M. G.
Ab Ende August 2026 fanden in französischen „Überseedepartements“ erste Schulblockaden statt.

250.000 in Paris, 24. Oktober 2026. (Foto: Photothèque Rouge/Martin Noda/Hans Lucas.)
Mitte September passierte es auch in der Bretagne, und am 17. September protestierten Schüler:innen in Créteil bei Paris im Anschluss an einen Streik ihrer Lehrkräfte gegen die unhaltbaren Zustände an ihrer Schule.
Sehr schnell breitete sich danach eine landesweite Bewegung gegen die Misere im Bildungswesen aus, die durch die staatliche Kürzungs- und Selektionspolitik verursacht worden ist.
Brutale Polizeigewalt
Die Regierung versuchte, die Schulblockaden mit brutaler Polizeigewalt zu unterdrücken und mit gesteuerter Medienberichterstattung zu diskreditieren. Jedoch ist diese Strategie bisher gründlich gescheitert.
Das lag weniger daran, dass bald auch Universitäten bestreikt wurden. Mit entscheidend für die Ausweitung der Proteste war die solidarische und mutige Reaktion von Lehrkräften, Eltern, Gewerkschaftsmitgliedern und einzelnen Politiker:innen. Sie stellten sich schützend vor die Schüler:innen und erschwerten Polizeiübergriffe. Zudem gab es im Öffentlichen Dienst Streiks, wie den der Feuerwehrleute.
So konnte sich die Jugendrevolte zu einem massenhaften sozialen Widerstand ausweiten. Nach Gewerkschaftsangaben demonstrierten am 29. September bereits 300.000 Menschen im ganzen Land. Jeweils rund 800.000 protestierten sowohl am 17. als auch am 24. Oktober gegen die Folgen der neoliberalen Politik Macrons und seiner Regierung.
Empörung von „unten“
Es gibt nicht nur in Frankreich, sondern auch international eine enorme Empörung von „unten“ über die soziale Ungerechtigkeit und Ungleichheit sowie die Arroganz und Gier der „da oben“.
Junge und Ältere, Schüler:innen, Studierende, Arbeiter:innen, Angestellte, Bäuer:innen und Rentner:innen protestieren gemeinsam. Preissteigerungen, Repression, Rassismus und vieles mehr machen sie wütend.
Die in Panik geratene Staatspitze unter Präsident Macron, setzt nach wie vor auf massive Repression, die sie mittlerweile taktisch mit „Gesprächsangeboten“ und „Zugeständnissen“ garniert.
Jedoch greifen ihre schwerbewaffneten „Ordnungskräfte“ nach wie vor friedliche Demos an. Sie verletzten schon bislang Hunderte von Menschen − zum Teil schwer. Sie griffen Tausende mit Tränengas und Schlagstöcken an, kesselten sie ein, nahmen sie fest. Ausgangssperren wurden verhängt.
Lügen der Herrschenden
Diese Polizeistaatsmethoden werden in „Nachrichten“ rund um die Uhr gerechtfertigt. Sie verbreiten ständig (besonders eifrig auch in Deutschland!) die Lügen der Herrschenden, die dem Faschismus weiter den Weg ebnen: Die „Gewalt der Straße“ und der „extremen Linken“ müsse mit allen Mitteln eingedämmt werden. Nur so könnten „Ruhe und Ordnung“ wieder hergestellt werden.
Ja, es gab und gibt Gewalt von Trittbrettfahrern der friedlichen Massenproteste. Das sind Grüppchen von Pseudoradikalen oder Gangs von ausgegrenzten Jugendlichen aus den heruntergekommenen Ghettos der Vorstädte.
Nicht zuletzt spielen aber als „Autonome“ verkleidete Zivilpolizisten, „Agents provocateurs“, eine zentrale Rolle. Sie produzieren Vorwände für die enorme Brutalität der schwer bewaffneten Polizeitruppen und ermöglichen TV-Bilder von „gewalttätigen Randalierern“. Damit helfen sie auch, die staatliche Repression gegen linke Organisationen wie die NPA und deren Sprecher Philippe Poutou vorzubereiten.
Chancen der Gegenwehr
In einem Interview mit marx21.ch meinte unser französischer Genosse Olivier Besancenot: Es ist „äußerst wichtig, das Ausmaß dessen zu verstehen, was gerade geschieht. Ich habe an dieser Demonstration [am 17.10.] teilgenommen und habe in meinem ganzen Leben noch nie eine ähnliche erlebt, was die Größe, die Entschlossenheit und die soziale Vielfalt betrifft.“
Oliviers Einschätzung nach handelt es sich um eine Bewegung, „die nicht einfach so verschwinden“ wird. Denn „es steckt etwas zu Starkes, zu Tiefgreifendes in dem, was sich gerade geäußert hat: eine Bewegung, die ausschließlich über die sozialen Netzwerke mobilisiert und anschließend von einer Reihe von Organisationen unterstützt wurde. Das sagt etwas über eine neue Phase aus, die voller neuer Möglichkeiten ist und die uns Hoffnung geben muss, trotz der Sorgen, die anhalten“.
Vor allem die für den 5. November geplanten branchenübergreifenden Streiks werden zeigen, wohin die Reise geht.
Denn nur Massenstreiks der arbeitenden Klasse können sichtbar machen, wer den gesellschaftlichen Reichtum produziert und den Laden am Laufen hält. Nur so kann neues politisches Klassenbewusstsein entstehen. Nur so können bessere Zeiten durchgesetzt werden.
