Sozia­le Siche­rung statt Sozialabbau

Wie Regie­rung und Kapi­tal stoppen?

 

U. D.

Im Janu­ar 2026 ver­öf­fent­lich­te Oxfam Zah­len zur sozia­len Ungleich­heit. Welt­weit gibt es jetzt rund 3.000 Mil­li­ar­dä­re. Die­se konn­ten allein im Jahr 2025 ihr Ver­mö­gen um 2,5 Bil­lio­nen auf 18,3 Bil­lio­nen US-Dol­lar stei­gern. Gleich­zei­tig leben 3,8 Mil­li­ar­den Men­schen in Armut mit weni­ger als 8,30 US-Dol­lar pro Tag – beson­ders davon betrof­fen sind Frauen.

Demo gegen Putins Ukraine-Krieg in Mannheim, 5. März 2022. (Foto Avanti².)

Demo gegen Putins Ukrai­ne-Krieg in Mann­heim, 5. März 2022. (Foto Avanti².)

Auch in Deutsch­land nimmt die sozia­le Ungleich­heit zu. Laut Mana­ger-Maga­zin vom Okto­ber 2025 gibt es in Deutsch­land 256 Mil­li­ar­dä­re. Die 100 reichs­ten Deut­schen besit­zen etwa 750 Mil­li­ar­den Euro. Das reichs­te ein Pro­zent der Bevöl­ke­rung ver­fügt über 30 % des gesam­ten Ver­mö­gens, die reichs­ten 10 % rund zwei Drittel.

Auf der ande­ren Sei­te arbei­te­ten im April 2025 mehr als 6 Mil­lio­nen für Nied­rig­löh­ne unter 14,32 Euro pro Stun­de. Mil­lio­nen sind pre­kär beschäf­tigt. Im April 2025 leb­ten 13 Mil­lio­nen Men­schen unter­halb der Armuts­schwel­le. Dar­un­ter etwa 2,2 Mil­lio­nen Kin­der und min­der­jäh­ri­ge Jugend­li­che. Von Alters­ar­mut sind 3,4 Mil­lio­nen betrof­fen, davon 2,3 Mil­lio­nen Frauen.

Sozi­al­ab­bau ist Klassenpolitik

Die sich ver­schär­fen­de sozia­le Ungleich­heit ist kei­ne zufäl­li­ge Ent­wick­lung, son­dern das Ergeb­nis einer knall­har­ten Klas­sen­po­li­tik im Inter­es­se der Unter­neh­men und der Rei­chen. Die­se greift seit Jahr­zehn­ten die Arbeits-, Sozi­al- und Lebens­stan­dards der arbei­ten­den Klas­se mit den­sel­ben spal­te­ri­schen Lügen an: „Wir“ kön­nen uns den Sozi­al­staat nicht mehr leis­ten, „wir“ müs­sen län­ger und fle­xi­bler arbei­ten, „wir“ sind zu oft krank, die Alten leben auf Kos­ten der Jun­gen, Erwerbs­lo­se auf Kos­ten der Arbei­ten­den, „Flücht­lin­ge“ auf Kos­ten von „uns allen“.

Die unzu­rei­chen­de Gegen­wehr der arbei­ten­den Klas­se und ihrer Gewerk­schaf­ten gegen die­se Poli­tik hat­te zur Fol­ge, dass Gewerk­schaf­ten, Ver­trau­ens­leu­te und Betriebs­rä­te mas­siv geschwächt wur­den. Immer mehr Betrie­be sind ohne Tarif­bin­dung und mit­be­stim­mungs­frei. Die­se Ent­wick­lung hat das Kapi­tal ermu­tigt, sei­ne Angrif­fe ver­stärkt fortzusetzen.

Protest gegen Arbeitsplatzabbau in Mannheim, 13. Januar 2016. (Foto: Helmut Roos.)

Pro­test gegen Arbeits­platz­ab­bau in Mann­heim, 13. Janu­ar 2016. (Foto: Hel­mut Roos.)

Die Kapi­tal­macht greift uns alle an

Der „Sozi­al­staat“ ist das Ergeb­nis von gewerk­schaft­li­chen Kämp­fen und einem nach dem II. Welt­krieg geschlos­se­nen „Kom­pro­miss“ zwi­schen Kapi­tal und Arbeit. Seit den 1990er Jah­ren – nach dem Unter­gang der sta­li­nis­ti­schen Dik­ta­tur in der Sowjet­uni­on und der sich fort­set­zen­den Schwä­chung der Arbei­ter­be­we­gung – hat das Kapi­tal auch in der BRD die­sen Kom­pro­miss auf­ge­kün­digt und sei­ne Angrif­fe verschärft.

Allen sozi­al­part­ner­schaft­li­chen Erklä­run­gen zum Trotz geht es dem Kapi­tal dar­um, gewerk­schaft­li­che Gegen­macht zurück­zu­drän­gen und sei­ne Pro­fit­be­din­gun­gen zu ver­bes­sern. In ihrer gro­ßen Mehr­heit wol­len die Gewerk­schafts­füh­run­gen dies nicht erken­nen und hal­ten krampf­haft an der „Sozi­al­part­ner­schaft“ fest. Anstatt einen klas­sen­kämp­fe­ri­schen Kurs gegen das Kapi­tal ein­zu­schla­gen, neh­men sie damit die wei­te­re Schwä­chung der „eige­nen“ Orga­ni­sa­ti­on und der arbei­ten­den Klas­se in Kauf.

Nach dem Aus­ru­fen der „Zei­ten­wen­de“ durch Kanz­ler Scholz wur­den die Angrif­fe in Wort und Tat noch­mals ver­schärft. Jetzt wit­tern die neo­li­be­ra­len Scharf­ma­cher in den Unter­neh­men, auf den Regie­rungs­bän­ken, in den Par­la­men­ten, in „Wis­sen­schaft“ und Medi­en ihre Chan­ce. Mit der Behaup­tung, den deut­schen Wirt­schafts­stand­ort zu stär­ken, „unse­ren“ Wohl­stand zu sichern und „unse­re“ Sicher­heit gegen Putin zu ver­tei­di­gen, bla­sen sie zum Gene­ral­an­griff auf pro­fit­hem­men­de Geset­ze, auf Kli­ma­schutz, auf Men­schen­rech­te, auf Rech­te von Flie­hen­den, auf Frau­en­rech­te, auf Sozi­al­leis­tun­gen, auf Gesund­heits­schutz und Arbeitsrecht.

Gegen­wehr orga­ni­sie­ren – Jetzt handeln

Die­ser Angriff ist kei­ne unab­wend­ba­re Natur­ka­ta­stro­phe, son­dern eine pro­fit­ge­trie­be­ne Offen­si­ve des Kapi­tals. Dage­gen hel­fen kei­ne Appel­le, son­dern nur die koor­di­nier­te Gegen­wehr. Dazu brau­chen wir viel­fäl­ti­ge Bünd­nis­se und Initia­ti­ven zur Ver­tei­di­gung unse­rer Inter­es­sen. Jede noch so klei­ne Akti­on ist dabei wert­voll. Aber, um unse­re Kräf­te wir­kungs­voll zu bün­deln, müs­sen wir uns in einer Soli­da­ri­schen Front zusammenschließen.

Das gemein­sa­me Ziel muss dabei sein, alle Tei­le der arbei­ten­den Klas­se inner­halb und außer­halb der Betrie­be in Bewe­gung zu brin­gen: Arbei­ten­de, Erwerbs­lo­se, Frau­en, Mieter:innen, Rentner:innen, Migrant:innen, Asyl­su­chen­de, Schüler:innen, Stu­die­ren­de, Alte und Junge.

Der Reich­tum ist vor­han­den. Was fehlt, ist die Kraft, die­sen Reich­tum von oben nach unten umzu­ver­tei­len Die­se Kraft ent­steht nicht in den Par­la­men­ten, son­dern in den Betrie­ben, in den Wohn­vier­teln, Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten und auf der Stra­ße. Dafür müs­sen wir gemein­sam und soli­da­risch kämpfen.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar März 2026
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