Zu eini­gen Hin­ter­grün­den der Deut­schen Revo­lu­ti­on von 1848 /49

 

K. W.

Frei­heit, Gleich­heit, Brü­der­lich­keit“ waren die Paro­len der Fran­zö­si­schen Revo­lu­ti­on von 1789. Ihr Erbe wirk­te nach und beför­der­te die Auf­stän­de von 1848 in gro­ßen Tei­len Euro­pas: für poli­ti­sche Frei­heit, Gleich­be­rech­ti­gung und demo­kra­ti­sche Repu­bli­ken.

Gedenktafel und Halbplastik von Johannes Grützke in Konstanz zur Erinnerung an die Erhebung von 1848. Foto: Avanti²

Gedenk­ta­fel und Halb­plas­tik von Johan­nes Grütz­ke in Kon­stanz zur Erin­ne­rung an die Erhe­bung von 1848. Foto: Avan­ti²

Die Ursa­chen: Wirt­schafts­kri­se und erstarr­te poli­ti­sche Ver­hält­nis­se  
Die Ursa­chen der Deut­schen Revo­lu­ti­on waren sowohl wirt­schaft­li­cher als auch sozia­ler und poli­ti­scher Natur.
Eine schwe­re Miss­ern­te im Jahr 1846 sorg­te für Hun­gers­nö­te und Hun­ger­re­vol­ten. Mas­sen­ar­mut regier­te. Die Kauf­kraft sank. Nie­der­gang der Tex­til­in­dus­trie und eine Kri­se im Hand­werk waren die Fol­gen. Auch der durch die Indus­tria­li­sie­rung ent­stan­de­nen Arbei­te­rIn­nen­klas­se ging es schlecht: Sie leb­te unter dem Exis­tenz­mi­ni­mum in Elends­vier­teln und war dau­er­haft von Arbeits­lo­sig­keit bedroht.
Nach dem Sieg über Napo­le­on 1814 wur­den die poli­ti­schen Ver­hält­nis­se von vor 1789 wei­test­ge­hend restau­riert: Wie­der­her­stel­lung der Vor­herr­schaft des Adels und Rück­gän­gig­ma­chen bür­ger­li­cher Frei­hei­ten und Rech­te. Beson­de­rer Ver­fech­ter der Restau­ra­ti­ons­po­li­tik war Staats­kanz­ler Kle­mens Wen­zel Fürst von Met­ter­nich. Ers­te Pro­tes­te gegen die­se reak­tio­nä­re Poli­tik schei­ter­ten Anfang der 1830er Jah­re, aber das met­ter­nich­sche Sys­tem erlitt Ris­se.

Beginn und Schei­tern: Ablauf der Revo­lu­ti­on
Die Deut­sche Revo­lu­ti­on umfasst zahl­rei­che Ereig­nis­se und ver­lief dezen­tral. Sie lässt sich in drei Pha­sen auf­spal­ten: Schein­erfol­ge, Rin­gen um recht­li­che Siche­rung und Schei­tern.
Der Fun­ke der Revo­lu­ti­on sprang von der Febru­ar­re­vo­lu­ti­on aus Frank­reich her­über. Nach der dor­ti­gen Abset­zung des Königs Lou­is Phil­ip­pe wur­de in Frank­reich die Zwei­te Repu­blik aus­ge­ru­fen.
Nach die­sem Vor­bild revol­tier­ten zahl­rei­che Län­der in Euro­pa, dar­un­ter Baden, Preu­ßen, Sach­sen und Bay­ern. Wäh­rend in man­chen Staa­ten die Obrig­keit schnell Ver­spre­chen gab und somit der Auf­stand wei­test­ge­hend fried­lich ver­lief (Han­no­ver und Würt­tem­berg) wur­de in ande­ren Län­dern an zwei Fron­ten gekämpft: auf der Stra­ße und in den Par­la­men­ten.
In Baden wur­den die wei­test­ge­hen­den Ver­än­de­run­gen ver­langt. Hier wur­de am 27. Febru­ar 1848 in Mann­heim eine Volks­ver­samm­lung zusam­men­ge­ru­fen. Die badi­schen Revo­lu­tio­nä­re, allen vor­an Fried­rich Hecker und Gus­tav Struve, for­der­ten die Abschaf­fung der adli­gen Pri­vi­le­gi­en und Volks­sou­ve­rä­ni­tät. Am 12. April 1848 rie­fen Hecker und Struve in Kon­stanz die Repu­blik aus und woll­ten nach Karls­ru­he mar­schie­ren. Das Mili­tär schlug die­sen Auf­stand aller­dings nie­der.
Blu­tig ging es auch in Ber­lin zu: König Fried­rich Wil­helm IV mach­te zunächst Zuge­ständ­nis­se. Am 18. März schoss die Armee indes­sen auf die Bevöl­ke­rung, Stra­ßen­kämp­fe mit zahl­rei­chen Toten folg­ten. Der König gab nach. Am 29. März wur­de hier ein „März­mi­nis­te­ri­um“ nach Vor­bild der Minis­te­ri­en in den ande­ren Län­dern ein­ge­setzt. Die Deut­sche Revo­lu­ti­on sorg­te für einen Schul­ter­schluss zwi­schen Libe­ra­len und Demo­kra­ten. Neben den „März­mi­nis­te­ri­en“ wur­de mit der Frank­fur­ter Natio­nal­ver­samm­lung die Errich­tung eines natio­na­len Vor­par­la­ments erreicht.
Im April 1848 hat­te der König von Preu­ßen, Fried­rich Wil­helm IV., Neu­wah­len ver­spro­chen, die am 1. Mai statt­fan­den. Ab 18. Mai tag­te das Vor­par­la­ment unter der Füh­rung von Hein­rich von Gagern und ent­warf in hit­zi­gen Debat­ten eine Ver­fas­sung. Doch kurz dar­auf spal­te­ten sich Libe­ra­le und Demo­kra­ten in ihren Zie­len: kon­sti­tu­tio­nel­le Mon­ar­chie auf der libe­ra­len Sei­te, Repu­blik auf der demo­kra­ti­schen.
Im Som­mer 1848 kam die Revo­lu­ti­on dann ins Sto­cken. In Preu­ßen und Öster­reich ergrif­fen die Gegen­re­vo­lu­tio­nä­re wie­der die Initia­ti­ve. Die Fürs­ten erlang­ten wie­der mehr Ein­fluss, dage­gen schwand der Ein­fluss der Natio­nal­ver­samm­lung. Mit der Ableh­nung der Kai­ser­kro­ne und der for­mu­lier­ten Reichs­ver­fas­sung zu einem klein­deut­schen Natio­nal­staat mit kon­sti­tu­tio­nel­ler Mon­ar­chie durch Fried­rich Wil­helm IV., war die Deut­sche Revo­lu­ti­on geschei­tert. Das Ende mar­kier­ten die Auf­lö­sung des Stutt­gar­ter Par­la­men­tes im Juni 1849 und die Ein­nah­me der Fes­tung Ras­tatt im Juli 1849.

Die Fol­gen der Deut­schen Revo­lu­ti­on
Auch wenn der Auf­stand schei­ter­te, war er Aus­gangs­punkt zahl­rei­cher Ent­wick­lun­gen. Die Ursprün­ge der Par­tei­en­viel­falt, der Arbei­te­rIn­nen­be­we­gung und der sozia­len Eman­zi­pa­ti­on lie­gen in der Revo­lu­ti­on.
Am 3. Sep­tem­ber 1848 wur­de die All­ge­mei­ne deut­sche Arbeits­ver­brü­de­rung gegrün­det - Vor­rei­ter der Gewerk­schaf­ten. Am 12. Mai 1849 wur­de die ers­te Frau­en­zei­tung von Loui­se Otto-Peters ver­öf­fent­licht. Die auf­ge­ho­be­ne Pres­se­zen­sur mach­te eine blü­hen­de Pres­se­land­schaft mög­lich. Sowohl auf der lin­ken Sei­te (Karl Marx mit der Neu­en Rhei­ni­schen Zei­tung) als auf der rech­ten Sei­te (Neue Preu­ßi­sche Zei­tung). Poli­tisch kam es erneut zu einer Restau­ra­ti­on, jedoch nicht mehr so mas­siv wie vor der Revo­lu­ti­on.

aus der Rhein-Neckar Bei­la­ge zur Avan­ti Sep­tem­ber 2017
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