Angriff Isra­els und der USA auf den Iran nicht zu.

Banksy-Grafitti „Westbank“ in Mannheim, 12. Februar 2026. (Foto: R. S.)

Bank­sy-Gra­fit­ti „West­bank“ in Mann­heim, 12. Febru­ar 2026. (Foto: R. S.)

Denn die­ser Angriff wur­de von bei­den Län­dern seit Jahr­zehn­ten durch sys­te­ma­ti­sche Kriegs­rhe­to­rik vor­be­rei­tet. Dazu wur­den hart­nä­ckig und in höchs­ten Auf­la­gen Din­ge behaup­tet, die − zurück­hal­tend for­mu­liert − unter Expert:-innen als wenig belast­bar gelten.

Mani­pu­la­ti­ve Kriegsrhetorik
Die gigan­ti­sche Pro­pa­gan­da­schlacht hat­te und hat ein ganz kon­kre­tes Ziel: Die Bevöl­ke­rung im eige­nen sowie in den ver­bün­de­ten Län­dern soll glau­ben: Die­ser Krieg ist unbe­dingt not­wen­dig. Er geschieht rein prä­ven­tiv, um Schlim­me­res zu ver­hin­dern. Und er ist mora­lisch gerechtfertigt.

Die Men­ge der Ver­harm­lo­sun­gen, Ver­dre­hun­gen, Ver­fäl­schun­gen, und der glat­ten Lügen ist kaum noch zu über­bli­cken. Es beginnt mit dem, womit die Aggres­so­ren ihren völ­ker­rechts­wid­ri­gen Angriff begrün­den: Ein ato­ma­rer Angriff des „Mul- lah-Regimes“ ste­he unmit­tel­bar bevor, „die Mul­lahs“ bräuch­ten nur noch „eine Woche“ bis zur ein­satz­fä­hi­gen Atombombe.

Die Inter­na­tio­na­le Atom­ener­gie­be­hör­de (IAEA) hat aber immer wie­der − auch kurz vor Beginn des Angriffs­krie­ges − dar­auf hin­ge­wie­sen, dass der Iran kei­ne Atom­bom­be besitzt und dass auch kein akti­ves Waf­fen­pro­gramm nach­weis­bar ist. Auch Trump selbst hat­te nach dem Angriff vom Juni 2025 ver­kün­det, das Atom­pro­gramm der Ira­ner sei ver­nich­tet wor­den. Was übri­gens in hie­si­gen Medi­en nur am Ran­de, wenn über­haupt, berich­tet wur­de: Bereits in die­sem ille­ga­len „12-Tage-Krieg“ gab es im Iran (je nach Quel­le) 600-1.200 Todes­op­fer und 4.000-6.000 Verletzte.

Angriff auf Mädchenschule
Der grau­en­haf­te Bom­ben­an­griff auf die Mäd­chen­schu­le im Süd­iran belegt nicht nur die Bru­ta­li­tät der Kriegs­füh­rung, son­dern auch die Skru­pel­lo­sig­keit der Kriegs­rhe­to­rik. 168 Kin­der im Grund­schul­al­ter, 26 Leh­re­rin­nen und 4 Eltern­tei­le wur­den getö­tet − durch einen US Toma­hawk Marsch­flug­kör­per, wie ihn nur die USA besit­zen, abge­schos­sen vom US-Flug­zeug­trä­ger Abra- ham Lincoln.

Auch nach­dem dies durch mili­tä­ri­sche Unter­su­chun­gen und öffent­lich ver­füg­ba­re Daten belegt und bekannt war, empör­ten sich Trump und sein Kriegs­mi­nis­ter Hegs­eth in einem gemein­sa­men Inter­view: „Das waren nicht wir. Das war der Iran, des­sen Rake­ten sind so unge­nau. Der Iran bom­bar­diert Zivi­lis­ten, nicht wir. Der Iran will uns das in die Schu­he schieben.“

Die­ses Inter­view ist ein Lehr­buch-Bei­spiel der soge­nann­ten DAR­VO-Tech­nik, einer Mani­pu­la­ti­ons­tech­nik, die aus drei Schrit­ten besteht: 1. Leug­nen (D wie Deny) 2. Selbst angrei­fen (A wie Attack) 3. Täter-Opfer-Umkehr (RVO wie Rever­se Vic­tim and Offender).

Die­se Täter­tak­tik ist typisch für miss­bräuch­li­che Bezie­hun­gen und insti­tu­tio­nel­len Macht­miss­brauch. In Deutsch­land ken­nen wir sie bei­spiels­wei­se durch das empi­risch beleg­te Mus­ter, dass Men­schen, die Poli­zei­ge­walt zur Anzei­ge brin­gen, umge­hend selbst wegen „Wider­stand gegen Voll­stre­ckungs­be­am­te“ ange­zeigt werden.

Unver­dros­sen: Krieg dem Krieg!
Um die deut­sche Anti­kriegs­be­we­gung, die noch durch Ohn­machts­ge­füh­le gebremst scheint, zu stär­ken, kann eine beharr­li­che Ent­lar­vung psy­cho­lo­gi­scher Kriegs­füh­rung viel bei­tra­gen. Auch hier ist es vor allem das gemein­sa­me und viel­fäl­ti­ge Enga­ge­ment, das dazu hilft, nicht in hilf­lo­ser Empö­rung zu ver­har­ren, son­dern ein wirk- sames Han­deln zuwe­ge zu bringen.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar April 2026
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