„Schul­streik gegen Wehrplicht“

Gegen ver­pflich­ten­de Mus­te­run­gen und Kriegsdienst

 

A. N.

Zum vier­ten Mal demons­trier­ten am 25. Sep­tem­ber 2026 Schüler:innen in ganz Deutsch­land gegen den Kriegs­dienst. Laut der Initia­ti­ve „Schul­streik gegen Wehr­pflicht“ betei­lig­ten sich rund 45.000 Men­schen an den Protesten.

Sie wol­len nicht zu Drill und Gehor­sam erzo­gen wer­den. Erst recht nicht wol­len sie als Kano­nen­fut­ter für den deut­schen Staat und die Kon­zer­ne dienen.

Ver­pflich­ten­de Musterungen
Vor dem Streik wur­de deut­lich, dass die Vor­be­rei­tun­gen auf die Wie­der­ein­füh­rung der Kriegs­dienst­pflicht auf Hoch­tou­ren lau­fen. Exakt eine Woche vor dem Schul­streik hat­te das „Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­um“ ange­kün­digt, wie­der ver­pflich­ten­de Mus­te­run­gen einzuführen.

Bis­her war nur das Aus­fül­len eines Fra­ge­bo­gens für Jungs ver­pflich­tend. Wer dar­auf ange­ge­ben hat­te, sich kei­nen Kriegs­dienst vor­stel­len zu kön­nen, wur­de auch nicht zur Mus­te­rung gela­den. Die­se Pra­xis hat­te sich über den Som­mer lang­sam geän­dert. Neu­er­dings kön­nen nun auch ganz offi­zi­ell alle männ­li­chen 18-Jäh­ri­gen ein­ge­la­den wer­den, unab­hän­gig von ihren Anga­ben auf dem Fra­ge­bo­gen. Zur Unter­su­chung gehört wie frü­her schon neben einem Fit­ness­test auch das über­grif­fi­ge und ernied­ri­gen­de Abtas­ten der Genitalien.

Bewe­gung der betrof­fe­nen Jugend
Vie­le Jugend­li­che sind ent­schlos­sen, das nicht pro­test­los hin­zu­neh­men. Sie strei­ken wei­ter­hin regel­mä­ßig. Sie orga­ni­sie­ren sich bun­des­weit und sind vie­ler­orts in Streik­ko­mi­tees aktiv. Am letz­ten Sep­tem­ber-Frei­tag brach­ten sie so laut eige­nen Anga­ben in über 100 Städ­ten Schüler:innen auf die Stra­ße. Unter­stüt­zung erhiel­ten sie dabei von der Frie­dens­be­we­gung, von Tei­len der GEW, gewerk­schaft­li­chen Jugend­or­ga­ni­sa­tio­nen sowie lin­ken Grup­pie­run­gen und Parteien.

Schulstreik-Demo in Mannheim, 25. September 2026. (Foto: Helmut Roos.)

Schul­streik-Demo in Mann­heim, 25. Sep­tem­ber 2026. (Foto: Hel­mut Roos.)

In Baden-Würt­tem­berg pro­tes­tier­te eine vier­stel­li­ge Zahl an jugend­li­chen und auch älte­ren Kriegsgegner:innen. Auch in Mann­heim und Hei­del­berg wur­de gestreikt. Aller­dings hat­ten die Schüler:innen in Baden-Würt­tem­berg und Bay­ern dies­mal nur eine recht kur­ze Mobi­li­sie­rungs­zeit, da der Streik bereits kurz nach den Som­mer­fe­ri­en stattfand.

Auf­fäl­lig ist dabei, wie wenig Raum die Bericht­erstat­tung über den Schul­streik in den Mas­sen­me­di­en erfährt. Auch dies dürf- te Aus­druck der ideo­lo­gi­schen Kriegs­vor­be­rei­tun­gen sein, die längst schon von den öffent­lich-recht­li­chen und den pri­va­ten bür­ger­li­chen Medi­en betrie­ben werden.

Auf­rüs­tung, Kriegs­dienst und Sozialabbau
Die akti­ven Schüler:innen sind sich der Zusam­men­hän­ge zwi­schen der Auf­rüs­tung, die sie in den Kriegs­dienst zieht, und dem mas­si­ven Sozi­al­ab­bau sehr bewusst. Ins­be­son­de­re stel­len sie den Bezug zwi­schen Rüs­tungs­aus­ga­ben und maro­den Schu­len mit ver­al­te­ten Mate­ria­li­en und über­las­te­ten Lehr­kräf­ten her. Wäh­rend Mil­li­ar­den in Kriegs­vor­be­rei­tun­gen flie­ßen, wer­den Bil­dungs­ein­rich­tun­gen kaputtgespart.

Vor die­sem Hin­ter­grund gilt es nun, einen geein­ten Wider­stand zu orga­ni­sie­ren. Der unter ande­rem vom DGB ange­kün­dig­te „hei­ße Herbst“ wird nur Erfol­ge zei­gen, wenn er den Gene­ral­an­griff auf unse­re Lebens­be­din­gun­gen auch als sol­chen bekämpft, gemein­sam mit allen betrof­fe­nen Grup­pen und Bewegungen.

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Okto­ber 2026
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