M. G.
Im Frühjahr 1976 reagierten die Kapitalisten auf den Streik der IG Druck und Papier (IG Drupa) sofort mit flächendeckenden Aussperrungen. 16.000 Streikenden standen 68.800 Ausgesperrte gegenüber.
![Setzmaschine Linotype, Baujahr 1965. (Foto: Clemens Pfeiffer [gemeinfrei].) Setzmaschine Linotype, Baujahr 1965. (Foto: Clemens Pfeiffer [gemeinfrei].)](https://iso-4-rhein-neckar.de/wp-content/uploads/2026/03/s-12-383x500.jpg)
Setzmaschine Linotype, Baujahr 1965. (Foto: Clemens Pfeiffer [gemeinfrei].)
Die Forderungen der IG Drupa (9 % mehr Lohn für Facharbeiter und eine überproportionale Lohnerhöhung für Hilfskräfte) ignorierten die von der Bundesregierung unter Helmut Schmidt (SPD) beschlossenen „Lohnleitlinien“. Diese sahen Lohnsteigerungen von nur 5 % und damit Reallohnverlust vor.
Angesichts der ersten großen Wirtschaftskrise der BRD wollten Kapital und Politik mit einer „zurückhaltenden Lohnpolitik“ die Profite sichern.
Aber bei den von massiven technischen Umwälzungen betroffenen Druckern und Setzern stieß Schmidts Phrase „die Gewinne von heute sind die Investitionen von morgen und die Arbeitsplätze von übermorgen“ auf Ablehnung.
Die Maikundgebungen des DGB wurden 1976 zu großen Solidaritätsdemonstrationen für die Drucker.
Während einer Schlichtung beendete die Kapitalseite die Aussperrung. Doch die Tarifkommission der IG Drupa lehnte den Schlichterspruch von 5,9 % plus sozialer Komponente einstimmig ab. Folglich wurde die Arbeitsniederlegung als „Vollstreik“ mit fast 70.000 Beteiligten wieder aufgenommen. Statt 21,5 Millionen Tageszeitungen wurden während des Streiks nur etwa 1,5 Millionen Exemplare gedruckt.
Am 13. Mai kam es schließlich zum Abschluss: 6,3 % mehr Entgelt plus Zulagen für die unteren Lohngruppen.
Der mutige Druckerstreik zeigte vor allem eins: Gewerkschaftlicher Widerstand ist gerade in der Krise notwendig und möglich. Ein guter Rat auch für heute!
