Span­nen­der Info­abend der ISO Rhein-Neckar

‚Der ‚Iran-Krieg‘ – Brand­be­schleu­ni­ger des auto­ri­tä­ren Rechtsrucks?“

 

R. G.

Der Info­abend der ISO Rhein-Neckar im April 2026 befass­te sich erneut mit dem „Iran-Krieg“. Doch dies­mal ging es nicht direkt um den von Trump und Netan­ja­hu ange­zet­tel­ten Angriffs­krieg gegen den Iran. Viel­mehr war das The­ma der Zusam­men­hang von Krieg und auto­ri­tä­rem Rechtsruck.

Rot eingefärbt die globale Verbreitung der IGB-Gewerkschaften. (Grafik: Gemeinfrei - CC BY-SA. 4.0. )

Rot ein­ge­färbt die glo­ba­le Ver­brei­tung der IGB-Gewerk­schaf­ten. (Gra­fik: Gemein­frei - CC BY-SA. 4.0. )

In sei­nem infor­ma­ti­ven Vor­trag zeig­te unser Refe­rent auf, dass im Schat­ten aktu­el­ler Krie­ge der auto­ri­tä­re Umbau der bür­ger­lich-par­la­men­ta­ri­schen Demo­kra­tie vor­an­ge­trie­ben wird.
Dabei setz­te er sich mit ver­schie­de­nen Bei­trä­gen aus­ein­an­der. Zum einen mit dem vom US-His­to­ri­ker Timo­thy Sny­der am 4. April 2026 ver­öf­fent­lich­ten Text „Der nächs­te Putsch­ver­such – und wie man ihn ver­hin­dern kann“. Zum ande­ren mit zwei Flug­blät­tern des Inter­na­tio­na­len Gewerk­schafts­bun­des (IGB) zum „Putsch der Mil­li­ar­dä­re“ vom März 2025.

Leh­ren der Geschichte
Sny­der blickt zurück in die Geschich­te, um die Gegen­wart zu ver­ste­hen. Dabei kon­zen­triert er sich auf die auto­ri­tä­ren Gefah­ren für den bür­ger­lich-kapi­ta­lis­ti­schen Parlamentarismus.
Die Stär­ke von Sny­ders Text ist, dass er kennt­nis­reich und ver­dich­tet die aktu­el­le Ent­wick­lung in den USA mit his­to­ri­schen Bei­spie­len ver­gleicht. Mit der auto­ri­tä­ren Herr­schaft Bona­par­tes in Frank­reich Mit­te des 19. Jahr­hun­derts, der Eini­gung des deut­schen Rei­ches unter Bis­marck und dem Hit­ler-Faschis­mus. Nicht zuletzt mit der Poli­tik Putins, der durch Krieg und „aus­län­di­sche“ (mög­li­cher­wei­se selbst insze­nier­te) Ter­ror­an­schlä­ge die „Grün­de“ schafft, um par­la­men­ta­ri­sche Demo­kra­tie sowie Pres­se- und Mei­nungs­frei­heit ein­zu­schrän­ken und die Oppo­si­ti­on zu unter­drü­cken. Sny­der geht es aber nicht um Geschichts­be­trach­tung, son­dern dar­um, die auto­ri­tä­re Gefahr auf­zu­zei­gen, um so die Gegen­wehr zu stärken.

Die ent­schei­den­de Schwä­che Sny­ders ist, dass er sich nur auf der Ebe­ne der Poli­tik bewegt und in sei­ner Ana­ly­se nicht die sozia­len Klas­sen und deren gegen­sätz­li­che Inter­es­sen berück­sich­tigt. So kommt die Klas­sen­herr­schaft des Kapi­tals als Motor des auto­ri­tä­ren Umbaus genau­so wenig vor wie die arbei­ten­de Klas­se und deren gewerk­schaft­li­che Orga­ni­sa­tio­nen als ent­schei­den­de poli­ti­sche und sozia­le Fak­to­ren im Kampf gegen Auto­ri­ta­ris­mus und Trump.

Der Putsch der Milliardäre
Das aber ist genau die Stär­ke der Flug­blät­ter des IGB, in dem sich mehr als 150 Gewerk­schaf­ten zusam­men­ge­schlos­sen haben. Sie zei­gen auf, wel­che sozia­len Inter­es­sen hin­ter dem auto­ri­tä­ren Umbau ste­hen. Die Macht- und Pro­fit­in­ter­es­sen der Hyper­rei­chen. Eine beson­de­re Bedeu­tung hat für den IGB die unge­heu­re Kon­zen­tra­ti­on von Kapi­tal­macht in den Hän­den weni­ger Män­ner. Vor allem die US-Tech-Kon­zer­ne Alpha­bet, Meta, Apple, NVIDIA, Micro­soft, Tes­la und Ama­zon und deren Besit­zer haben welt­weit enor­men Ein­fluss. Sie domi­nie­ren nicht nur die IT-Bran­che, son­dern sind eng mit dem poli­ti­schen Macht- und Staats­ap­pa­rat der USA ver­knüpft. Sie sind ein zen­tra­ler Bestand­teil einer glo­ba­len Mani­pu­la­ti­ons- und Verdummungsmaschinerie.

In kla­rer Spra­che for­mu­liert der IGB die For­de­run­gen nach einem guten Leben für alle im Gegen­satz zu den Inter­es­sen der Kon­zer­ne und der Hyper­rei­chen. Das hebt sich wohl­tu­end ab vom sozi­al­part­ner­schaft­li­chen Gere­de der Vor­stän­de von Gewerk­schaf­ten wie der IGBCE und IG Metall.

Die größ­te Schwä­che der IGB-Tex­te ist, dass sie nicht aus­drück­lich benen­nen, dass der Kapi­ta­lis­mus selbst die ent­schei­den­de, zu besei­ti­gen­de Ursa­che für den Putsch der Mil­li­ar­dä­re ist. Dra­ma­tisch ist, dass der IGB der­zeit nicht die Kraft hat, welt­weit wirk­sa­men Wider­stand zu orga­ni­sie­ren. In die­ser Hin­sicht ist er abhän­gig von der Kampf­be­reit­schaft und -fähig­keit sei­ner natio­na­len Mit­glieds­or­ga­ni­sa­tio­nen. Den­noch kön­nen die Flug­blät­ter des IGB gut genutzt wer­den, um auf­zu­klä­ren und die Dis­kus­si­on über Klas­sen­herr­schaft und Gegen­wehr zu führen.

Anre­gen­der Austausch
Die anschlie­ßen­de Dis­kus­si­on bot Zeit und Raum für einen gelun­ge­nen Aus­tausch über den Vor­trag und die unter­schied­li­chen Posi­tio­nen der Teil­neh­men­den. Auch wenn es eine ein­hel­li­ge Ableh­nung von Krieg und auto­ri­tä­ren Ent­wick­lun­gen gab, so wur­den in der Dis­kus­si­on den­noch unter­schied­li­che Schwer­punk­te gesetzt.

Ein The­ma war die all­täg­li­che Mani­pu­la­ti­on durch Tech-Kon­zer­ne, Poli­tik und Medi­en. Deren Ziel ist, die „Öffent­lich­keit“ im Sin­ne der Kriegs- und Pro­fit­zie­le des Kapi­tals zu beein­flus­sen und auto­ri­tä­re Ideen mehr­heits­fä­hig zu machen. Um erfolg­reich Gegen­auf­klä­rung zu betrei­ben, braucht es den Auf­bau reich­wei­ten­star­ker Print- und Digitalmedien.

Aber das allein reicht nicht aus. Not­wen­dig ist, über­all dort, wo wir ler­nen, arbei­ten leben und lie­ben die Gegen­wehr gegen Rechts­ruck, Mili­ta­ri­sie­rung und die aktu­el­len sozia­len sowie poli­ti­schen Angrif­fe zu organisieren.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Mai 2026
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