Wo bleibt der hei­ße Herbst?

Erhel­len­der Okto­ber-Info­abend der ISO Rhein-Neckar

 

A. N.

Aus­nahms­wei­se an einem Mitt­woch traf sich eine klei­ne Schar von Akti­ven am 14. Okto­ber in Prä­senz und im Netz zu unse­rem monat­li­chen Info­abend, um sich die Fra­ge zu stel­len: „Wo bleibt der hei­ße Herbst?“

DGB-Demo in Stuttgart, 26. September 2026. (Foto: Helmut Roos.)

DGB-Demo in Stutt­gart, 26. Sep­tem­ber 2026. (Foto: Hel­mut Roos.)

Die geplan­ten und teil­wei­se bereits beschlos­se­nen „Refor­men“ der Merz-Kling­beil-Regie­rung hei­zen ordent­lich ein – im über­tra­gen­den Sin­ne, weni­ger im wört­li­chen. Denn die Erfül­lung von Grund­be­dürf­nis­sen wie einer geheiz­ten Woh­nung im stür­mi­schen Herbst und kal­ten Win­ter wer­den bei immer mehr Men­schen von der herr­schen­den Poli­tik verhindert.

Unser Refe­rent stell­te dar, wie die „Refor­men“ sich ein­rei­hen in die­se rau­en Zei­ten von Kli­ma­ka­ta­stro­phe, Rechts­ruck und dro­hen­dem Faschis­mus, Mili­ta­ri­sie­rung, Angrif­fen auf erkämpf­te Grund- und Arbeits­rech­te sowie Gesund­heits- und Sozi­al­sys­te­me. Wir erle­ben einen Gene­ralan- griff, der kei­nen Lebens­be­reich unbe­rührt lässt.

Klas­sen­kampf von oben
In der Arbeits­welt zei­ge sich der Klas­sen­kampf von oben durch die Ver­nich­tung hun­dert­tau­sen­der tarif­ge­bun­de­ner Arbeits- und Aus­bil­dungs­plät­ze, Stand­ort­schlie­ßun- gen, Ver­la­ge­run­gen sowie Erpres­sun­gen, um Zuge­ständ­nis­se zu erzwin­gen. Betrieb­li­che und tarif­li­che Errun­gen­schaf­ten wie die 35-Stun­den­wo­che und der 8-Stun­den­tag wer­den ange­grif­fen. Auch bei den Ent­gel­ten machen die Kapi­ta­lis­ten bei ihren Angrif­fen kei­nen Halt. Beleg­schaf­ten wer­den noch mehr in unter­schied­li­che Abtei­lun­gen oder Stand­or­te gespal­ten, Stamm­be­leg­schaf­ten gegen Leih­ar­bei­ten­de und exter­ne Werk­ver­trags­be­schäf­tig­te aus­ge­spielt, um eine kämp­fe­ri­sche, ver­ein­te Gegen­wehr zu erschweren.

Wäh­rend die arbei­ten­de Klas­se immer mehr gespal­ten und in pre­kä­re Arbeits- und Lebens­be­din­gun­gen gedrängt wird, wer­den Mul­ti­mil­lio­nä­re und Mil­li­ar­dä­re in ihrer offen­bar gren­zen­lo­sen Pro­fit­stei­ge­rung begüns­tigt. Mili­ta­ri­sie­rung, Faschis­mus, Natio­na­lis­mus und eine immer per­fi­de­re Abschot­tungs­po­li­tik füh­ren zu einer lebens­be­droh­li­chen und oft töd­li­chen Ent­mensch­li­chung einer gro­ßen Grup­pe von Armen und Entrechteten.

Ende Sep­tem­ber zeig­ten Hun­dert­tau­sen­de, dass sie die­se Ver­hält­nis­se so nicht mehr hin­neh­men wol­len. Der IG Metall-Pro­test­tag am 21.09., der Schul­streik gegen die „Wehr­pflicht“ am 25.09. und die bun­des­wei­ten DGB-Demos gegen den Sozi­al­kahl­schlag am 26.09. brach­ten gut 400.000 Men­schen auf die Stra­ße. Aller­dings lie­fen die Pro­test­ta­ge zwar in zeit­li­cher, nicht aber in orga­ni­sa­to­ri­scher Nähe zuein­an­der. Den gro­ßen DGB-Pro­test­tag auf einen Sams­tag zu legen, nahm die Mög­lich­keit, öko­no­mi­schen Druck zu erzeu­gen. Statt­des­sen set­zen Gewerk­schafts­füh­run­gen auf „run­de Tische“ und „Kom­pro­mis­se“.

Gegen­wehr jetzt!
Die zah­me, sozi­al­part­ner­schaft­li­che Gewerk­schafts­po­li­tik der letz­ten Jahr­zehn­te führt auch dazu, dass die arbei­ten­de Klas­se nicht kampf­erprobt ist. Dabei beton­te unser Refe­rent, dass es durch­aus mög­lich ist, auf den Gene­ral­an­griff mit einem poli­ti­schen Streik zu ant­wor­ten. Unse­re Kolleg:innen und Genoss:innen in Frank­reich, Ita­li­en, Spa­ni­en und anders­wo kön­nen uns dabei inspi­rie­ren. Der poli­ti­sche Streik gilt nach der durch ehe­ma­li­ge Nazi-Juris­ten gepräg­ten herr­schen­den Mei­nung des Bun­des­ar­beits­ge­richts in Deutsch­land zwar als unzu­läs­sig, gesetz­lich fest­ge­schrie­ben ist dies aber nicht.

Der Unmut in der Bevöl­ke­rung wächst und es bil­den sich immer mehr Initia­ti­ven einer kämp­fe­ri­schen Gegen­wehr. Ein Bei­spiel hier­für ist der Auf­ruf „Gegen­wehr jetzt“ (www.change.org/p/gegenwehr-jetzt), der for­dert: „Gegen Klas­sen­kampf von oben mit kon­se­quen­tem Wider­stand von unten“.

Die­se und ande­re Initia­ti­ven gilt es zusam­men­zu­füh­ren, um einen wirk­lich brei­ten, kämp­fe­ri­schen Wider­stand zu orga­ni­sie­ren. Begin­nen wir damit in unse­rem eige­nen Lebens- und Arbeitsumfeld!

Aus Avan­ti² Rhein-Neckar Novem­ber 2026
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