Der Kli­ma­ka­ta­stro­phe begegnen

Öko­so­zia­lis­ti­sche Kon­fe­renz der ISO

N.B.

Am 12. und 13. Juni fand im Schie­fer­park Lehes­ten in Thü­rin­gen die zwei­te Öko­so­zia­lis­ti­sche Kon­fe­renz der ISO mit ca. 30 Teil­neh­men­den statt. Unse­re Devi­se: „Der Kata­stro­phe begegnen“.

Wo ste­hen wir in der sozia­lis­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung mit der Kli­ma­ka­ta­stro­phe? Wel­che Lücken gilt es dabei zu fül­len? Und wie soll­ten wir unse­re Arbeit aus­rich­ten? Gerahmt von die­sen Fra­gen wur­den auf der Kon­fe­renz als zen­tra­le The­men die Ver­kehrs­po­li­tik und die Land­wirt­schaft diskutiert.

FFF-Demo in Aachen, 21. Juni 2019 (Foto:Avanti²)

FFF-Demo in Aachen, 21. Juni 2019 (Foto:Avanti²)

Kli­ma­ka­ta­stro­phe und Gegenwehr
Zum Auf­takt der Kon­fe­renz debat­tier­ten Nora Bräck­lein, Paul Michel und Win­fried Wolf über den Ernst und die Dring­lich­keit der Lage. Wäh­rend die­se im Bewusst­sein der Mas­sen ange­kom­men sei, stün­den die meis­ten Men­schen der sich anbah­nen­den Kata­stro­phe recht hilf­los gegen­über. Die Men­schen lit­ten schon jetzt enorm unter der Kli­ma­ka­ta­stro­phe und ihren Ursa­chen – der Aus­beu­tung von Natur und Mensch. Auch dar­an gel­te es anzuknüpfen.

Neben dem sub­jek­ti­ven Fak­tor des Bewusst­seins müs­sen wir aber auch die stoff­li­che Sei­te mehr in unse­ren Fokus rücken: die natur­wis­sen­schaft­li­chen und tech­ni­schen Aspek­te der Kli­ma­ka­ta­stro­phe und mög­li­cher Auswege.

Kri­sen­herd Tierindustrie
In einer ers­ten Work­shop-Pha­se leg­te Tina Ress (Bünd­nis „Gemein­sam gegen die Tier­in­dus­trie“) dar, wie die Tier­in­dus­trie Mensch, Tier und Umwelt bru­tal aus­beu­te. Dage­gen rege sich aber Wider­stand, in Deutsch­land wie auch inter­na­tio­nal. An vor­ders­ter Front ste­hen dabei Frau­en, die durch ihre gesell­schaft­li­che Posi­ti­on als Sor­gen­de am direk­tes­ten mit der Umwelt­zer­stö­rung und ihren Fol­gen kon­fron­tiert sei­en. Dazu behan­del­ten die Teil­neh­men­den mit Mari­j­ke Col­le (bel­gi­sche Sek­ti­on der IV. Inter­na­tio­na­le) im par­al­lel statt­fin­den­den Work­shop den sozia­lis­ti­schen Ökofeminismus.

Klas­sen­kampf im Verkehr
Mit Vio­let­ta Bock und Win­fried Wolf dis­ku­tier­ten wir anschlie­ßend, wie eine klas­sen­po­li­ti­sche Ver­kehrs­wen­de aus­se­hen kön­ne. In Bezug auf einen kli­ma­freund­li­chen über­re­gio­na­len und inter­na­tio­na­len Ver­kehr wies Win­fried Wolf der Tarif­aus­ein­an­der­set­zung der GDL (Gewerk­schaft Deut­scher Loko­mo­tiv­füh­rer) eine gro­ße poli­ti­sche Bedeu­tung zu.

Vio­let­ta Bock mach­te sich für einen guten kom­mu­na­len Nah­ver­kehr stark. Hier kön­ne man direkt an der Lebens­rea­li­tät ins­be­son­de­re der arbei­ten­den Klas­se anknüp­fen und gemein­sam Erfol­ge erkämpfen.

Uto­pie und Alternativen
Den Bogen zu der Gesamt­per­spek­ti­ve des öko­lo­gi­schen Sozia­lis­mus schlu­gen die bei­den Work­shops am Sonn­tag. Mit Ange­la Klein und Rosi Reindl spra­chen Teil­neh­men­de über das Ver­hält­nis von Mensch und Natur bei Marx, der die Pro­duk­ti­on ins Zen­trum die­ses Ver­hält­nis­ses stelle.

Paul Michel ging im par­al­le­len Work­shop auf his­to­ri­sche Erfah­run­gen mit der Plan­wirt­schaft ein. Eine im Sin­ne der mensch­li­chen Bedürf­nis­se geplan­te, an den Gren­zen und Geset­zen der Natur aus­ge­rich­te­te Wirt­schaft sei unab­ding­bar für die Ret­tung der Umwelt und der Menschheit.

Wie wei­ter?
Nach einer ers­ten rein vir­tu­el­len Öko­so­zia­lis­ti­schen Kon­fe­renz im letz­ten Jahr tat das rea­le Zusam­men­kom­men allen gut. Wie Vio­let­ta Bock auf dem Abschluss­ple­num aber beton­te, müs­sen wir uns bei dem herr­schen­den Umgang mit der Umwelt dar­auf gefasst machen, immer häu­fi­ger in gesell­schaft­li­che Aus­nah­me­si­tua­tio­nen zu gera­ten, auf die die Coro­na-Pan­de­mie ein ver­gleichs­wei­se mil­der Vor­ge­schmack sein dürfte.

Mari­j­ke Col­le, Ange­la Klein und Vio­let­ta Bock dis­ku­tier­ten auf dem Abschluss­po­di­um die Dring­lich­keit, öko­lo­gi­sche Kämp­fe fort­zu­füh­ren und zu radi­ka­li­sie­ren, um sie zu ver­bin­den und auf eine gesell­schaft­li­che und öko­lo­gi­sche Alter­na­ti­ve jen­seits der kapi­ta­lis­ti­schen Aus­beu­tung von Mensch und Natur hinzuarbeiten.

Immer wie­der wur­de im Lau­fe der Kon­fe­renz die Fra­ge auf­ge­wor­fen, wie wir mehr Men­schen für unse­re Ideen gewin­nen kön­nen: durch ver­stärk­te Bünd­nis­ar­beit oder durch orga­ni­sie­ren­de Basis­ar­beit? In wel­chem Ver­hält­nis ste­hen die­se bei­den stra­te­gi­schen Her­an­ge­hens­wei­sen zuein­an­der? Und wel­che Per­spek­ti­ven bie­ten sie?

Die auf der Kon­fe­renz begon­ne­nen Aus­ein­an­der­set­zun­gen wol­len wir kon­ti­nu­ier­lich fort­füh­ren und mit unse­rer Pra­xis ver­bin­den. Im kom­men­den Jahr soll es mit der drit­ten Öko­so­zia­lis­ti­schen Kon­fe­renz der ISO eine Fort­set­zung geben.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Juli/August 2021
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