Kli­ma, Klas­se, Widerstand“

Span­nen­de Tagung in Köln

 

A. N.

Vom 13. und 14. Juni 2026 fand in Köln die sechs­te Öko­so­zia­lis­ti­sche Kon­fe­renz der ISO statt. Etwa 75 Men­schen nah­men dar­an teil, hör­ten zu und dis­ku­tier­ten angeregt.

Logo Ökosozialistische Konferenz 2026.

Die dies­jäh­ri­ge Kon­fe­renz leg­te einen Schwer­punkt auf die rasant vor­an­ge­trie­be­ne Mili­ta­ri­sie­rung. Schließ­lich geht die­se nicht nur direkt mit Angrif­fen auf sozia­le Rech­te und Leis­tun­gen ein­her, son­dern auch mit einer wei­te­ren Zer­stö­rung der Lebens­grund­la­gen von Mensch und Natur. Dabei wur­den sowohl glo­ba­le als auch loka­le Ver­hält­nis­se in den Blick genom­men, der Inter­na­tio­na­lis­mus mit kon­kre­tem Han­deln vor Ort ver­knüpft und Theo­rie und Pra­xis zusam­men­ge­führt. Auf eini­ge der klei­ne­ren und grö­ße­ren Ver­an­stal­tun­gen wol­len wir hier eingehen.

Impe­ria­lis­mus
Eröff­net wur­de die Kon­fe­renz am Sams­tag­vor­mit­tag mit der Podi­ums­dis­kus­si­on „Impe­ria­lis­mus heu­te – Welt­herr­schafts­an­spruch im Zei­chen der Hege­mo­nie­kri­se“. Ingo Schmidt und Tho­mas Sab­low­ski leg­ten Ent­wick­lun­gen seit dem Beginn des 19. Jahr­hun­derts dar. Tho­mas Sab­low­ski erläu­ter­te wie die inter­na­tio­na­li­sier­te Pro­duk­ti­on zu Ver­flech­tun­gen führ­te, die auch die mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren­den Staa­ten in Abhän­gig­keit von­ein­an­der brach­te. Dabei sei die Kli­ma­kri­se ohne­hin nicht natio­nal zu lösen, ergänz­te Ingo Schmidt. Das Groß­ka­pi­tal hat jedoch auch kein Inter­es­se dar­an, die Kata­stro­phe in den Griff zu bekom­men. Umso wich­ti­ger ist der orga­ni­sier­te und ver­ein­te Wider­stand der arbei­ten­den Klasse.

Ansät­ze des Widerstands
Im Lau­fe des Sams­tag­nach­mit­tags wur­den unter­schied­li­che Ansät­ze die­ses Wider­stands beleuch­tet und dis­ku­tiert. Der Ge- nos­se Awad Abdelfattah wur­de per Live­stream aus Hai­fa zuge­schal­tet. Er beschrieb die Ent­wick­lun­gen seit dem Beginn des Geno­zids in Gaza als einen außer­or­dent­li­chen Moment in der Geschich­te, in dem vie­le Men­schen welt­weit gegen die Ver­hält­nis­se auf­ste­hen. Die­ser Völ­ker­mord schließt auch einen Öko­zid ein, durch den die grund­le­gen­den Lebens­struk­tu­ren in der Regi­on für Gene­ra­tio­nen zer­stört wer­den. In dem inter­na­tio­na­len Wider­stand dage­gen zeigt sich Abdelfattah zufol­ge auch, dass mili­tä­ri­sche Über­le­gen­heit zwar Gebäu­de zer­stö­ren, aber eine kol­lek­ti­ve Iden­ti­tät nicht aus­lö­schen kann. Damit beschrieb er eine sehr zen­tra­le Res­sour­ce des Wider­stands gegen impe­ria­lis­ti­sche Angriffe.

Ande­re The­men­grup­pen setz­ten sich mit den Schul­streiks gegen die „Wehr­pflicht“, der Ener­gie­po­li­tik, dem Irankrieg, unse­rem Öko­so­zia­lis­ti­schen Mani­fest und dem anste­hen­den Inte­r­atio­na­len Jugend­camp der IV. Inter­na­tio­na­len in Deutsch­land auseinander.

Mili­ta­ri­sie­rung der Arbeitswelt
Sehr kon­kret wur­de der Kampf gegen Mili­ta­ri­sie­rung und Kli­ma­ka­ta­stro­phe im Abend­po­di­um am Sams­tag beleuchtet.

Zum The­ma „Mili­ta­ri­sie­rung der Arbeits­welt – Orte der Bedro­hung, Mög­lich­kei­ten der Gegen­wehr“ berich­te­te Lars Hir­se­korn, Mit­glied des IGM-Ver­trau­ens­kör­pers bei VW Braun­schweig, von Bemü­hun­gen der Beleg­schaft, sich gegen den Umbau auf Kriegs­wirt­schaft ein­zu­set­zen. Die Peti­ti­on „Nein zum Umbau auf Kriegs­wirt­schaft“ kann online unter­stützt werden.

Anni­ka Fuchs von Robin Wood berich­te­te jedoch von den Schwie­rig­kei­ten, in Osna­brück ein Bünd­nis zwi­schen VW-Beschäf­tig­ten und zivil­ge­sell­schaft­li­chen Grup­pen aufzubauen.

Von einer gewis­sen Lethar­gie und Macht­lo­sig­keit sprach auch Alex­an­dra Wil­ler, die im Uni­kli­ni­kum Essen gewerk­schaft­lich aktiv ist. Die Vor­be­rei­tung auf den Kriegs­fall läuft auch in die­sem Bereich auf Hoch­tou­ren, ohne dabei ernst­haf­te Mög­lich­kei­ten einer Ver­sor­gung der mög­li­chen Opfer und ande­rer Pati­ent:- innen auf­bau­en zu können.

Lars Hir­se­korn und Anni­ka Fuchs beton­ten zum Abschluss der Dis­kus­si­on, wie wich­tig es ange­sichts der poli­ti­schen Lage ist, Lin­ke unter­schied­li­cher Strö­mun­gen und Akti­ve aus den Betrie­ben „an einen Tisch zu bringen“.

Kli­ma­fra­ge als Klassenfrage
Ins­be­son­de­re auf dem Abschluss­po­di­um am Sonn­tag unter dem Titel „Raus aus der Dys­to­pie – Wider­stand in Zei­ten der Kli­ma­ka­ta­stro­phe“ wur­de noch­mal deut­lich, dass die Kli­ma­fra­ge eine Klas­sen­fra­ge ist. Der Ein­satz für sinn­vol­le, not­wen­di­ge und nach­hal­ti­ge Pro­duk­ti­on lässt sich dabei gut mit der sozia­len For­de­rung nach einer Arbeits­zeit­ver­kür­zung bei vol­lem Lohn- und Per­so­nal­aus­gleich ver­bin­den, kam die Anre­gung aus dem Publikum.

Hier konn­ten wir nur einen klei­nen Teil der Inhal­te und Dis­kus­sio­nen die­ser sehr berei­chern­den Kon­fe­renz wie­der­ge­ben. Auch eine ange­neh­me, soli­da­ri­sche Stim­mung unter den Teil­neh­men­den lässt sich bes­ser erfah­ren als erzäh­len. Wie gut, dass für das kom­men­de Jahr wie­der eine Öko­so­zia­lis­ti­sche Kon­fe­renz ansteht – wir wer­den recht­zei­tig informieren.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Juli/August 2026
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