Der Putsch der Milliardäre –

Gewerk­schaf­ten unter Beschuss?

 

U. D.

Die Kon­zen­tra­ti­on von Reich­tum und Macht nimmt wei­ter zu. Mil­li­ar­dä­re wie Musk oder Thiel nut­zen ihre enor­me Kapi­tal­macht, um Wirt­schaft, Poli­tik, Gesetz­ge­bung und Medi­en zu beein­flus­sen. Ihr Ziel ist der auto­ri­tä­re Umbau von Staat und Gesellschaft.

Musk und Trump im Weißen Haus, 11. Februar 2025. (Foto: Gemeinfrei.)

Musk und Trump im Wei­ßen Haus, 11. Febru­ar 2025. (Foto: Gemeinfrei.)

Sie wol­len nicht Frei­heit, Demo­kra­tie und gutes Leben für alle. Ihnen geht es um die Besei­ti­gung aller Hin­der­nis­se ihrer eige­nen Frei­heit, sich noch mehr Reich­tum und Macht zu ver­schaf­fen. Der Inter­na­tio­na­le Gewerk­schafts­bund hat bereits 2025 vor die­sem „Putsch der Mil­li­ar­dä­re“ gewarnt

Putsch der Milliardäre
Die Super­rei­chen und Kon­zer­ne wol­len weder ihre Macht noch ihre Pro­fi­te tei­len. Daher ist es kein Wun­der, dass sie die inter­na­tio­na­le Gewerk­schafts­be­we­gung mas­siv bekämp­fen. Denn die­se ist die ein­zi­ge orga­ni­sier­te sozia­le Kraft, die ihre Inter­es­sen gefähr­den könn­te. Dazu passt auch, dass sie offen auto­ri­tä­re und faschis­ti­sche Per­so­nen und Par­tei­en unterstützen.

Dahin­ter ver­birgt sich eine glo­bal koor­di­nier­te Klas­sen­po­li­tik des Kapi­tals. Jeg­li­cher Wider­stand der arbei­ten­den Klas­sen soll ver­hin­dert wer­den. Kol­lek­ti­ve Inter­es­sen­ver­tre­tun­gen sol­len hand­zahm gemacht oder besei­tigt wer­den. Ziel ist im Kern eine Neu­auf­la­ge der Betriebs­ge­mein­schaft des Hit­ler-Faschis­mus, in der der Unter­neh­mens­füh­rer fak­tisch allei­ne entscheidet.

Deutsch­land galt lan­ge als Vor­bild der fried­li­chen Zusam­men­ar­beit zwi­schen Kapi­tal und Arbeit. Die „Sozi­al­part­ner­schaft“ wird bis heu­te als his­to­ri­scher Kom­pro­miss ver­kauft, der bei­den Sei­ten nützt. Doch die Wirk­lich­keit sieht anders aus.

1991 waren 36 Pro­zent aller Beschäf­tig­ten gewerk­schaft­lich orga­ni­siert, heu­te sind es nur 16 Pro­zent. 2024 war nur noch für 49 % aller Beschäf­tig­ten das Beschäf­ti­gungs­ver­hält­nis tarif­lich gere­gelt. Die ande­ren haben kei­ne tarif­lich gere­gel­ten Löh­ne und Arbeitszeiten.

Dies ist das Ergeb­nis neo­li­be­ra­ler Poli­tik und jahr­zehn­te­lan­ger Kapi­tal­stra­te­gien. Zum Bei­spiel: Auf­spal­tung und Ver­kauf von Unter­neh­men, Aus­la­ge­run­gen in tariffreie Toch­ter­fir­men, Werk­ver­trä­ge, Leih­ar­beit, Schein­selbst­stän­dig­keit und Pro­duk­ti­ons­ver­la­ge­run­gen. Erreicht wird damit immer das­sel­be: die betrieb­li­che und gewerk­schaft­li­che kol­lek­ti­ve Ver­hand­lungs­macht der Beschäf­tig­ten zu schwä­chen oder ganz zu beseitigen.
Es ist ein Skan­dal und ein Desas­ter, dass die Mehr­heit der Funktionär:innen der deut­schen Gewerk­schaf­ten die­se Ent­wick­lung nicht mas­siv bekämpft hat, son­dern nur „sozi­al abfe­dern“ wollte.

Gleich­zei­tig hat der Neo­li­be­ra­lis­mus die öffent­li­che Deu­tungs­ho­heit erlangt. „Wett­be­werbs­fä­hig­keit“, „Fle­xi­bi­li­sie­rung“ und „Ent­bü­ro­kra­ti­sie­rung“ gel­ten dem­nach als not­wen­di­ge Sach­zwän­ge – Streiks, Arbeits­zeit­ver­kür­zung und Lohn­stei­ge­run­gen da- gegen als Risi­ko und Belas­tung für Wirt­schaft und Gesellschaft.

Ver­schärf­te Angriffe
Trotz „Sozi­al­part­ner­schaft“ grei­fen auch in Deutsch­land Unter­neh­men seit vie­len Jah­ren offen und aggres­siv Gewerk­schaf­ten, Tarif­bin­dung, Betriebs­rä­te und das Arbeits­recht an.

Immer wie­der wird eine wei­te­re Ein­schrän­kung des deut­schen Streik­rechts gefor­dert. Zum Bei­spiel als die Gewerk­schaft Deut­scher Loko­mo­tiv­füh­rer (GDL) 2024 für bes­se­re Arbeits­be­din­gun­gen streikte.

In zahl­lo­sen Betrie­ben wer­den Betriebs­rats­wah­len sys­te­ma­tisch be- oder sogar ver­hin­dert. Fir­men­lei­tun­gen set­zen exter­ne Unrechts-Anwäl­te ein, um Beleg­schaf­ten ein­zu­schüch­tern und kämp­fe­ri­sche Betriebs­rä­te zu mob­ben und zu kündigen.

Die Digi­ta­li­sie­rung wur­de vom Kapi­tal bewusst genutzt, um neue Arbeits­ver­hält­nis­se zu schaf­fen: Kurier­fah­rer, Click­wor­ker und Gig­wor­ker sind recht­lich selbst­stän­dig, aber wirt­schaft­lich abhän­gig. Sie genie­ßen weder Arbeits­recht noch Tarif­schutz. Zudem sind sie „frag­men­tiert“ und dar­um schwer zu organisieren.

Gegen­wehr ist möglich
Die Betei­li­gung bei Tarif­run­den der letz­ten Jah­re im Öffent­li­chen Dienst oder bei der Deut­schen Bahn AG und die Orga­ni­sie­rungs­er­fol­ge bei Ama­zon oder Tes­la zei­gen, dass kol­lek­ti­ve Gegen­wehr immer noch mög­lich ist. Aber die sozi­al­part­ner­schaft­li­che Ein­bin­dung der gro­ßen Mehr­heit der Gewerk­schafts­ap­pa­ra­te ver­hin­dert ent­schie­de­nen Wider­stand und droht die poli­ti­sche und orga­ni­sa­to­ri­sche Schwä­chung der Gewerk­schaf­ten zu beschleunigen.

Umso wich­ti­ger ist es, in der Arbeits­welt und in den Gewerk­schaf­ten für eine kon­se­quen­te und kämp­fe­ri­sche Poli­tik ein­zu­tre­ten, die sich aus­schließ­lich an den Inter­es­sen der Beschäf­tig- ten ori­en­tiert. Dabei sind gemein­sa­me, soli­da­ri­sche und demo­kra­tisch orga­ni­sier­te Aktio­nen von zen­tra­ler Bedeutung.

Es geht um nicht weni­ger als um die Zukunft kol­lek­ti­ver Gegen­macht der arbei­ten­den Klas­se. Es geht dar­um, ob der Putsch der Mil­li­ar­dä­re Erfolg haben wird und sich in sei­nem Fahr­was­ser der auto­ri­tär-liber­tä­re Rechts­ruck fortsetzt.

Noch ist nichts ent­schie­den. Noch ist Zeit – nut­zen wir sie.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Mai 2026
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