Tipps für die Gegen­wehr am Bei­spiel Alstom

 

A. A./W. A.

Einen jah­re­lan­gen Kampf gegen irr­sin­ni­ge Kon­zern­plä­ne führt der Betriebs­rat des Schie­nen­fahr­zeug­her­stel­lers Als­tom Trans­por­ta­ti­on Mann­heim (zuvor Bom­bar­dier). Nun sah sich die Inter­es­sen­ver­tre­tung der über 1.000 Beschäf­tig­ten gezwun­gen, einem bit­te­ren Kom­pro­miss zuzu­stim­men. Er soll nach dem Wil­len des Manage­ments unter ande­rem den stu­fen­wei­sen Abbau des letz­ten Pro­duk­ti­ons­be­reichs im Käfer­ta­ler Werk einleiten.

Um die Gegen­wehr zu stär­ken, hat­te der in der IG Metall (IGM) orga­ni­sier­te Betriebs­rat ver­sucht, der eige­nen Beleg­schaft Erfah­run­gen aus der Geschich­te des Wider­stands gegen frü­he­re Abbau­plä­ne im Kon­zern nahe­zu­brin­gen. In einer elek­tro­ni­schen Info für die IGM-Ver­trau­ens­leu­te wird sie wie folgt zusammengefasst:


Europaweiter Aktionstag bei Bombardier-Alstom Mannheim, 16. Juli 2020. (Foto: Helmut Roos.)

Euro­pa­wei­ter Akti­ons­tag bei Bom­bar­dier-Als­tom Mann­heim, 16. Juli 2020. (Foto: Hel­mut Roos.)

,Durch die Wie­der­ho­lung wird das, was im Anfang nur als zufäl­lig und mög­lich erschien, zu einem Wirk­li­chen und Bestä­tig­ten.‘ (G. F. W. Hegel, Vor­le­sun­gen über die Geschich­te der Phi­lo­so­phie). ‚Hegel bemerkt irgend­wo, daß alle gro­ßen welt­ge­schicht­li­chen Tat­sa­chen und Per­so­nen sich sozu­sa­gen zwei­mal ereig­nen. Er hat ver­ges­sen hin­zu­zu­fü­gen: das eine Mal als Tra­gö­die, das ande­re Mal als Far­ce.‘ (K. Marx, Der 18te Bru­mai­re des Lou­is Napo­le­on).

Bei der letz­ten Betriebs­ver­samm­lung am 18. März 2025 hat Wolf­gang Alles von den Kämp­fen der Beleg­schaft von Als­tom Power im Haupt­werk Käfer­tal seit Mit­te der 80er Jah­re berich­tet. Dabei war die Idee, dass wir uns durch Wolf­gangs Schil­de­run­gen ver­gan­ge­ner Wider­stands­ak­tio­nen für das Vor­ge­hen in unse­ren eige­nen Aus­ein­an­der­set­zun­gen inspi­rie­ren las­sen. Ich fas­se hier die aus mei­ner Sicht wesent­li­chen Aus­sa­gen zusam­men, in der Hoff­nung mit Euch dar­über in einen Aus­tausch und zu eige­nen Aktio­nen zu kommen.

1. Die Geschich­te des Betriebs von Als­tom Power war geprägt durch Eigen­tü­mer­wech­sel: BBC, ABB, Als­tom, Gene­ral Elec­tric. Damit ver­bun­den waren wie­der­keh­ren­de Abwehr­kämp­fe gegen die Kür­zungs­plä­ne der ver­schie­de­nen Unter­neh- mens­lei­tun­gen. Von vie­len der damals wie Pop­stars gefei­er­ten Top­ma­na­ger wie Jack Welch, Pierre Bil­ger oder Per­cy Bar­ne­vik spricht heu­te kein Mensch mehr. Geblie­ben sind nur die Fami­li­en­clans, die sich durch all die Jah­re hin­durch als Haupt- oder Mit­ei­gen­tü­mer berei­chert haben, wie die Schmid- hei­nys (Schweiz), die Wal­len­bergs (Schwe­den), die Bouy­gues (Frank­reich) − und wir Lohn­ab­hän­gi­gen, die um ihre Ent­gel­te, annehm­ba­re Arbeits­be­din­gun­gen und ihre Arbeits­plät­ze kämp­fen müssen.

Wolf­gang hat mehr­fach dar­an erin­nert: Letz­te­re, die soge­nann­ten Arbeit­neh­mer, die in Wirk­lich­keit ihre Arbeit geben, also die Wer­te schaf­fen, die unse­re Gesell­schaf- ten brau­chen, um über elek­tri­sche Ener­gie ver­fü­gen oder ver­nünf­tig rei­sen zu können.

2. Die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen von Als­tom Power waren bei ihrer Gegen­wehr oft erfolg­reich. Das ist ihnen gelun­gen, weil sie soli­da­risch gehan­delt und sich nicht gegen­ein­an­der haben aus­spie­len las­sen. Meh­re­re Stra­te­gien, die auch für uns von Inter- esse sein könn­ten, hat Wolf­gang auch genannt: Einer­seits hat bei Als­tom Power der Ein­stieg des fran­zö­si­schen Staa­tes dazu geführt, dass das Unter­neh­men eine wirt­schaft­lich schwie­ri­ge Zeit über­ste­hen konn­te, die ins­be­son­de­re dadurch aus­ge­löst wur­de, dass hohe Pöna­len [Straf­gel­der] auf wich­ti­ge Pro­duk­te gezahlt wer­den muss­ten. Ich erin­ne­re dabei dar­an, dass in unse­rer Kund­schaft der Staat ohne­hin schon eine grö­ße­re Rol­le spie­len soll­te als im Kraftwerksbereich. 
Ande­rer­seits hat Wolf­gang die Not­wen­dig­keit betont, dass ein mög­lichst gro­ßer Teil der Beleg­schaft gewerk­schaft­lich orga­ni­siert sein soll­te, um effek­ti­ve Gegen­wehr gegen Angrif­fe des Manage­ments leis­ten zu können.

3. Auch bei der Wahl der tak­ti­schen Mit­tel waren die Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen über­aus krea­tiv. Sie orga­ni­sier­ten eine mehr­tä­gi­ge Betriebs­ver­samm­lung, regel­mä­ßi­ge Demons­tra­tio­nen in die Mann­hei­mer City und eine inter­na­tio­na­le Groß­de- mons­tra­ti­on mit Mit­ar­bei­ten­den von Als­tom aus vie­len Län­dern in Paris. Sie mach­ten einen Ban­ner-Drop vom Dach des Fir- men­ge­bäu­des in der Boveri-Stra­ße mit einem Trans­pa­rent, das einen grif­fi­gen Slo­gan zeig­te sowie Rund­gän­ge, Sprechstun- den und so weiter.

Gemein­sam war die­sen Aktio­nen, dass sie die Arbeit unter­bra­chen, für öffent­li­che Auf­merk­sam­keit auf ihre Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit dem Manage­ment sorg­ten oder bei der Mobi­li­sie­rung der Beleg­schaft hal­fen. Selbst­ver­ständ­lich müs­sen nicht alle die­se Mit­tel auch für uns pas­sen, wich­tig ist aber auch für uns, dass wir Mit­tel und Wege fin­den, sol­che und ande­re Aktio­nen durch­zu­füh­ren, die die geschäf­ti­ge Stil­le und den geräusch­lo­sen Ablauf der Abbau­maß­nah­men stören.

4. Wolf­gangs Bot­schaft an uns war nicht miss­zu­ver­ste­hen: Gegen­wehr gegen unfai­re Manage­ment­plä­ne lohnt sich, und sie ist die ein­zi­ge Opti­on, wenn wir inmit­ten des all­täg­li­chen Wahn­sinns und der regel­mä­ßi­gen Angrif­fe gesund und bei Sin­nen blei­ben wol­len. Die Par­al­le­len, die sich aus dem Ver­gleich zwi­schen Als­tom Power und uns erge­ben, schei­nen mir jeden­falls unübersehbar.

Was hal­tet ihr von die­ser Bot­schaft? Schreibt Eure Mei­nun­gen ger­ne unten in die Kommentare.

▶ Online-Doku­men­ta­ti­on der Ereig­nis­se bei Als­tom Power aus Sicht der abhän­gig Beschäf­tig­ten: https://resistance-online. com/index.php

▶ Taz-Arti­kel über die ers­ten Angrif­fe auf die Beleg­schaft nach der ABB-Grün­dung: https://taz.de/!1852220/


Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Janu­ar 2026
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