2017: Rechts­ruck und kapi­ta­lis­ti­sche Angrif­fe - Was tun?“

Wer vom Kapi­ta­lis­mus nicht reden will,
soll vom Faschis­mus schwei­gen!“


Poli­ti­sche Reso­lu­ti­on der ISO (Teil IV)


Wir ver­öf­fent­li­chen hier die letz­ten Abschnit­te aus der Poli­ti­schen Reso­lu­ti­on der ISO. Hier folgt nun der Schluss die­ses Tex­tes.

In Betrie­ben und Gewerk­schaf­ten wol­len wir han­deln­de Kol­lek­ti­ve auf­bau­en, die Gegen­wehr, Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on und poli­ti­sche Auf­klä­rung unse­rer Grafik: Avanti²Klas­se beför­dern. Das bedeu­tet: Unter­stüt­zung von Wider­stand gegen Aus­beu­tung und Arbeits­platz­ver­nich­tung, Abwehr der Angrif­fe auf Gewerk­schaf­ten und von Betriebs­rats-Mob­bing, Stär­kung und Auf­bau der Gewerk­schafts­lin­ken, aber auch von über­be­trieb­li­chen Kampf- und Soli­da­ri­täts­struk­tu­ren. Wir tei­len den Ansatz, dass es vor allem auf die Stär­kung der Selbst­or­ga­ni­sa­ti­on in den Betrie­ben, aber auch in den Gewerk­schaf­ten ankommt, um eine klas­sen­kämp­fe­ri­sche Rich­tung der Arbei­ter­be­we­gung zu stär­ken. So wol­len wir dazu bei­tra­gen, dass die Arbei­te­rIn­nen­be­we­gung wie­der kon­se­quent Kämp­fe für die gan­ze Klas­se führt. Wir unter­stüt­zen des­halb ver­ein­heit­li­chen­de For­de­run­gen im Inter­es­se der Beschäf­tig­ten und Erwerbs­lo­sen und die Ent­wick­lung von Über­gangs­for­de­run­gen, die am bestehen­den Bewusst­sein anknüp­fen und, wenn es zu Mas­sen­kämp­fen für sie kommt, die kapi­ta­lis­ti­schen Ver­hält­nis­se in der Pra­xis infra­ge stel­len.

Umwelt­schutz und Arbeit
Wenn Deutsch­land sei­ne Kli­ma­zie­le ein­hal­ten soll, muss 2017 das Jahr wer­den, in dem auf den wei­te­ren Aus­bau des Braun­koh­le­ta­ge­baus end­gül­tig ver­zich­tet und die zügi­ge Abkehr von die­ser Art der Ener­gie­ge­win­nung ein­ge- lei­tet wird. In den letz­ten Jah­ren hat sich in Deutsch­land ein radi­ka­ler und weit­ge­hend anti­ka­pi­ta­lis­tisch ori­en­tier­ter Flü­gel der Anti-Koh­le-Bewe­gung als Teil der Umwelt­be­we­gung her­aus­ge­bil­det; er pro­tes­tiert mit mas­sen­haf­ten Aktio­nen zivi­len Unge­hor­sams gegen die herr­schen­de Ener­gie- und Kli­ma­po­li­tik und for­dert ein sofor­ti­ges Ende des Betriebs von Braun­koh­le­ta­ge­bau­en und der Strom­ge­win­nung durch Ver­feu­ern von Braun­koh­le sowie gene­rell einen radi­ka­len Aus­stieg aus fos­si­len Brenn­stof­fen.

Mit den Groß­ak­tio­nen Ende Gelän­de in der Lau­sitz und im rhei­ni­schen Braun­koh­le­re­vier ist es gelun­gen, das The­ma Koh­le­ver­stro­mung in die Öffent­lich­keit zu brin­gen; an die­ser beson­ders schmut­zi­gen Ener­gie­art wol­len im Inter­es­se der Ener­gie­kon­zer­ne (RWE, Vat­ten­fall bzw. EPH) sowohl die Bun­des­re­gie­rung als auch die von SPD und Grü­nen getra­ge­ne Lan­des­re­gie­rung in Nord­rhein-West­fa­len sowie die von SPD und der Par­tei Die Lin­ke getra­ge­ne Lan­des­re­gie­rung in Bran­den­burg noch auf Jahr­zehn­te fest­hal­ten. Für die Umwelt-, Kli­ma- und Anti-Koh­le-Bewe­gung ist es dabei von stra­te­gi­scher Bedeu­tung, dass Umwelt und Arbeits­platz­si­cher­heit nicht län­ger gegen­ein­an­der aus­ge­spielt wer­den kön­nen. Wir betrach­ten es als unse­re Auf­ga­be, zu brei­ten Mobi­li­sie­run­gen für die geplan­ten Aktio­nen gegen den Braun­kohl­ta­ge­ab­bau im rhei­ni­schen Revier und anläss­lich der COP23 in Bonn im kom­men­den Jahr und zur Stär­kung der Ansät­ze inner­halb der Gewerk­schaf­ten für den Aus­stieg aus der Braun­koh­le bei­zu­tra­gen.

Unse­re Zie­le sind: 100 Pro­zent erneu­er­ba­re Ener­gi­en bei gleich­zei­ti­gen mas­si­ven Ein­spa­run­gen von Ener­gie, die Her­stel­lung regio­na­ler öko­lo­gi­scher Wirt­schafts­kreis­läu­fe, ein Plan für die Umver­tei­lung der vor­han­de­nen Arbeit auf gesell­schaft­lich sinn­vol­le Berei­che. Wir unter­stüt­zen dar­über hin­aus Ansät­ze zu einer poli­ti­schen Öko­lo­gie, die eine sozia­lis­ti­sche Alter­na­ti­ve sowohl zu dem herr­schen­den kapi­ta­lis­ti­schen Pro­duk­ti­vis­mus als auch zu dem Trug­bild einer ober­fläch­lich grün lackier­ten Markt­wirt­schaft anstre­ben.

Mit dem Kapi­ta­lis­mus bre­chen!
Wir müs­sen mit dem kapi­ta­lis­ti­schen Pro­jekt EU bre­chen! Wir tre­ten wir für ein soli­da­ri­sches und demo­kra­tisch ver­fass­tes Euro­pa der Lohn­ab­hän­gi­gen ein – mit einem euro­päi­schen Min­dest­lohn, euro­päi­schen sozia­len Min­dest­stan­dards und glei­chen sozia­len und bür­ger­schaft­li­chen Rech­ten, mit einer öko­lo­gisch ver­ant­wort­li­chen Wirt­schafts­po­li­tik und demo­kra­ti­scher Teil­ha­be der Bevöl­ke­rung an allen Belan­gen des öffent­li­chen Lebens und demo­kra­tisch ver­ge­sell­schaf­te­ten Ban­ken und Groß­be­trie­ben. Wir bekämp­fen die rechts­ex­tre­me Dem­ago­gie, die mit der EU-Kri­tik eine Wie­der­be­le­bung natio­na­lis­ti­scher Iden­ti­tät und den Kampf um die Wie­der­her­stel­lung deut­scher Domi­nanz in Euro­pa ver­bin­det.

Die ver­bal manch­mal ähn­li­che Kri­tik kann nicht dar­über hin­weg­täu­schen, dass wir dia­me­tral ent­ge­gen­ge­setz­te Vor­stel­lun­gen vom Zusam­men­le­ben der Bevöl­ke­run­gen in Euro­pa haben. Wir unter­stüt­zen daher Initia­ti­ven, die sich im Geis­te der län­der­über­grei­fen­den Soli­da­ri­tät der Lohn­ab­hän­gi­gen gegen die Spar­dik­ta­te, die Fes­tung Euro­pa und die Mili­ta­ri­sie­rung Euro­pas wen­den, auch wenn dies einen ein­sei­ti­gen Bruch mit der EU erfor­dert. Die Soli­da­ri­tät mit der grie­chi­schen Bevöl­ke­rung gegen die neo­ko­lo­nia­le Poli­tik von Troi­ka, Qua­dri­ga und EU bil­de­te in den letz­ten Jah­ren einen Schwer­punkt unse­rer inter­na­tio­na­lis­ti­schen Arbeit. Die­se Arbeit wol­len wir fort­set­zen, da auch ande­re Staa­ten der EU zu Opfern die­ser Poli­tik gemacht wer­den.

Wir unter­stüt­zen Ansät­ze für län­der­über­grei­fen­de sozia­le und gewerk­schaft­li­che Bewe­gun­gen für sozia­le Min­dest­stan­dards, glei­che sozia­le und bür­ger­schaft­li­che Rech­te in Euro­pa, wie sie etwa der Alter Sum­mit dar­stel­len. Um die­sen einen Erfolg zu ermög­li­chen, muss gegen die der­zei­ti­ge EU-Kon­struk­ti­on eine brei­te kon­ti­nen­ta­le Rebel­li­on erfol­gen, die für ein­heit­li­che fort­schritt­li­che Stan­dards der Arbeits- und Sozi­al­ge­setz­ge­bung und der Umwelt­ge­set­ze in Euro­pa kämpft. Der damit ver­knüpf­te Abbau von gegen­sei­ti­gem Kon­kur­renz­druck der arbei­ten­den Klas­sen ent­zieht den Ras­sis­ten zugleich den Boden. Zudem gilt es, über die unter­drü­cken­de Rol­le der EU in der Welt auf­zu­klä­ren und sich dage­gen mit allen fort­schritt­li­chen Kräf­ten inter­na­tio­nal zu ver­bin­den.

Am Rande der ISO-Gründungskonferenz, 3. Dezember 2016. Foto: Avanti².

Am Ran­de der ISO-Grün­dungs­kon­fe­renz, 3. Dezem­ber 2016. Foto: Avan­ti².

Poli­ti­sche Bil­dung 
Eine Kern­auf­ga­be für eine revo­lu­tio­när-sozia­lis­ti­sche Orga­ni­sa­ti­on ist die Her­aus­bil­dung, Stär­kung und Samm­lung von sich eigen­stän­dig ori­en­tie­ren­den Akti­vis­tIn­nen, Orga­ni­zern und Kadern. Unse­re Mit­glie­der und unser Umfeld wer­den für ihre poli­ti­sche Arbeit best­mög­lich qua­li­fi­ziert. Dafür ent­wi­ckeln wir ein sys­te­ma­ti­sches pra­xis­ori­en­tier­tes Bil­dungs­an­ge­bot, das wir ste­tig aus­bau­en wer­den, teil­wei­se in Zusam­men­ar­beit mit ande­ren Bil­dungs­trä­gern wie der Bil­dungs­ge­mein­schaft SALZ oder der Rosa Luxem­burg Stif­tung, aber auch in Zusam­men­hang mit den inter­na­tio­na­len Ange­bo­ten des IIRE Ams­ter­dam. Durch die Wei­ter­ga­be und Wei­ter­ent­wick­lung von prak­ti­schen und theo­re­ti­schen Fähig­kei­ten wol­len wir beson­ders gewerk­schaft­lich Akti­ve, Frau­en, Migran­tIn­nen, Lohn­ab­hän­gi­ge und Jün­ge­re ermu­ti­gen, von­ein­an­der zu ler­nen. Dafür rich­ten wir eine eige­ne Bil­dungs­kom­mis­si­on ein.

aus der Rhein-Neckar Bei­la­ge zur Avan­ti Mai 2017
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