Freu­den­berg Wein­heim: Pro­fit­ma­xi­mie­rung durch Abbau, Schlie­ßung, Ver­la­ge­rung

 

K. W. 

Protestaktion gegen Arbeitsplatzabbau bei Freudenberg in Weinheim, 27. April 2017. Foto: Avanti².

Pro­test­ak­ti­on gegen Arbeits­platz­ab­bau bei Freu­den­berg in Wein­heim, 27. April 2017. Foto: Avan­ti².

Freu­den­berg Per­for­mance Mate­ri­als (FPM) und Fil­tra­ti­on Tech­no­lo­gies sind ver­selb­stän­dig­te Teil­be­trie­be der ehe­ma­li­gen Vlies­stoff-Spar­te von Freu­den­berg in Wein­heim. Seit­dem kämpft jeder Teil­be­trieb für sich um Pro­fit, obwohl die ein­zel­nen Toch­ter­fir­men von­ein­an­der abhän­gig und ver­floch­ten sind.

Im Dezem­ber 2016 wur­den die Beschäf­tig­ten der FPM in Wein­heim über die geplan­te Schlie­ßung des Logis­tik-Bereichs sowie über wei­te­ren Per­so­nal­ab­bau und Kür­zun­gen im Bereich Appa­rel infor­miert. Die Kom­plett­schlie­ßung der FPM Logistics trä­fe 180 Beschäf­tig­te. Wür­den Tei­le, wie z.B. das Schnei­de­zen­trum inner­halb der Freu­den­berg Grup­pe in Wein­heim wei­ter­ge­führt, was mehr als unsi­cher ist, sind es trotz­dem noch 110 Per­so­nen. Setzt sich das Manage­ment mit wei­te­ren Abbau­plä­nen durch, wer­den zusätz­lich bei FPM Appa­rel ca. 50 Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen ihre Arbeits­plät­ze ver­lie­ren.

Im Info-Blatt des Kon­zern­be­triebs­rats (KBR) von Freu­den­berg wird kri­ti­siert, dass zwar die Abbau-Zah­len für das Manage­ment schon fest­ste­hen, die tat­säch­li­chen Aus­wir­kun­gen aber offen­sicht­lich noch in den Ster­nen ste­hen. Erst auf Druck der Betriebs­rä­te wer­de jetzt recher­chiert. Wel­che not­wen­di­gen Leis­tun­gen neh­men die „Kun­den“ der FPM Logistics tat­säch­lich ab? Wer kann die­se in Zukunft über­neh­men? Was bedeu­tet dies für die Infra­struk­tur des Stand­or­tes?

Nach Mei­nung der betei­lig­ten Betriebs­rats­gre­mi­en wer­den hier im Blind­flug „Ein­spa­run­gen“ geplant. Die Cock­pit­crew spre­che nicht die glei­che Spra­che. Auf Bord­in­ge­nieu­re wer­de schon gar nicht gehört. Im Tower sit­ze der Geschäfts­füh­rer Olson und ver­wei­ge­re den Funk­ver­kehr.
Die KBR-Arbeits­grup­pe FPM for­der­te Infos über die Gesamt­stra­te­gie. Ein zuge­sag­ter Ter­min wur­de jedoch von Olson annul­liert. Er enga­gier­te statt­des­sen die Unter­neh­mens­be­ra­tung Bos­ton Con­sul­ting als teu­ren „Flug­lot­sen“.
In die­ser Kon­stel­la­ti­on droht eine Bruch­lan­dung.

Kos­ten­sen­kung“ um jeden Preis
Die beab­sich­tig­te Schlie­ßung von FPM Logistic ist nicht ohne die Ereig­nis­se bei Freu­den­berg Fil­tra­ti­on Tech­no­lo­gies (FFT) in Wein­heim zu ver­ste­hen. Hier beab­sich­tigt die Geschäfts­lei­tung, mehr als die Hälf­te der Pro­duk­ti­on in die Slo­wa­kei zu ver­la­gern. Als Kon­se­quenz plant sie dabei, den Abbau von 70 Arbeits­plät­zen in der Pro­duk­ti­on und in pro­duk­ti­ons­na­hen Berei­chen. Zusätz­lich sind alle „Dienst­leis­tungs­ver­trä­ge“ mit der FPM Logistics zum Jah­res­en­de gekün­digt.

Völ­lig unklar ist, wer zukünf­tig die Leis­tun­gen der FPM Logistics über­nimmt. Seit Anfang des Jah­res zei­gen schon erfolg­te tech­ni­sche Ver­bes­se­run­gen Wir­kung. Die Umsatz­zah­len stei­gen. Geplant wird aber immer noch, ohne dies zu berück­sich­ti­gen.

Die im Kon­zern­be­triebs­rat akti­ve Arbeits­grup­pe und die loka­len Betriebs­rä­te arbei­ten an Alter­na­ti­ven. Unter­stützt von einem Wirt­schafts­sach­ver­stän­di­gen und Rechts­an­wäl­ten for­dern sie die dafür not­wen­di­gen Infor­ma­tio­nen.

Die BR-Gre­mi­en der betrof­fe­nen Betrie­be set­zen gemein­sam mit dem KBR und der IG BCE Wein­heim auf ein kon­se­quen­tes Han­deln, um die Schlie­ßung des Logis­tik­be­reichs zu ver­hin­dern und mög­lichst alle Arbeits­plät­ze zu sichern.

aus der Rhein-Neckar Bei­la­ge zur Avan­ti Mai 2017
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