Vor­wärts und nicht vergessen …“

10 Jah­re Über­be­trieb­li­ches Soli­da­ri­täts­ko­mi­tee Rhein-Neckar

J. J.

Vor­wärts und nicht ver­ges­sen, wor­in unse­re Stär­ke besteht! Beim Hun­gern und beim Essen, vor­wärts und nie ver­ges­sen: Die Soli­da­ri­tät!“. So lau­tet der Refrain des Soli­da­ri­täts­lieds. Sei­nen Text ver­fass­te Ber­tolt Brecht gemein­sam mit Ernst Busch. Hans Eis­ler ver­ton­te ihn. 1932 wur­de es urauf­ge­führt. Bis heu­te hat sei­ne Bot­schaft nichts an Aktua­li­tät verloren.

Plakat zur Veranstaltung am 4.2.2026.

Pla­kat zur Ver­an­stal­tung am 4.2.2026.

Vor­wärts und nicht ver­ges­sen …“ Dies war auch das Mot­to einer klei­nen Fei­er­stun­de, die am 4. Febru­ar 2026 in den Räu­men der Mann­hei­mer IG-Metall statt­fand. Gewür­digt wur­de das 10-jäh­ri­ge Bestehen des Über­be­trieb­li­chen Soli­da­ri­täts­ko­mi­tees Rhein-Neckar. Pas­sen­der hät­te das Mot­to gar nicht gewählt wer­den können.

Rund 30 Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen nah­men an der Zusam­men­kunft teil. Dar­un­ter waren Mit­glie­der des Soli­da­ri­täts­ko­mi­tees, ehe­ma­li­ge und akti­ve Ver­trau­ens­leu­te und Betriebs­rä­te, Ge- werkschafter:innen sowie offi­zi­el­le Vertreter:innen des DGB, der IG Metall und der IGBCE. Für die musi­ka­li­sche Umrah­mung sorg­te der Mann­hei­mer Lie­der­ma­cher Bernd Köh­ler. Die Mode­ra­ti­on über­nahm der Spre­cher des Komi­tees Wolf­gang Alles.

Gewerk­schaft­li­che Grußworte

Der Ers­te Bevoll­mäch­tig­te der IGM Geschäfts­stel­le Mann­heim, Tho­mas Hahl, und der Vor­sit­zen­de des DGB Kreis­ver­ban­des Mann­heim / Rhein-Neckar, Ralf Hel­ler, beton­ten in ihren Gruß-Bot­schaf­ten die Bedeu­tung des Soli­da­ri­täts­ko­mi­tees und nah­men dabei immer wie­der Bezug zu aktu­el­len gesell­schaft­li­chen Entwicklungen.

Tho­mas Hahl ver­wies auf die aktu­el­len Angrif­fe auf die Beschäf­tig­ten, die von Kapi­tal und Poli­tik geführt wer­den. Dabei ver­schwieg er nicht die Spal­tung in den eige­nen Rei­hen, die nicht zuletzt durch den Auf­schwung der Rech­ten ver­stärkt wird.

Ralf Hel­ler mach­te deut­lich, wie sehr die Mit­be­stim­mung in der Arbeits­welt unter Druck steht. Immer weni­ger Betrie­be sind tarif­ge­bun­den und immer weni­ger Beschäf­tig­te wer­den durch einen Betriebs­rat ver­tre­ten. Aber er konn­te auch auf Erfol­ge gewerk­schaft­li­cher Soli­da­ri­tät ver­wei­sen. So sei es ver.di gelun­gen, eine Pfle­ge­per­so­nal­be­darfs­pla­nung durchzusetzen.

Blick zurück.

Nach den Gruß­wor­ten erin­ner­te Wolf­gang Alles mit zahl­rei­chen Bil­dern und Kurz­vi­de­os an die Ent­ste­hung und die beein­dru­cken­den Akti­vi­tä­ten des Über­be­trieb­li­chen Soli­da­ri­täts­ko- mit­ees. Offi­zi­ell gegrün­det wur­de das heu­ti­ge Komi­tee am 4. Febru­ar 2016. Die Initia­ti­ve hat­te der IG Metall-Ver­trau­ens­kör­per­lei­tung von GE (vor­mals Als­tom Power) ergrif­fen, nach­dem Ende 2015 sei­tens des GE-Kon­zerns mas­si­ve Angrif­fe auf den Mann­hei­mer GE-Stand­ort gestar­tet wor­den waren.

Ziel war es „die gegen­sei­ti­ge Hil­fe bei Angrif­fen auf Arbeits­plät­ze und Stand­or­te zu ver­bes­sern“. Im damals ver­öf­fent­lich­ten Appell „Ohne Arbeit stirbt die Stadt! - Ohne Arbeit stirbt die Regi­on!“ wur­de zum „Wider­stand gegen ‚Glo­ba­li­sie­rung‘ und Arbeits­platz­ab­bau“ aufgerufen.

Seit­dem hat sich das Komi­tee an zahl­lo­sen betrieb­li­chen Aktio­nen und über­be­trieb­li­chen Ver­an­stal­tun­gen betei­ligt und im Coro­na-Jahr 2020 sogar eine 1.-Mai-Kundgebung organisiert.

Berich­te aus den Betrieben

In der anschlie­ßen­den Dis­kus­si­on wur­de unter ande­rem deut­lich gemacht, wel­che Bedeu­tung Soli­da­ri­tät hat. Hel­mut Schmitt, ehe­ma­li­ger Nora-Betriebs­rat, erin­ner­te an den erfolg­rei­chen Wider­stand der Beleg­schaft des Wein­hei­mer Her­stel­lers von Boden­be­lä­gen, der 2007 den geplan­ten Stand­ort­ver­kauf an einen direk­ten Kon­kur­ren­ten ver­hin­der­te. Gelun­gen war dies durch den Zusam­men­halt inner­halb der Beleg­schaft und mit der Unter­stüt­zung der ande­ren Freudenberg-Standort-Betriebe.

Danach berich­te­te Mar­kus Dober­stein, Betriebs­rats­vor­sit­zen­der von ZF-Wab­co, über den erfolg­rei­chen Kampf der Beleg­schaft des Brem­sen­her­stel­lers gegen die Werks­schlie­ßung 2024/ 2025. Mög­lich wur­de die­ser Erfolg nicht zuletzt durch die brei­te über­be­trieb­li­che Soli­da­ri­tät und die gewerk­schaft­li­che Unter­stüt­zung durch die IG Metall Mannheim.

In wei­te­ren Bei­trä­gen wur­de unter ande­rem auf die lan­ge Tra­di­ti­on über­be­trieb­li­cher Soli­da­ri­tät in Mann­heim hin­ge­wie­sen, die bereits in den 1970er und 1980er Jah­ren existierte.

Résis­tance und Solidarität

Zum Abschluss des Abends sang Bernd Köh­ler gemein­sam mit den Anwe­sen­den sein aus dem Abwehr­kampf der Als­tom-Beleg­schaft bekann­tes Résis­tance-Lied und − auf Drän­gen von Anwe­sen­den − das Soli­da­ri­täts­lied. So gelang ein das Gemein­schafts­ge­fühl stär­ken­des poli­tisch-kul­tu­rel­les Fina­le die­ser klei­nen, aber fei­nen und wich­ti­gen Veranstaltung.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar März 2026
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