Ein starker erster Protesttag
N. B.
55.000 Schüler:innen gingen am 5. Dezember 2025 in Deutschland nicht zur Schule, sondern auf die Straße. Der Grund: An diesem Tag wurde das neue Gesetz zur faktischen Wiedereinführung der Kriegsdienstpflicht (offiziell: „Wehrdienstpflicht“) im Bundestag verabschiedet.

Schulstreik in Heidelberg, 5.12.2025. (Foto: N. B.)
Ab diesem Jahr werden wieder alle Männer – und freiwillig auch Frauen – auf ihre Kriegsdienstfähigkeit gemustert. Zunächst kommen die jungen Menschen mit dem Geburtsjahr 2008 an die Reihe, nach und nach sollen aber auch die vorangehenden Jahrgänge gemustert werden. Wer als kriegsdienstfähig gemustert wurde, ist damit nicht automatisch zu dem Dienst verpflichtet. Die Bundesregierung spekuliert darauf, dass allein die Musterung schon genügen werde, mehr freiwillige Kriegsdienstleistende zu rekrutieren. Kommt die Armee mit der Freiwilligkeit nicht auf ihre gewünschte Größe, sieht sie aber auch nach aktuellem Plan bereits den Zwangsdienst vor.
Gezwungen freiwillig
Mit 2.600 € brutto monatlich und Zuschüssen zum Führerschein versucht die Bundeswehr, junge Menschen zu bestechen und in den „freiwilligen“ Kriegsdienst zu bringen. Wie praktisch, dass an sozialen Leistungen wie der Vermittlung von Schulabgänger: innen in Ausbildungen in den nächsten Jahren beträchtlich „gespart“ wird. Wenn eine zivile Perspektive fehlt, lassen sich die jungen Menschen ja vielleicht doch vom relativ gut bezahlten Kriegsdienst locken. Doch wie viel Freiwilligkeit steckt eigentlich noch in einer Entscheidung, die aus ökonomischem Zwang und Alternativlosigkeit getroffen wird?
Am 5. Dezember haben Zehntausende junge Menschen deutlich gemacht, dass sie das nicht widerstandslos hinnehmen. Trotz vielfacher Einschüchterungsversuche aus der Politik, von Schulleitungen und teils auch Lehrerverbänden zeigten sie, dass ihnen ihr (selbstbestimmtes) Leben mehr Wert ist als ein Unterrichtstag. Die GEW solidarisierte sich vielerorts mit den Streiks. Doch nur in Ausnahmefällen schien sich die Bildungs-Gewerkschaft aktiv an der Vorbereitung und Durchführung des Streiks zu beteiligen. Unterstützt wurden die jungen Menschen insbesondere von der DFG-VK (Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner:innen).
„Nie, nie, nie wieder Wehrpflicht!“
In Ludwigshafen demonstrierten 200 bis 300 Schüler:innen und solidarische Menschen gegen die Wiedereinführung der Kriegsdienstpflicht. In Heidelberg starteten 600 großteils junge Menschen mittags am Friedrich-Ebert-Platz ihren Protestzug. Sie zo-gen dann über den Bismarckplatz bis zur Stadtbücherei, wo die Abschlusskundgebung stattfand. Dabei sprachen neben einem Vertreter der Schulstreik-Gruppe unter anderem ein 15-Jähriger von den „Schülis gegen Rechts“ und ein Vertreter des Bündnisses „Stoppt die CDU!“, das noch am gleichen Nachmittag gegen den Landesparteitag der CDU in Heidelberg demonstrierte.
Auf der Streikdemo zeigten die Schüler:innen mit starken Parolen, worum es ihnen geht: „Unsere Generation ist nicht euer Kanonenfutter!“ und „Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft!“ war auf den Schildern zu lesen. Laut wurde gerufen: „Streik in Schule, Uni und Betrieb, das ist unsre Antwort auf ihre Politik!“ und „Nie, nie, nie wieder Wehrpflicht!“
Gegen Kanonen und für Butter – gemeinsam?
Am folgenden Tag fand am Friedrich-Ebert-Platz, dem Ausgangsort der Streikdemo, eine weitere Kundgebung statt. Mit der #unkürzbar-Demo machten sich hunderte Familien dafür stark, dass im städtischen Haushalt nicht an Kindern und Jugendlichen gespart wird. Bezeichnenderweise gab es bis auf eine einsame GEW-Fahne keine Überschneidungen von Personen oder Initiativen mit dem Schulstreik. Dabei sollte der Zusammenhang doch auf der Hand liegen.
Der nächste Streik gegen die Kriegsdienstpflicht ist für den 5. März 2026 angesetzt. Bis dahin sollte ausreichend Zeit für Gewerkschaften, insbesondere die GEW, und andere Akteure sein, diesen Tag aktiv zu unterstützen und noch breiter zu mobilisieren.
