Eine kurze Geschichte des Spanischen Bürgerkriegs
H. F.
Am 17. Juli 1936 putschte das Militär gegen die Zweite Spanische Republik. Rechtzeitig zum 90. Jahrestag dieses einschneidenden Ereignisses ist beim Neuen ISP Verlag das Buch Krieg und Revolution, Eine kurze Geschichte des Spanischen Bürgerkriegs erschienen.

Milizkämpferinnen in Spanien, 1936. (Foto: Gerda Taro (gemeinfrei.))
Der Autor Paul Michel schreibt zum Grundgedanken des Buchs: „Für alle, die nach demokratischeren, sozial gerechteren Alternativen suchen (die ökologische Frage war damals noch kein Thema!), sind insbesondere die Jahre 1936 und 1937 eine wahre Fundgrube für Anregungen, wie es anders gehen kann. Das Besondere am ‚kurzen Sommer der Anarchie’ von 1936 ist, dass es sich nicht lediglich um nett formulierte Texte, sondern um praktizierte Wirklichkeit handelte. Die Kollektivierungen in Industrie und Landwirtschaft waren gelebte Utopie, die in einer äußerst brutalen Wirklichkeit ihre Rea- litätstüchtigkeit beweisen musste. Die Erfahrungen, die die an der Kollektivierung beteiligten Teile der Arbeiter*innenbewegung machten, vermitteln ein reales, anschauliches Bild davon, was Vergesellschaf- tung real heißt.“ (Michel, Vorwort, S. 8.)
Das Buch behandelt den Spanischen Bürgerkrieg von seinen Wurzeln in der spanischen Gesellschaft des frühen zwanzigs- ten Jahrhunderts bis zu seinem bitteren Ende März 1939 mit dem Einmarsch der Truppen Francos in Madrid.
Nach dem gescheiterten Putsch vom 17.- 20. Juli 1936 konnte Franco infolge der massiven Intervention der faschistischen Regimes Italiens und Deutschlands eine grundlegende Veränderung des Kräfteverhältnisses zu seinen Gunsten erreichen. Ende 1936 vermochte die Republik dank der Militärhilfe aus der Sowjetunion und des Eingreifens der Internationalen Brigaden noch die Angriffe Francos auf Madrid erfolgreich abwehren. In der Folgezeit gelang es aber den Truppen Francos, die Republik trotz heroischen Widerstands in einem verlustreichen Zermürbungskrieg niederzuringen.
Soziale Revolution gegen Putsch
Der Putsch der Generäle hatte genau das ausgelöst, was er eigentlich verhindern wollte: die soziale Revolution. Der im Sommer 1936 hauptsächlich von anarchistischen Kräften betriebene Versuch einer grundlegenden Umwälzung der kapitalistischen Ökonomie mit dem Ziel der Selbstverwaltung von Wirtschaft und Gesellschaft durch die städtische und ländliche Arbeiterklasse kann zu Recht als einer der bedeutendsten Emanzipationsversuche der bisherigen Geschichte bezeichnet werden.
Als konkretes Beispiel ist in Krieg und Revolution eine zeitgenössische Reportage von Albert Weisbord (S. 70-74) über die Kollektivierung der Straßenbahnen in Barcelona enthalten. Sie zeigt auf: Ohne Bosse kann die Arbeit sinnvoller und effizienter organisiert und gleichzeitig können die Löhne erhöht, die Lohnschere verringert und die Arbeitsbedingungen verbessert werden.
Ebenso enthält Michels Buch thematische Kapitel über die Rolle der Frauen in der Revolution – die „Mujeres Libres“ – und über den rechten und „linken“ Terror.
Von Anfang an bestanden im republikanischen Lager Konflikte zwischen den Kräften, die eine soziale Revolution wollten, und den Gemäßigten in der „Volksfront“, die nur eine bürgerlich-kapitalistische Republik anstrebten. Diese Auseinandersetzungen, die im Mai 1937 mit dem Sieg der „Gemäßigten“ endeten, werden im Buch detailliert behandelt.
