Nein zur „Kriegs­tüch­tig­keit“!

Nein zur „Wehr­pflicht“!

 

H. S.

Mit 100 Mil­li­ar­den € für Auf­rüs­tung läu­te­te die Regie­rung Scholz die „Zei­ten­wen­de“ ein. Die Regie­rung Merz toppt die­se Zahl mas­siv. Zukünf­tig sol­len statt zwei Pro­zent fünf Pro­zent des Brut­to­in­lands­pro­duk­tes in die Rüs­tung flie­ßen. Das wären dann etwa 45 Pro­zent des Bundeshaushalts.

Demo gegen den Gaza-Krieg in Heidelberg, 5. Juli 2025. (Foto: Privat.)

Demo gegen den Gaza-Krieg in Hei­del­berg, 5. Juli 2025. (Foto: Privat.)

Auf­rüs­tung und Mili­ta­ri­sie­rung der Gesell­schaft, um „kriegs­tüch­tig“ zu wer­den, sind zum wich­tigs­ten Ziel der Regie­rung gewor­den. Sie stützt sich auf die Behaup­tung, Russ- land ste­he kurz davor, die NATO anzu­grei­fen. Die­se Erzäh­lung kann sich auf kei­ne belast­ba­ren Fak­ten stüt­zen. Sie soll die Angst vor einem rus­si­schen Angriff schüren.

Das Putin-Regime begann mit dem ver­bre­che­ri­schen Über­fall auf die Ukrai­ne einen jetzt schon mehr als vier Jah­re andau­ern­den Krieg. Das ist Fakt. Fakt ist aber auch, dass Russ­land da- mit mili­tä­risch und wirt­schaft­lich über­for­dert ist.

Die NATO ist Russ­land in jeder rele­van­ten mili­tä­ri­schen Kate­go­rie weit über­le­gen. Vor die­sem Hin­ter­grund wäre ein Angriff auf die NATO selbst­mör­de­risch. Trotz­dem wird die Behaup­tung eines bevor­ste­hen­den Angriffs und der des­halb „not­wen­di­gen Kriegs­tüch­tig­keit“ stän­dig wie­der­holt. Dadurch soll die bei­spiel­lo­se Auf­rüs­tung als „alter­na­tiv­los“ gelten.

Der Über­fall des Putin-Regimes auf die Ukrai­ne wird benutzt, um den deut­schen Kapi­ta­lis­mus neben sei­ner wirt­schaft­li­chen Vor­macht­stel­lung auch zur stärks­ten Mili­tär­macht in der EU aus­zu­bau­en. Bei Daseins­vor­sor­ge, Gesund­heit, Bil­dung, Kul­tur sowie dem Kli­ma- und Umwelt­schutz will die Regie­rung aus CDU/CSU und SPD dafür mas­siv kür­zen. Dies trifft vor allem Arme, Frau­en, Geflüch­te­te, Jugend­li­che, Kin­der, Kran­ke und Rentner:innen. Unse­re natür­li­che Lebens­grund­la­ge wird wei­ter zer­stört und die Kriegs­ge­fahr erhöht.

Wenn Pan­zer schnel­ler finan­ziert wer­den als Kran­ken­häu­ser, wenn Rake­ten­pro­gram­me Vor­rang vor intak­ten Schu­len haben – dann ist das Irr­sinn. Wir dür­fen die­sem Irr­sinn nicht mehr län­ger hin­neh­men und dabei zuschau­en, wie er sich immer wei­ter ausbreitet.

Kon­se­quent gegen Kriegsdienst

Um die Bun­des­wehr zur stärks­ten Armee Euro­pas aus­zu­bau­en braucht es vor allem Per­so­nal. Der­zeit gibt es rund 183.000 Soldat:innen. Ziel sind 260.000. Aber teu­re Wer­be­kam­pa­gnen konn­ten bis­her nicht genü­gend neue Rekrut:innen anlocken.

Des­halb hat der Bun­des­tag das „Wehr­dienst-Moder­ni­sie­rungs­ge­setz“ beschlos­sen. Es ist seit dem 1. Janu­ar 2026 in Kraft. Alle 18-Jäh­ri­gen erhal­ten seit­dem einen Fra­ge­bo­gen, um die „Eig­nung und Moti­va­ti­on für den Wehr­dienst bei der Bun­des­wehr“ zu ermitteln.

Die Män­ner müs­sen den Fra­ge­bo­gen beant­wor­ten, für Frau­en ist die Beant­wor­tung (noch) frei­wil­lig. Auch die Wehr­erfas­sung, also die Regis­trie­rung aller Wehr­dienst­fä­hi­gen, wird wie­der ein­ge­führt. Ab 1. Juli 2027 beginnt ver­pflich­tend die Mus­te­rung von Män­nern der Jahr­gän­ge 2008.

Die Bun­des­wehr rührt jetzt ver­stärkt die Wer­be­trom­mel. Für das ers­te Quar­tal 2026 sind min­des­tens 144 Besu­che an Schu­len geplant. Die als „Kar­rie­re­be­ra­ter“ bezeich­ne­ten Soldat:innen sol­len neue Rekrut:innen unter Jugend­li­chen ab der 8. Klas­se gewin­nen. Hin­zu kom­men 170 Wer­be­auf­trit­te bei Job- und Aus­bil­dungs­mes­sen. Blei­ben die Bewer­ber­zah­len aber nied­rig, soll der ver­pflich­ten­de Kriegs­dienst wie­der ein­ge­führt werden.

Inter­na­tio­nal gegen Militarisierung

Das alles dient der Mili­ta­ri­sie­rung der Gesell­schaft. Mit ihr erhält der Staat Zugriff auf eine gan­ze Gene­ra­ti­on – und kann mili­ta­ris­ti­sches Den­ken und Han­deln im Bewusst­sein fest ver­an- kern. Das ist ein ent­schei­den­der Schritt hin zur ange­streb­ten „Kriegs­tüch­tig­keit“ und zur Bereit­schaft, die Bun­des­wehr auch in welt­wei­ten Kon­flik­ten einzusetzen.

Statt eines fried­li­chen und selbst­be­stimm­ten Lebens sieht sich die Jugend nun mit Zwangs­diens­ten kon­fron­tiert. Aber Wider­stand wird sicht­bar: Immer mehr jun­ge Men­schen wider­set­zen sich der Rekru­tie­rung zum Kriegsdienst.

Auch inter­na­tio­nal for­miert sich der Wider­stand gegen die Mili­ta­ri­sie­rung. Die Blo­cka­den und Streiks von Hafen- und Trans­port­ar­bei­tern in Ita­li­en, Grie­chen­land, Spa­ni­en und Schwe­den gegen Waf­fen­lie­fe­run­gen in Kriegs­ge­bie­te setz­ten kla­re Zei­chen. Der Gene­ral­streik am 3. Okto­ber 2025 in Ita­li­en mit rund 2 Mil­lio­nen Betei­lig­ten gegen den völ­ker­mör­de­ri­schen Krieg des Netan­ja­hu-Regimes in Gaza war bis­her einzigartig.

Hier­zu­lan­de sind wir gefor­dert, aktiv die Schul­streiks am 5. März 2026 und die anti­mi­li­ta­ris­ti­sche Bewe­gung zu unterstützen.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar März 2026
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