EU-Gip­fel puscht Militarisierung

„Kano­nen statt Butter“

 

H. S.

Die EU-Regie­run­gen, allen vor­an Ber­lin, drän­gen auf eine Ver­län­ge­rung und Aus­wei­tung des Ukrai­ne­kriegs. Dabei geht es nicht um den Schutz der Men­schen in der Ukrai­ne, die gera­de in die­sem geo­po­li­ti­schen Stell­ver­tre­ter­krieg zwi­schen NATO und Russ­land als Kano­nen­fut­ter ver­heizt wer­den. Es geht viel­mehr dar­um, die Euro­päi­sche Uni­on zu einer eigen­stän­di­gen Mili­tär­macht auf­zu­bau­en. Das wur­de jeden­falls auf dem EU-Gip­fel Mit­te Okto­ber 2026 deutlich.

DGB-Demo in Stuttgart, 26. September 2026. (Foto: Helmut Roos.)

DGB-Demo in Stutt­gart, 26. Sep­tem­ber 2026. (Foto: Hel­mut Roos.)

Die­ser Kurs geht mit einer Eska­la­ti­on ein­her, die nicht nur auf eine Inten­si­vie­rung des Ukrai­ne-Krie­ges setzt, son­dern auch die Gefahr einer direk­ten, mög­li­cher­wei­se auch mit Atom­waf­fen geführ­ten Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen der NATO und Russ­land verstärkt.

Auf­rüs­tung und Sozialabbau
Die Kriegs­trei­be­rei nach außen ist mit ver­schärf­ten sozia­len Angrif­fen und auto­ri­tä­ren Maß­nah­men im Inne­ren ver­bun­den. Die euro­päi­sche Ant­wort auf die Kri­se des Bünd­nis­ses mit den USA ist ein gigan­ti­sches Auf­rüs­tungs­pro­gramm. Mit „ReArm Euro­pe“ sol­len bis 2030 zusätz­li­che Mili­tär­aus­ga­ben von bis zu 800 Mil­li­ar­den Euro mög­lich wer­den; das SAFE-Pro­gramm stellt 150 Mil­li­ar­den Euro an Kre­di­ten bereit.

In Deutsch­land sol­len die Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben 2027 auf etwa 140 Mil­li­ar­den Euro stei­gen – und auf weit über 200 Mil­li­ar­den 2029. Die Bun­des­re­gie­rung will die Bun­des­wehr zur stärks­ten kon­ven­tio­nel­len Armee Euro­pas auf­bau­en und schielt auf eine ato­ma­re Bewaffnung.

Die­se Sum­men haben unmit­tel­ba­re gesell­schaft­li­che Kon­se­quen­zen. Wäh­rend für Auf­rüs­tung die Schul­den­re­geln gelo­ckert wer­den, orga­ni­sie­ren die euro­päi­schen Regie­run­gen his­to­ri­sche Kür­zun­gen bei sozia­len Leis­tun­gen und öffent­li­chen Diensten.

Unter dem Schlag­wort „Wett­be­werbs­fä­hig­keit“ ver­ab­schie­de­te der EU-Gip­fel Maß­nah­men zur Dere­gu­lie­rung, beschleu­nig­te Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren und wei­te­re wirt­schaft­li­che Umstruk­tu­rie­run­gen. Arbeits- und Aus­bil­dungs­plät­ze sol­len ein­fa­cher abge­baut, Löh­ne gekürzt und Arbeits­be­din­gun­gen ver­schlech­tert werden.

Wach­sen­der Wider­stand in Europa
Die extre­me Mili­ta­ri­sie­rung ist auch eine Reak­ti­on auf den wach­sen­den sozia­len und poli­ti­schen Wider­stand in Euro­pa. In Frank­reich, Ita­li­en, Spa­ni­en und ande­ren Län­dern ent­wi­ckeln sich Mas­sen­pro­tes­te und Streiks gegen Sozi­al­kür­zun­gen, Mili­ta­ris­mus und auto­ri­tä­re Maßnahmen.

Ange­sichts der tie­fen Kri­se der eta­blier­ten Par­tei­en ver­su­chen die herr­schen­den Klas­sen, die­se Oppo­si­ti­on durch Kriegs­pro­pa­gan­da und Natio­na­lis­mus zu schwä­chen und die Bevöl­ke­rung auf Mili­ta­ri­sie­rung und Kriegs­trei­be­rei einzuschwören.

Doch die­ser Kurs wird die Klas­sen­ge­gen­sät­ze noch wei­ter ver­schär­fen. Die gigan­ti­schen Rüs­tungs­aus­ga­ben, die Zer­stö­rung von Arbeits­plät­zen und Sozi­al­leis­tun­gen und die zuneh­men­den Angrif­fe auf demo­kra­ti­sche Rech­te wer­den den Wider­stand von Tei­len der arbei­ten­den Klas­se und der Jugend nicht ersti­cken, son­dern wei­ter stärken.

Gegen­wehr in Deutschland?
In Deutsch­land ist die Gegen­wehr gegen die Angrif­fe von Kapi­tal und Poli­tik bis­her viel zu wenig sicht­bar. Die Gewerk­schafts­füh­run­gen ver­har­ren immer noch in ihren sozi­al­part­ner­schaft­li­chen Träumen.

Die Gewerk­schafts­pro­tes­te im Sep­tem­ber waren unzu­rei­chend. Eine Per­spek­ti­ve kon­se­quen­ter Ver­tei­di­gung, zum Bei­spiel mit wirk­sa­men Streiks, ist bis­lang nicht zu erkennen.

Jetzt braucht es eine Gewerk­schafts­po­li­tik, die bereit ist, sich dem Kon­flikt mit dem Kapi­tal nicht nur natio­nal, son­dern auch inter­na­tio­nal ent­ge­gen­zu­stel­len. Dies ist auch das bes­te Gegen­mit­tel gegen den wei­te­ren Auf­stieg des Faschismus.

Die arbei­ten­de Klas­se und die Gewerk­schafts­be­we­gung müs­sen sich unabhängi‌‌g von den eta­blier­ten Par­tei­en orga­ni­sie­ren und ihre Kämp­fe über alle Gren­zen hin­weg gegen Kapi­ta­lis­mus, Faschis­mus, Mili­ta­ris­mus und Krieg ver­ei­nen. Mil­lio­nen sind stär­ker als Milliardäre!

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Novem­ber 2026
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